FERNSEHEN

„Ba­by­lon Ber­lin“läuft er­folg­reich im Ers­ten, ob­schon die Se­rie ver­gleichs­wei­se kom­plex er­zählt wird

Neue Osnabrucker Zeitung - Georgsmarienhutte, Bad Iburg, Hilter - - VORDERSEITE - dpa

Ter­ra X – Ver­rä­te­ri­sche Spu­ren An die­sem und nächs­ten Sonn­tag zeigt das ZDF die Ent­ste­hung der Fo­ren­sik. Mit da­bei: Chris­ti­ne Ur­spruch. ZDF, Sonn­tag, 19.30 Uhr

Si­cher war es nicht, wie er­folg­reich die Kri­mi­se­rie im Ers­ten wohl sein wür­de. Aber bis­her läuft es rund für „Ba­by­lon Ber­lin“. Das In­ter­es­se der Zu­schau­er ist groß, auch und gera­de in der Me­dia­thek.

BER­LIN Es ist Halb­zeit bei „Ba­by­lon Ber­lin“. Von den ins­ge­samt 16 Fol­gen, die auf Vol­ker Kut­schers 2008 er­schie­ne­nem Best­sel­ler „Der nas­se Fisch“ba­sie­ren, sind in­zwi­schen acht im Ers­ten ge­lau­fen. Und das aus ARD-Sicht aus­ge­spro­chen er­folg­reich – da­bei ist „Ba­by­lon Ber­lin“streng ge­nom­men ei­ne Wie­der­ho­lung. Denn sie war 2017 be­reits kom­plett beim AboSen­der Sky zu se­hen. Und man­cher Skep­ti­ker war si­cher, das kön­ne nicht gut ge­hen, wenn sie erst deut­lich spä­ter ins öf­fent­lich-recht­li­che Fernsehen kom­me. Da­bei ist sie für die ARD „das TV-Er­eig­nis des Jah­res“.

Die Se­rie über den jun­gen Kom­mis­sar Ge­re­on Rath (Vol­ker Bruch), der 1929 aus Köln nach Ber­lin ins Sit­ten­de­zer­nat ver­setzt wird, hat schon Sky sei­ner­zeit als gro­ßen Er­folg ver­bucht. Pro Fol­ge hat­te „Ba­by­lon Ber­lin“bei dem Pay-TV-Sen­der um die 570 000 Zu­schau­er. Bes­se­re Wer­te hat­te Sky bis da­hin nur bei der sieb­ten Staf­fel von „Ga­me of Thro­nes“. Doch wer be­fürch­tet hat­te, das The­ma sei da­mit durch, wur­de nun ei­nes Bes­se­ren be­lehrt. Die Zu­schau­er­zah­len stim­men – ob­wohl die fa­cet­ten­rei­che Ge­schich­te auf der Langstre­cke er­zählt wird, al­so nichts für Kri­mi­fans ist, die schnell den Mör­der prä­sen­tiert be­kom­men wol­len.

Zum Auf­takt, als das Ers­te En­de Sep­tem­ber gleich drei Fol­gen am Stück auf dem „Tat­ort“-Sen­de­platz am Sonn­tag­abend zeig­te, wa­ren im Schnitt 7,83 Mil­lio­nen Zu­schau­er da­bei. Ei­nen ful­mi­nan­ten Start nann­te das ARD-Pro­gramm­di­rek­tor Vol­ker Her­res. Die Fol­gen sie­ben und acht am Don­ners­tag­abend, die letz­ten der so­ge­nann­ten ers­ten Staf­fel, hat­ten im Schnitt 4,38 Mil­lio­nen Zu­schau­er – und das nur im klas­si­schen Fernsehen, das für man­che Se­ri­en­fans längst zwei­te Wahl ist.

