Mer­kel: Ge­gen Hass zu­sam­men­hal­ten

Flücht­lings­po­li­tik be­kräf­tigt – Rös­ler warnt vor AfD

Neue Osnabrucker Zeitung - Hagen, Hasbergen - - VORDERSEITE -

Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel hat die Deut­schen zu Op­ti­mis­mus trotz al­ler Be­dro­hun­gen durch is­la­mis­ti­schen Ter­ror auf­ge­ru­fen und vor Eu­ro­paund De­mo­kra­tie­mü­dig­keit ge­warnt.

BERLIN. In ih­rer vor­ab ver­öf­fent­lich­ten Neu­jahrs­an­spra­che sag­te die CDU-Po­li­ti­ke­rin, De­mo­kra­tie, Rechts­staat und ge­mein­sa­me Wer­te sei­en „der Ge­gen­ent­wurf zur hass­er­füll­ten Welt des Ter­ro­ris­mus, und sie wer­den stär­ker sein als der Ter­ro­ris­mus“. Dem Hass gel­te es, „un­se­re Mit­mensch­lich­keit und un­se­ren Zu­sam­men­halt ent­ge­gen­zu­set­zen“.

Dass auch Flücht­lin­ge un­ter den Ter­ro­ris­ten et­wa in Würz­burg, Ans­bach und Berlin ge­we­sen sei­en, sei „be­son­ders bit­ter und wi­der­wär­tig“. Die­se Men­schen hät­ten die Hilfs­be­reit­schaft Deutsch­lands mit ih­ren Ta­ten ver­höhnt. Mer­kel be­kräf­tig­te aber im Kern ih­re Flücht­lings­po­li­tik: Mit den Bil­dern des zer­bomb­ten Alep­po in Sy­ri­en vor Au­gen sei es „wich­tig und rich­tig [...], dass un­ser Land auch im zu­rück­lie­gen­den Jahr den­je­ni­gen, die tat­säch­lich un­se­ren Schutz brau­chen, ge­hol­fen hat, hier bei uns Tritt zu fas­sen und sich zu in­te­grie­ren“.

Wo für die Si­cher­heit der Bür­ger po­li­ti­sche oder ge­setz­li­che Än­de­run­gen nö­tig sei­en, wer­de die Re­gie­rung „schnells­tens die not­wen­di­gen Maß­nah­men in die We­ge lei­ten und um­set­zen“, ver­si­cher­te Mer­kel. Mit ähn­li­chen Wor­ten hat­te sie kurz vor Weih­nach­ten auch auf den Last­wa­gen-An­schlag in Berlin mit zwölf To­ten und mehr als 50 Ver­letz­ten re­agiert.

Mer­kel be­klag­te zu­gleich „Zerr­bil­der“zur EU und zur par­la­men­ta­ri­schen De­mo­kra­tie. Zwar sei Eu­ro­pa lang­sam und müh­sam. „Aber nein – wir Deut­schen soll­ten uns nie­mals vor­gau­keln las­sen, ei­ne glück­li­che Zu­kunft könn­te je im na­tio­na­len Al­lein­gang lie­gen.“

Die par­la­men­ta­ri­sche De­mo­kra­tie wie­der­um er­mög­li­che den Men­schen Mit­wir­kung und Mit­spra­che. „Sie ak­zep­tiert, nein, sie for­dert Wi­der­spruch und Kri­tik“, so Mer­kel. „Kri­tik, die fried­lich und im Re­spekt vor dem ein­zel­nen Men­schen da­her­kommt, die Lö­sun­gen und Kom­pro­mis­se sucht und nicht gan­ze Grup­pen aus­grenzt.“

Die Kanz­le­rin emp­fahl „ei­nen of­fe­nen Blick auf die Welt und Selbst­ver­trau­en – in uns und un­ser Land“. Sie füg­te hin­zu: „Zu­sam­men­halt, Of­fen­heit, un­se­re De­mo­kra­tie und ei­ne star­ke Wirt­schaft, die dem Wohl al­ler dient: Das ist es, was mich für un­se­re Zu­kunft hier in Deutsch­land auch am En­de ei­nes schwe­ren Jah­res zu­ver­sicht­lich sein lässt.“

Je­doch wer­de kei­ner die­ser Wer­te „uns ein­fach so ge­ge­ben. Für je­den wer­den wir auch 2017 ar­bei­ten müs­sen, al­le ge­mein­sam, je­der nach sei­nen Mög­lich­kei­ten – und die­se Ar­beit wird sich loh­nen.“Vor der Bun­des­tags­wahl wer­de sie sich „für ei­ne po­li­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung ein­set­zen, bei der wir über vie­les lei­den­schaft­lich strei­ten wer­den – aber stets wie De­mo­kra­ten, die nie ver­ges­sen, dass es ei­ne Eh­re ist, un­se­rer De­mo­kra­tie und da­mit den Men­schen zu die­nen“.

Der Di­rek­tor des Welt­wirt­schafts­fo­rums, Phil­ipp Rös­ler, be­fürch­tet der­weil ei­nen in­ter­na­tio­na­len An­se­hens­ver­lust Deutsch­lands durch po­li­ti­sche Er­fol­ge der AfD. In ei­nem In­ter­view mit un­se­rer Re­dak­ti­on sag­te der frü­he­re deut­sche Vi­ze­kanz­ler: „Die AfD hat sich zu ei­ner rechts­po­pu­lis­ti­schen Par­tei mit ei­nem er­heb­li­chen Stim­men­po­ten­zi­al ent­wi­ckelt, was Deutsch­land scha­det und mich trau­rig stimmt.“

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