Stopp­schil­der set­zen

Neue Osnabrucker Zeitung - Georgsmarienhutte, Bad Iburg, Hilter - - NORDWEST - Von Ma­ri­on Trim­born m.trim­born@noz.de dpa, AFP

ROM Die ita­lie­ni­sche Re­gie­rung sorgt mit ih­ren Haus­halts­plä­nen für Ner­vo­si­tät an den Märk­ten und ge­rät in­ter­na­tio­nal im­mer mehr in die Kri­tik. Die Re­gie­rung will ei­ne Rei­he kost­spie­li­ger An­lie­gen um­set­zen – und da­für ho­he De­fi­zi­te in Kauf neh­men. Das be­rei­tet den an­de­ren Eu­ro­staa­ten Sor­gen.

Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Olaf Scholz (SPD) sag­te ges­tern bei der Jah­res­ta­gung von In­ter­na­tio­na­lem Wäh­rungs­fonds (IWF) und Welt­bank im in­do­ne­si­schen Nu­sa Dua, wenn man Rom ei­nen Rat ge­ben wol­le, lau­te der: „Seid vor­sich­tig mit dem, was ihr macht.“Zugleich warn­te Scholz vor zu stär­ker Ein­mi­schung von­sei­ten der EU, denn es ge­he um die Haus­halts­plä­ne ei­nes Staa­tes: „Das ist kein The­ma der Eu­ro­päi­schen Uni­on, son­dern des Staa­tes Ita­li­en.“Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU)woll­te­ges­tern­in­Ber­lin die Haus­halts­la­ge Ita­li­ens nicht be­wer­ten.

Das ita­lie­ni­sche Par­la­ment hat­te am Don­ners­tag der um­strit­te­nen Fi­nanz­pla­nung der Re­gie­rung zu­ge­stimmt. Die Haus­halts­plä­ne se­hen Mehr­aus­ga­ben von 36,7 Mil­li­ar­den Eu­ro vor. Als Re­ak­ti­on auf die hö­he­ren Schul­den stei­gen die Zin­sen auf Staats­an­lei­hen, und es wird für Ita­li­en teu­rer, Schul­den

Es ist ein Déjà-vu: Da ver­teilt ei­ne Re­gie­rung trotz Re­kord­schul­den wei­ter groß­zü­gig Wahl­ge­schen­ke, ver­spricht frü­he Ren­ten und nied­ri­ge­re Steu­ern, hat aber gar nicht das Geld da­für. Die­ses Mal geht es nicht um das Eu­ro-Sor­gen­kind Grie­chen­land, son­dern um Ita­li­en, das sich auf wag­hal­si­ge Wei­se ins Schul­den­ma­chen stürzt.

Mit ei­nem gra­vie­ren­den Un­ter­schied: Ita­li­en ist als dritt­größ­te Volks­wirt­schaft der Eu­ro­zo­ne ein völ­lig an­de­res Ka­li­ber als das öko­no­mi­sche Leicht­ge­wicht Grie­chen­land. Wür­de Ita­li­en zah-

zu­rück­zu­zah­len. Die po­pu­lis­ti­sche Fünf-Ster­ne-Be­we­gung und die rech­te Le­ga wol­len ne­ben ei­ner Ab­sen­kung des Ren­ten­al­ters ei­ne Grund­si­che­rung ein­füh­ren.

Die Sor­ge um die ita­lie­ni­sche Haus­halts­po­li­tik trüb­te zu­letzt die Stim­mung der An­le­ger am Ak­ti­en­markt in Eu­ro­pa deut­lich ein. Bis zum 15. Ok­to­ber muss Rom den Haus­halts­ent­wurf bei der EU-Kom­mis­si­on ein­rei­chen, die die­sen dann prüft.

Ita­li­en weist ei­nen enor­men Schul­den­berg von et­wa 2,3 Bil­lio­nen Eu­ro auf, das sind mehr als 130 Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­dukts. In der EU sind nach ge­mein­sam ver­ein­bar­ten Re­geln le­dig­lich 60 Pro­zent er­laubt, um die Fi­nanz­sta­bi­li­tät des Eu­ros nicht zu ge­fähr­den. lungs­un­fä­hig, kä­me der Eu­ro-Ret­tungs­schirm schnell an sei­ne Gren­zen.

Was treibt die po­pu­lis­ti­sche Re­gie­rung Ita­li­ens nur an? Pa­thos und über­stei­ger­ter Na­tio­na­lis­mus ge­hö­ren wohl da­zu, aber auch Ent­täu­schung über EU-Part­ner, von de­nen Rom sich be­son­ders in der Flücht­lings­kri­se ver­las­sen fühlt. Es scheint,

Auch an­de­re Län­der der EU rei­ßen die Maas­trich­tHür­de bei den Ge­samt­schul­den, Deutsch­land kehrt erst in die­sem Jahr vor­aus­sicht­lich wie­der un­ter die 60-Pro­zent-Gren­ze zu­rück – erst­mals seit 2002.

Fi­nanz­ex­per­ten be­ton­ten in, man dür­fe sich in kei­ne Pa­nik hin­ein­re­den. IWF-Che­fin Chris­ti­ne La­g­ar­de hat­te Ita­li­en zu­vor auf­ge­for­dert, die Schul­den­re­geln der EU ein­zu­hal­ten. „Ich möch­te al­le dar­an er­in­nern, dass, wenn man Mit­glied ei­nes Clubs ist und sich ent­schei­det, in die­sem Club zu blei­ben, dann spielt man nach den Re­geln die­ses Clubs.“

Bun­des­bank-Prä­si­dent Jens Weid­mann warn­te in­des vor ei­ner ho­hen Be­las­tung der Bi­lan­zen ita­lie­ni­scher als ob Ita­li­ens Po­li­ti­ker dar­auf spe­ku­lie­ren, Geld von an­de­ren Eu­ro­staa­ten für die Ret­tung zu er­zwin­gen oder eben aus dem Eu­ro aus­zu­tre­ten. Ge­nau da soll­te die EU-Kom­mis­si­on ein Stopp­schild set­zen. Sie muss Rom klar­ma­chen, dass nie­mand auf Kos­ten an­de­rer Län­der le­ben kann. Auch das Ta­bu, dass kein Land aus dem Eu­ro­raum aus­tre­ten kann, muss fal­len. Sonst wä­re Eu­ro­pa auf dem Weg in die Trans­fer­uni­on – mit Deutsch­land als Zahl­meis­ter. Ban­ken mit Staats­an­lei­hen. „Wir se­hen die Ent­wick­lung, dass die Bank­bi­lan­zen in Ita­li­en in letz­ter Zeit eher mehr Staats­an­lei­hen auf­wei­sen als we­ni­ger“, sag­te Weid­mann. Im Fal­le ei­ner ge­mein­sa­men Ein­la­gen­si­che­rung in Eu­ro­pa wür­de die Ge­fahr be­ste­hen, dann über die­ses In­stru­ment auch Aus­fall­ri­si­ken für Staa­ten zu über­neh­men.

Bei der IWF-Jah­res­ta­gung ge­riet Chi­na zu­neh­mend in den Fo­kus. Die Teil­neh­mer der Ta­gung for­der­ten, Chi­na sol­le sich an die Re­geln des so­ge­nann­ten Pa­ri­ser Clubs hal­ten, des­sen Län­der ver­gleich­ba­re Kre­dit­re­geln ha­ben.

IWF-Tref­fen in Nu­sa Dua: le­sen Sie mehr auf noz.de/wirt­schaft

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