Sor­ge vor Groß­de­mo für Er­do­gan in Köln

Bu­se­mann: EU-Bei­tritts­ver­hand­lun­gen aus­set­zen

Neue Osnabrucker Zeitung - Georgsmarienhutte, Bad Iburg, Hilter - - VORDERSEITE - Bernd Bu­se­mann

Köln könn­te ein hei­ßer Sonn­tag be­vor­ste­hen: Bis zu 30 000 An­hän­ger des tür­ki­schen Prä­si­den­ten Er­do­gan wer­den er­war­tet. Was sie und was ih­re Geg­ner dür­fen, dar­über gibt es Streit vor Ge­richt.

KÖLN/OS­NA­BRÜCK. Vor der Pro-Er­do­gan-De­mons­tra­ti­on mit bis zu 30 000 er­war­te­ten Teil­neh­mern hat die Köl­ner Po­li­zei ein har­tes Vor­ge­hen ge­gen je­de Form von Ge­walt an­ge­kün­digt. Zwar ge­be es bis­her kei­ne Hin­wei­se, dass aus der Ver­samm­lung Stö­run­gen der öf­fent­li­chen Ord­nung ge­plant sei­en. Man wer­de aber ge­rüs­tet sein, so Po­li­zei­prä­si­dent Jür­gen Ma­thies. 2300 Po­li­zis­ten wür­den zu­sam­men­ge­zo­gen und acht Was­ser­wer­fer vor­ge­hal­ten.

Ma­thies schloss ein Ver­bot der Ver­an­stal­tung nicht aus. Soll­ten Mit­glie­der der tür­ki­schen Re­gie­rung ein­ge­flo­gen wer­den, kön­ne dies in der auf­ge­la­de­nen Si­tua­ti­on un­ter Um­stän­den da­zu füh­ren, dass die öf­fent­li­che Si­cher­heit nicht mehr ge­währ­leis­tet wer­den kön­ne. Dann müs­se die De­mons­tra­ti­on als letz­tes Mit­tel doch ver­bo­ten wer­den, sag­te Ma­thies.

Das Auf­stel­len ei­ner Vi­deo­lein­wand hat­te Ma­thies den Ver­an­stal­tern un­ter­sagt. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln kipp­te die­ses Ver­bot je­doch. Auf der Lein­wand dürf­ten aber aus­schließ­lich die Red­ner vor Ort über­tra­gen wer­den und nicht aus dem Aus­land zu­ge­schal­te­te Po­li­ti­ker wie Prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt hob auch das Ver­bot ei­ner rech­ten Ge­gen­de­mo auf. Hin­ter dem De­mons­tra­ti­ons­zug steht un­ter an­de­rem die rechts­ex­tre­mis­ti­sche Par­tei Pro NRW. Ins­ge­samt sind vier Ge­gen­de­mons­tra­tio­nen an­ge­mel­det, auch Au­to­no­me wer­den er­war­tet.

Der CDU-Po­li­ti­ker Jens Spahn for­der­te die Tür­ken in Deutsch­land auf, sich zu ent­schei­den, ob ih­re Loya­li­tät Er­do­gan oder der Bun­des­re­pu­blik gel­te. „Wir dür­fen er­war­ten, dass je­mand, der Deut­scher wer­den will, klar sagt, wo er steht“, schrieb er im „Ta­ges­spie­gel“.

Er­do­gan kün­dig­te der­weil den Rück­zug al­ler Kla­gen we­gen Be­lei­di­gung an. Als Zei­chen des gu­ten Wil­lens zie­he er die ge­gen hun­der­te Men­schen ein­ge­reich­ten Kla­gen we­gen Prä­si­den­ten­be­lei­di­gung zu­rück, sag­te er am Frei­tag­abend in An­ka­ra.

Un­ter­des­sen for­der­te Nie­der­sach­sens Land­tags­prä­si­dent Bernd Bu­se­mann (CDU) ein En­de der EU-Bei­tritts­ver­hand­lun­gen. „Die Tür­kei ist so weit weg von den Mi­ni­mal­an­sprü­chen der eu­ro­päi­schen Wer­te­ge­mein­schaft, dass es zur­zeit kei­nen Sinn mehr macht, Bei­tritts­ver­hand­lun­gen fort­zu­set­zen“, sag­te er un­se­rer Re­dak­ti­on. Dies sei ei­ne „Sa­che der Ehr­lich­keit“.

OS­NA­BRÜCK. Vor der tür­ki­schen Groß­de­mons­tra­ti­on am Sonn­tag in Köln hat die Po­li­zei­ge­werk­schaft GdP vor ei­ner Über­las­tung der Po­li­zei ge­warnt. In ei­nem Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on sag­te der Ge­werk­schafts­vor­sit­zen­de Oli­ver Mal­chow: „Wir müs­sen im­mer mehr län­der­über­grei­fen­de Ein­sät­ze bei Groß­de­mons­tra­tio­nen in Deutsch­land stem­men. Die De­cke ist ein­fach zu kurz.“

Da die Län­der sich bei sol­chen Ein­sät­zen ge­gen­sei­tig mit Be­am­ten un­ter­stüt­zen müss­ten, kön­ne die Po­li­zei vie­le an­de­re Auf­ga­ben im Kampf ge­gen All­tags­kri­mi­na­li­tät nicht mehr leis­ten.

Mal­chow warn­te: „Die Ver­kehrs­über­wa­chung kommt zu kurz, ge­nau­so wie die Straf­ver­fol­gung, die Er­mitt­lun­gen nach Ein­brü­chen, die Dro­gen­fahn­dung und auch die Prä­ven­ti­on.“ Grund da­für sei­en der jah­re­lan­ge Per­so­nal­ab­bau bei der Po­li­zei in vie­len Bun­des­län­dern so­wie die zahl­rei­chen Pe­gi­da-De­mons­tra­tio­nen im ver­gan­ge­nen Jahr, bei de­nen die Län­der sich ge­gen­sei­tig Po­li­zis­ten aus­ge­lie­hen hät­ten. In den ver­gan­ge­nen zwölf Jah­ren sei­en bei der Po­li­zei 16 000 Voll­zeit­stel­len ab­ge­baut wor­den.

Der Ge­werk­schafts­vor­sit­zen­de for­der­te: „Wir brau­chen min­des­tens 20000 zu­sätz­li­che Stel­len bei Bund, Län­dern und beim Bun­des­kri­mi­nal­amt.“We­gen der Ter­ror­ge­fahr in Deutsch­land müs­se die­se Zahl eher noch hö­her lie­gen.

Der GdP-Chef ap­pel­lier­te an die Teil­neh­mer der De­mons­tra­ti­on in Köln, fried­lich zu blei­ben. Es ge­be der­zeit aus po­li­zei­li­cher Sicht kei­nen An­lass, die Ak­ti­on zu ver­bie­ten – dies könn­te sich aber noch än­dern.

Fo­to: imago/ Mar­kus Hei­ne

Un­ter Hoch­druck: Po­li­zis­ten um­stel­len Er­do­gan-An­hän­ger bei ei­ner De­mons­tra­ti­on in Berlin.

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