Angst vor dem Krieg: Je äl­ter, des­to skep­ti­scher

Vor 100 Jah­ren en­de­te der Ers­te Welt­krieg – ei­ne Mehr­heit der Deut­schen ver­misst die rich­ti­gen Leh­ren / For­sa-Um­fra­ge für die NOZ

Neue Osnabrucker Zeitung - Georgsmarienhutte, Bad Iburg, Hilter - - VORDERSEITE - Von Burk­hard Ewert und Tho­mas Lud­wig

Nur je­der drit­te Deut­sche glaubt, dass aus den Welt­krie­gen des letz­ten Jahr­hun­derts die rich­ti­gen Leh­ren ge­zo­gen wor­den sind und heu­te al­les da­für ge­tan wer­de, um Krie­ge zu ver­mei­den. Was droht in der Zu­kunft?

OS­NA­BRÜCK Nur ei­ne Min­der­heit von 35 Pro­zent der Deut­schen sagt, dass die his­to­ri­sche Er­fah­rung von Ers­tem und Zwei­tem Welt­krieg heu­te noch hand­lungs­lei­tend sei. 62 Pro­zent der Be­frag­ten glau­ben es nicht. Das er­gab ei­ne re­prä­sen­ta­ti­ve Um­fra­ge des Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts For­sa für un­se­re Re­dak­ti­on. An­lass für die Be­fra­gung ist der 100. Jah­res­tag des En­des des Ers­ten Welt­kriegs an die­sem Sonn­tag. Am 11. No­vem­ber 1918 wur­de der Waf­fen­still­stand von Com­pièg­ne ge­schlos­sen.

Be­son­ders äl­te­re Deut­sche, die di­rek­te Er­in­ne­run­gen an den Zwei­ten Welt­krieg oder un­mit­tel­ba­re Fol­gen für ih­re Fa­mi­lie er­lebt ha­ben, sind er­nüch­tert. Von ih­nen ge­ben 69 Pro­zent an, aus dem Grau­en der Ver­gan­gen­heit sei­en kei­ne hin­rei­chen­den Kon­se­quen­zen ge­zo­gen wor­den. Bei den un­ter 18-Jäh­ri­gen ist es nur je­der zwei­te Be­frag­te.

We­nig an­ders sieht die La­ge aus, wenn nach dem Selbst­bild als Na­ti­on ge­fragt wird. Nur ei­ne knap­pe Mehr­heit (54 Pro­zent) hält das Deutsch­land der Ge­gen­wart für fried­lie­bend. 43 Pro­zent ver­nei­nen die Aus­sa­ge. 60 Pro­zent mei­nen so­gar, dass Krie­ge wie­der auf dem Weg sind, ein gän­gi­ges Mit­tel der Au­ßen­po­li­tik zu wer­den. Nicht mal ein Drit­tel fin­det das nicht.

Die Mehr­heit sagt im­mer­hin, dass die Kon­flik­te der Zu­kunft klei­ner blei­ben wer­den als in der Ver­gan­gen­heit. Mit knapp vier von zehn Be­frag­ten hält es zwar ein si­gni­fi­kan­ter An­teil für sehr oder eher wahr­schein­lich, dass es noch ein­mal zu ei­nem Welt­krieg kommt. 58 Pro­zent glau­ben je­doch, dies sei eher un­wahr­schein­lich be­zie­hungs­wei­se so gut wie aus­ge­schlos­sen.

Für die Stu­die hat For­sa im Ok­to­ber 1516 Deut­sche be­fragt. Wer den Lin­ken oder der AfD zu­neigt, hat be­son­ders gro­ße Angst vor ei­nem er­neu­ten glo­ba­len Kon­flikt, wie sich da­bei zeig­te. Die An­hän­ger von Uni­on und SPD, aber auch der Grü­nen ge­ben sich we­ni­ger be­sorgt.

Der Po­li­to­lo­ge und Kon­flikt­for­scher Her­fried Münk­ler nennt als ei­nen we­sent­li­chen sta­bi­li­sie­ren­den Frie­dens­fak­tor die EU. „Die eu­ro­päi­schen Re­gie­run­gen ha­ben auf Krieg als po­li­ti­sches Mit­tel zur Durch­set­zung ih­res Wil­lens ver­zich­tet. Die Eu­ro­päi­sche Uni­on ist ein ge­nia­ler Me­cha­nis­mus, um Kon­flik­te zu ent­po­li­ti­sie­ren und zu ent­schär­fen. Das hat über Jahr­zehn­te gut funk­tio­niert“, sag­te er im In­ter­view mit un­se­rer Re­dak­ti­on.

Ri­si­ken für die Zu­kunft sieht der Er­folgs­au­tor („Der Gro­ße Krieg“) vor al­lem in Afri­ka und im Na­hen Os­ten. „Mir ma­chen die vie­len klei­nen Kon­flik­te Sor­gen, die sich aus­wei­ten, manch­mal merkt man das gar nicht, und dann ist plötz­lich Krieg“, warn­te Münk­ler. „Sol­chen Kon­flik­ten müs­sen wir mehr Auf­merk­sam­keit wid­men, denn sie kön­nen Flücht­lings­strö­me in gro­ßem Stil in Gang set­zen.“

Russ­land sol­le der Wes­ten hin­ge­gen „nicht als den gro­ßen Ge­fähr­der hoch­sti­li­sie­ren. Die Rus­sen kön­nen zwar un­an­ge­nehm sein, aber sie sind ziem­lich ra­tio­na­le Ak­teu­re“, sag­te der Ber­li­ner Wis­sen­schaft­ler.

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