Kampf ge­gen Rechts­po­pu­lis­mus

Grü­ne schwö­ren sich auf Par­tei­tag für Neu­auf­bruch in Eu­ro­pa ein

Neue Osnabrucker Zeitung - Georgsmarienhutte, Bad Iburg, Hilter - - POLITIK - Dpa

In vie­len Län­dern in Eu­ro­pa ha­ben es Rechts­po­pu­lis­ten an die Schalt­he­bel ge­schafft. Die Grü­nen wol­len sich da­mit nicht ab­fin­den. Sie set­zen ei­nen op­ti­mis­ti­schen Eu­ro­pa­kurs da­ge­gen.

LEIP­ZIG Die Grü­nen ha­ben sich auf ei­nen ent­schlos­se­nen Kampf ge­gen Rechts­po­pu­lis­mus und für ei­nen Neu­auf­bruch in Eu­ro­pa ein­ge­schwo­ren. Zum Start ih­res Eu­ro­pa­par­tei­tags in Leip­zig for­der­te Grü­nen-Che­fin An­na­le­na Ba­er­bock ei­ne „hu­ma­ne, ge­ord­ne­te Flücht­lings- und Mi­gra­ti­ons­po­li­tik“. Star­pia­nist Igor Le­vit wand­te sich in ei­nem Gespräch mit Co-Par­tei­chef Ro­bert Ha­beck auf der Büh­ne scharf ge­gen rech­te Po­li­ti­ker: „Als Bür­ger las­se ich es nicht zu, dass die­ses Eu­ro­pa von [. . .] lü­gen­den Spal­tern in den Müll ge­tre­ten wird.“

Ba­er­bock sag­te vor rund 800 De­le­gier­ten: „Die­ses Eu­ro­pa, das steckt in ei­ner tie­fen Kri­se. Das se­hen wir am Br­ex­it, das se­hen wir über­all da, wo die Rechts­ex­tre­mis­ten und Rechts­po­pu­lis­ten an die Macht kom­men, aber das se­hen wir auch und vor al­len Din­gen an der Hand­lungs­un­fä­hig­keit der na­tio­na­len Re­gie­run­gen, die le­dig­lich den Sta­tus quo ver­wal­ten in Eu­ro­pa, statt zu ver­än­dern.“Po­li­tik auf dem kleins­ten ge­mein­sa­men Nen­ner ver­schär­fe die Kri­se. Nö­tig sei fol­gen­der Kurs: „Wir über­neh­men Ver­ant­wor­tung und be­grün­den das eu­ro­päi­sche Haus neu, öko­lo­gisch, de­mo­kra­tisch und so­zi­al.“

Bis zur Eu­ro­pa­wahl im Mai gel­te für die Grü­nen: „Wir müs­sen in den nächs­ten Mo­na­ten mit Haut und Haa­ren, mit Lei­den­schaft, [. . .] mit al­lem, was wir ha­ben, für Eu­ro­pa kämp­fen.“Zen­tral sei die Bän­di­gung der Fi­nanz­märk­te. „Er, der zü­gel­lo­se Finanzmarkt, war der Va­ter al­ler Pro­ble­me der letz­ten Jah­re“, sag­te Ba­er­bock.

Bei der Flücht­lings­po­li­tik for­der­te Ba­er­bock ei­ne Zu­sam­men­ar­beit der Staa­ten, die das eu­ro­päi­sche Asyl­sys­tem re­for­mie­ren wol­len. „Wer meint, Hu­ma­ni­tät und ge­ord­ne­te Flücht­lings­po­li­tik gin­gen nicht zu­sam­men, weil nicht al­le mit­ma­chen, der kennt Eu­ro­pa wirk­lich schlecht“, sag­te sie. Es brau­che le­ga­le Flucht­we­ge, ei­ne Re­gis­trie­rung der Flücht­lin­ge an der EU-Gren­ze und ei­ne fai­re Ver­tei­lung. Da nicht al­le Na­tio­nal­staa­ten mit­mach­ten, sei es wich­tig, die Kom­mu­nen zu för­dern, wenn sie Men­schen auf­näh­men. Es sei Zeit, in der Asyl­de­bat­te wie­der die Men­schen und ih­re Schick­sa­le zu se­hen: „Das To­xi­sche an der Asyl­de­bat­te ist doch, dass aus Men­schen Mas­se wird.“

Auf dem De­le­gier­ten­tref­fen wol­len die Grü­nen bis mor­gen ih­re Lis­te für die Eu­ro­pa­wahl auf­stel­len und ihr Wahl­pro­gramm ver­ab­schie­den. „Wir über­las­sen die­ses Eu­ro­pa nicht den Or­báns, den Le Pens und den Sal­vi­nis“, sag­te Bun­des­ge­schäfts­füh­rer Micha­el Kell­ner. Er nann­te für die Grü­nen, die in bun­des­wei­ten Um­fra­gen bei 19 bis 24 Pro­zent ste­hen, ei­ne wei­te­re gu­te Nachricht: Mit mehr als 70 000 Mit­glie­dern ver­zeich­ne die Par­tei ei­nen neu­en Re­kord.

Fo­to: dpa/Hen­drik Schmidt

De­le­gier­te der Grü­nen stim­men in Leip­zig über das Eu­ro­pa­wahl­pro­gramm ab.

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