„An­ge­sichts der für deut­sche Zu­schau­er und Zu­schaue­rin­nen un­ge­wohn­ten kom­ple­xen Er­zähl­wei­se sind die Quoten durch­aus be­acht­lich“, so die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Prof. Jo­an Blei­cher von der Uni­ver­si­tät Ham­burg. „Schließ­lich rich­ten sich in an­de­ren Län­dern wie den USA ver­gleich­ba­re Se­ri­en an ein klei­nes, ge­bil­de­tes und gut ver­die­nen­des Pu­bli­kum. An­ge­sichts des Ein­heits­breis ver­gleich­ba­rer For­ma­te ste­chen Pro­duk­tio­nen wie „Ba­by­lon Ber­lin“al­lein schon durch ih­re vi­su­el­le Opu­lenz und his­to­ri­sche Aus­rich­tung her­vor.“

Und mit Darstel­lern wie Liv Li­sa Fries, Pe­ter Kurth, Lars Ei­din­ger, Jör­dis Trie­bel, Frit­zi Ha­ber­landt, Han­nah Herz­sprung und Ben­no Für­mann ist „Ba­by­lon Ber­lin“auch noch pro­mi­nent be­setzt. Al­ler­dings ver­langt die Se­rie den Zu­schau­ern ei­ni­ges ab – nicht nur, weil sie über 16 Fol­gen lang dran­blei­ben müs­sen, auch weil sie nicht ein­fach ei­ne Kri­mi­nal­ge­schich­te ist: Im­mer wie­der schei­nen die po­li­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen in der Spät­pha­se der Wei­ma­rer Re­pu­blik durch.

Kom­plex ist auch der Aus­strah­lungs­rhyth­mus. Gab es zu­nächst an ei­nem Sonn­tag drei Fol­gen, dann wei­te­re drei an ei­nem Don­ners­tag, am nächs­ten Don­ners­tag dann zwei, kommt da­nach in der zwei­ten Hälf­te don­ners­tags im­mer ei­ne Dop­pel­fol­ge. „Das Sen­de­sche­ma ist na­tür­lich ei­ne Her­aus­for­de­rung an die Zeit­pla­nung der Men­schen“, er­läu­tert Jo­an Blei­cher. „Gera­de an Werk­ta­gen werden Sen­dun­gen ab 22.00 Uhr von vie­len nicht mehr ge­se­hen.“

Drit­te Staf­fel ge­plant

Das er­klärt die Re­kord­zahl bei den Vi­deo­ab­ru­fen: Für die ers­ten acht Fol­gen wa­ren es bis ein­schließ­lich Mitt­woch (10. Ok­to­ber) rund 3,81 Mil­lio­nen. Prof. Blei­cher fin­det al­ler­dings, die Be­reit­stel­lungs­dau­er sei zu kurz, und plä­diert für ein „län­ge­res, zeit­un­ab­hän­gi­ges An­ge­bot in der Me­dia­thek“. Dort las­sen sich die Fol­gen je­weils nur sie­ben Ta­ge lang ab­ru­fen.

Die zwei­te Halb­zeit von „Ba­by­lon Ber­lin“star­tet am Don­ners­tag, 18. Ok­to­ber, um 20.15 Uhr. Dann zeigt das Ers­te zwei neue Fol­gen am Stück – ge­nau wie an den Don­ners­ta­gen da­nach bis zum 8. No­vem­ber. Und si­cher ist schon jetzt, dass es da­nach noch wei­ter­geht. Dreh­start für die drit­te Staf­fel soll im Spät­herbst sein, vor­aus­sicht­lich im No­vem­ber.

Wis­sens­wer­tes zu ak­tu­el­len Se­ri­en fin­den Sie auch auf noz.de/me­di­en

Fo­to: ARD De­ge­to/X-Fil­me/Be­ta Film/Sky/Ba­tier

Kom­ple­xe Er­zäh­lung: Ba­by­lon Ber­lin will auch po­li­ti­sche und so­zia­le Hin­ter­grün­de der 20er-Jah­re ab­bil­den.

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