Star­kes „Ei­chel-Jahr“ruft in den Wald

Sam­mel­ak­ti­on mit der Ober­schu­le Hilter bei Jo­han­nes Mey­er zum Al­ten Borg­loh

Neue Osnabrucker Zeitung - Georgsmarienhutte, Bad Iburg, Hilter - - SÜDKREIS - Von Ca­ro­lin Hla­watsch

HILTER Ei­ne völ­lig neue Auf­ga­be für die Schü­ler aus den sechs­ten Klas­sen der Ober­schu­le Hilter: Sie hal­fen Jo­han­nes Mey­er zum Al­ten Borg­loh, Wald­bau­er und Vor­sit­zen­der der Wald­schutz­ge­nos­sen­schaft Os­na­brück-Süd, beim Sam­meln der Ei­cheln in sei­nem Ei­chen-Wald in der Ge­mar­kung Eb­ben­dorf.

Plok – wie­der lan­det ei­ne Ei­chel im Ei­mer, plok – und dann die nächs­te. Rund 100 Ki­lo­gramm der Baum­früch­te brach­ten die 43 zehn- bis vier­zehn­jäh­ri­gen Schü­ler zu­sam­men. Nach­dem sie ge­mein­sam von der Ober­schu­le zum Wald ge­wan­dert wa­ren, durch­streif­ten sie, auf­ge­teilt in klei­ne Grup­pen, das knapp vier Hekt­ar gro­ße Are­al. Ne­ben dem Sam­meln durf­te auch ent­deckt und ge­tobt werden.

So stieß ei­ne Grup­pe auf ei­nen Fuchs­bau, ei­ne an­de­re auf ei­nen „Wur­zel-Ses­sel“am Fu­ße ei­ner alt­ehr­wür­di­gen Ei­che. „Die Ak­ti­on macht rich­tig Spaß. Wir le­ben hier auf dem Land, und so ist es wich­tig, auch in der Schu­le Be­zug zur Na­tur, zu Forst- und Land­wirt­schaft her­zu­stel­len“, sag­te Klas­sen­leh­re­rin Sol­veig Bült­mann, die die Schü­ler zu­sam­men mit drei wei­te­ren Kol­le­gin­nen be­glei­te­te. Die Leh­re­rin­nen hat­ten so­gar ei­ne Kof­fer­waa­ge im Pick­nick­ge­päck, um spä­ter den Sam­mel-Sie­ger zu kü­ren.

Auf­grund der star­ken Ei­chel­mast in die­sem Jahr hat­te Be­zirks­förs­ter Theo Ot­ten vom For­st­amt We­ser-Ems der Land­wirt­schafts­kam­mer Nie­der­sach­sen, wel­ches die Pri­vat­wäl­der be­treut, die Sam­mel­ak­ti­on an der Ober­schu­le Hilter vor­ge­schla­gen. Wald­bau­er Jo­han­nes Mey­er zum Al­ten Borg­loh konn­te sich nun über tat­kräf­ti­ge Un­ter­stüt­zung freu­en. „Die ge­sam­mel­ten Ei­cheln werden an ei­ne Baum­schu­le bei Bre­mer­ha­ven ge­lie­fert. Dort küm­mern sich Ex­per­ten um die Kei­mung und das an­schlie­ßen­de Wachs­tum der jun­gen Ei­chen, be­vor sie in drei bis vier Jah­ren dann als klei­ne Bäu­me ge­zielt ge­pflanzt werden kön­nen“, er­klär­te er.

Ei­ne na­tür­li­che Ver­brei­tung von Ei­chen, oh­ne die Hil­fe des Men­schen, ge­lin­ge kaum, da die lang­sam wach­sen­de Baum­art von do­mi­nan­te­ren Ar­ten wie Bu­chen oder Brom­beer-Sträu­cher über­wu­chert und zu­dem wo­mög­lich noch als schwa­ches „BaumBa­by“von Re­hen an­ge­knab­bert wird.

Im Ge­gen­satz zu Buch­eckern oder vie­len an­de­ren Früch­ten und Sa­men kön­nen Ei­cheln nicht kon­ser­viert werden. Des­we­gen sei es wich­tig, sie jetzt zu sam­meln und an die Baum­schu­len zu ge­ben, die, so Mey­er zum Al­ten Borg­loh, ein mas­si­ves Men­gen­pro­blem mit dem Pflanz­gut ha­ben und wohl auch zu­künf­tig ha­ben werden.

Über­le­bens­stra­te­gie

Schuld dar­an sei das Kli­ma, in die­sem Jahr mit Sturm Frie­de­ri­ke und der an­schlie­ßen­den ex­tre­men Trockenheit und In­sek­ten­fraß. Die­se Wet­ter­ex­tre­me hät­ten aber auch da­zu ge­führt, dass es nun so vie­le Ei­cheln und auch Buch­eckern gibt. „Ei­ne Art Über­le­bens­stra­te­gie der Bäu­me. Wenn es ih­nen schlecht geht, pro­du­zie­ren sie noch mal ei­ne Men­ge Früch­te mit Sa­men, um sich vor dem Ab­ster­ben mög­lichst noch ver­meh­ren zu kön­nen“, weiß der Wald­bau­er.

Nor­mal sei aber, dass es Jah­re mit vie­len Ei­cheln, al­so ei­ner star­ken Ei­chel­mast, und Jah­re mit we­ni­gen Ei­cheln gä­be. „So hat­ten wir vor drei Jah­ren so ei­ne star­ke Mast, dass wir hier über ei­ne Ton­ne Ei­cheln ein­sam­mel­ten. Letz­tes Jahr hin­ge­gen gab es sehr we­ni­ge Ei­cheln“, er­in­nert sich Jo­han­nes Mey­er zum Al­ten Borg­loh.

Üb­ri­gens eig­nen sich nicht grund­sätz­lich al­le Wäl­der zum Sam­meln für Baum­schu­len. Nur in zer­ti­fi­zier­ten Wald­stü­cken dür­fe für die­se In­sti­tu­tio­nen zu­sam­men­ge­tra­gen werden. So über­prü­fe die Nord­west­deut­sche Forst­li­che Ver­suchs­an­stalt in Göt­tin­gen un­ter an­de­rem durch Gen­pro­ben, ob sich die Sa­men von Bäu­men ei­nes be­stimm­ten Wald­ge­biets zur Ver­meh­rung der Baum­art eig­nen. „In die­sem Wald, in dem ne­ben vor­ran­gig Ei­chen auch Bu­chen und Hain­bu­chen wach­sen wur­de ein Rein­heits­grad von 92 Pro­zent fest­ge­stellt, das heißt kaum ei­ne Ver­mi­schung der hier wach­sen­den Stie­lei­che mit an­de­ren Ei­chen­ar­ten“, er­klär­te Jo­han­nes Mey­er zum Al­ten Borg­loh, be­vor er den nächs­ten Ju­te­sack auf­hielt, da­mit die Schü­ler ei­ne wei­te­re La­dung Ei­cheln hin­ein­schüt­ten konn­ten.

Fo­to: Ca­ro­lin Hla­watsch

tru­gen die Ober­schü­ler aus Hilter-Borg­loh zu­sam­men. Dar­über freu­te sich auch Wald­bau­er Jo­han­nes Mey­er zum Al­ten Borg­loh (links).

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.