Po­li­zei: Deut­sche Gren­zen vol­ler Lö­cher

We­gen Ter­ror­ge­fahr ver­län­gert Bun­des­re­pu­blik Kon­trol­len – Ge­werk­schaft GdP: Au­gen­wi­sche­rei

Neue Osnabrucker Zeitung - Georgsmarienhutte, Bad Iburg, Hilter - - POLITIK - Von Ma­ri­on Trim­born (Mit dpa)

In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re hat die Kon­trol­len an der Gren­ze zu Ös­ter­reich ver­län­gert – als Mit­tel im Kampf ge­gen Ter­ro­ris­ten. Die Po­li­zei­ge­werk­schaft hält das für Au­gen­wi­sche­rei.

BRÜS­SEL/OS­NA­BRÜCK. Trotz der ver­län­ger­ten Kon­trol­len wer­den die deut­schen Gren­zen nach Ein­schät­zung der Ge­werk­schaft der Po­li­zei (GdP) an vie­len Stel­len wei­ter of­fen wie ein Scheu­nen­tor sein. In ei­nem Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on sag­te der GdP-Vi­ze­vor­sit­zen­de Jörg Ra­dek: „Die Po­li­tik ist schuld, dass wir in Deutsch­land kei­nen Grenz­schutz ha­ben, der die­sen Na­men wirk­lich ver­dient.“

Nur die deutsch-ös­ter­rei­chi­sche Gren­ze wer­de in­fol­ge der Flücht­lings­kri­se kon­trol­liert. „Aber wir ver­nach­läs­si­gen

die an­de­ren Gren­zen, zum Bei­spiel die zu Bel­gi­en und Frank­reich. Da reiht sich Loch an Loch.“An der Gren­ze zu Bel­gi­en, et­wa in Aa­chen, ge­be es vie­le un­ter­be­setz­te Di­enst­stel­len.

Aus­ge­rech­net die­se Nach­bar­län­der sei­en aber Hoch­bur­gen

von is­la­mis­ti­schen Ter­ro­ris­ten in Eu­ro­pa. „Es ist un­ver­ant­wort­lich, dass wir da nicht kon­trol­lie­ren. Auch im Os­ten sind die deut­schen Gren­zen of­fen wie ein Scheu­nen­tor“, sag­te der Ge­werk­schafts-Vi­ze. Das Si­cher­heits­ver­spre­chen von Bun­des­in­nen­mi­nis­ter

Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) sei Au­gen­wi­sche­rei. Die Bun­des­po­li­zei be­nö­ti­ge et­wa 5000 zu­sätz­li­che Be­am­te, um al­le Gren­zen wirk­lich schüt­zen zu kön­nen.

Mi­nis­ter de Mai­ziè­re ver­län­ger­te am Don­ners­tag die Kon­trol­len an der deutsch­ös­ter­rei­chi­schen Gren­ze für wei­te­re sechs Mo­na­te. Auch Flug­ver­bin­dun­gen von Grie­chen­land nach Deutsch­land wer­den kon­trol­liert. Zur Be­grün­dung ver­wies er auf die Se­rie von Ter­ror­an­schlä­gen in Deutsch­land und Eu­ro­pa. Auch Dä­ne­mark ver­län­ger­te sei­ne Kon­trol­len. Ein­ge­führt wur­den die­se im Ja­nu­ar 2016 we­gen stei­gen­der Flücht­lings­zah­len. Nun prüft die EU-Kom­mis­si­on, ob die­ser Schritt den EU-Re­geln des ei­gent­lich kon­troll­frei­en Schen­gen­raums ent­spricht.

Die Maß­nah­me sei mit den be­trof­fe­nen Staa­ten ab­ge­spro­chen, er­klär­te de Mai­ziè­re. Die Rück­kehr zu ei­nem Schen­gen­raum oh­ne Kon­trol­len an den Bin­nen­gren­zen sei erst mög­lich, wenn sich die Ge­samt­la­ge bes­se­re, sag­te der Mi­nis­ter.

Die EU-Kom­mis­si­on be­stä­tig­te den Ein­gang ent­spre­chen­der Mit­tei­lun­gen bei­der Län­der. Die EU woll­te die Kon­trol­len an den Bin­nen­gren­zen ei­gent­lich zum Jah­res­en­de ab­schaf­fen. Die Son­der­re­ge­lung auf Ba­sis des Schen­ge­ner Ab­kom­mens wä­re für Deutsch­land am 11. No­vem­ber aus­ge­lau­fen. Bis da­hin will Brüs­sel die Be­grün­dung für die Ver­län­ge­rung prü­fen.

Ka­ri­ka­tur: Ma­rio Lars

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