„An­schlag wird lü­cken­los auf­ge­klärt“

Ber­lins Re­gie­rungs­chef stellt sich vor Po­li­zei, die Miss­hand­lungs­vor­wür­fe zu­rück­weist

Neue Osnabrucker Zeitung - Hagen, Hasbergen - - POLITIK -

Die Ber­li­ner Po­li­zei hat den Vor­wurf zu­rück­ge­wie­sen, ei­nen nach dem Weih­nachts­markt-An­schlag Fest­ge­nom­me­nen miss­han­delt zu ha­ben. „Das hat nicht den Hauch von Sub­stanz“, sag­te Spre­cher Win­frid Wen­zel am Frei­tag.

BERLIN/STETTIN. Ein aus Pa­kis­tan stam­men­der Mann war kurz nach dem An­schlag am 19. De­zem­ber auf den Weih­nachts­markt an der Ge­dächt­nis­kir­che fest­ge­nom­men wor­den. Er kam schnell wie­der frei, weil er fälsch­lich ver­däch­tigt wur­de. Der mut­maß­li­che At­ten­tä­ter Anis Am­ri wur­de spä­ter in Ita­li­en er­schos­sen.

Die bri­ti­sche Zei­tung „The Guar­di­an“, die nach ei­ge­nen An­ga­ben mit dem 24-Jäh­ri­gen Pa­kis­ta­ner sprach, hat­te über an­geb­li­che Schlä­ge ge­gen den Fest­ge­nom­me­nen be­rich­tet. Wen­zel zu­fol­ge sprach die Po­li­zei nach der Ver­öf­fent­li­chung des In­ter­views am Frei­tag mit dem Pa­kis­ta­ner – mit­hil­fe ei­nes fach­kun­di­gen Dol­met­schers. Der Mann ha­be be­tont, er sei we­der ge­schla­gen, miss­han­delt oder ver­letzt wor­den. Viel­mehr ha­be sich der Mann dank­bar für die Un­ter­stüt­zung ge­zeigt. So sei­en ei­ne neue Un­ter­kunft und Klei­dung or­ga­ni­siert wor­den.

Der bei dem An­schlag ge­tö­te­te pol­ni­sche Lkw-Fah­rer ist am Frei­tag in sei­nem Hei­mat­dorf Ba­nie bei Stettin bei­ge­setzt wor­den. An­ge­hö­ri­ge, Freun­de und Kol­le­gen er­wie­sen Lu­kasz Ur­ban dort die letz­te Eh­re, lan­des­weit blie­ben Hun­der­te Last­wa­gen ste­hen und hup­ten. An den Trau­er­fei­er­lich­kei­ten nah­men auch Po­lens Prä­si­dent An­drzej Du­da so­wie Ver­tre­ter der pol­ni­schen Re­gie­rung und Deutsch­lands teil. Ur­ban war der re­gis­trier­te Fah­rer des Lkw, mit dem Am­ri in den Weih­nachts­markt ge­rast war und elf Men­schen ge­tö­tet Die Wit­we des er­mor­de­ten Lkw-Fah­rers Lu­kasz Ur­ban be­rührt den Sarg ih­res Man­nes. hat­te. Der Po­le als zwölf­tes Op­fer wur­de tot auf dem Bei­fah­rer­sitz ge­fun­den. Mehr als 50 Per­so­nen wur­den ver­letzt.

Ber­lins Re­gie­ren­der Bür­ger­meis­ter Micha­el Mül­ler (SPD) sag­te der­weil ei­ne um­fas­sen­de Auf­klä­rung des An­schlags zu. „Wir wer­den ge­gen die­se und je­de an­de­re Form von Ge­walt mit der gan­zen Här­te un­se­res Rechts­staa­tes vor­ge­hen und auch, wenn der mut­maß­li­che Tä­ter tot ist, nicht ru­hen, be­vor die Tat lü­cken­los auf­ge­klärt ist“, sag­te der SPD-Po­li­ti­ker in sei­ner Neu­jahrs­an­spra­che. Mül­ler dank­te aus­drück­lich der Po­li­zei, der Feu­er­wehr und den Ret­tungs­kräf­ten, die nicht nur am 19. De­zem­ber al­les ge­tan hät­ten, „da­mit wir si­cher zu­sam­men­le­ben kön­nen“.

Ver­fas­sungs­schutz-Prä­si­dent Hans-Ge­org Maa­ßen ver­tei­dig­te die Ar­beit der Si­cher­heits­be­hör­den im Ge­mein­sa­men Ter­ro­ris­mus-Ab­wehr­zen­trum (GTAZ) im Fall Am­ri. „Die pau­scha­le Kri­tik, wie sie jetzt zum Teil öf­fent­lich ge­gen die Si­cher­heits­be­hör­den oder ge­gen die Zu­sam­men­ar­beit im GTAZ ge­äu­ßert wird, hal­te ich für un­ge­recht­fer­tigt“, er­klär­te er. Maa­ßen be­ton­te, dass es den Si­cher­heits­be­hör­den 2016 ge­lun­gen sei, sie­ben is­la­mis­tisch mo­ti­vier­te Ter­ror­an­schlä­ge zu ver­ei­teln be­zie­hungs­wei­se An­schlags­plä­ne früh­zei­tig zu durch­kreu­zen.

Nach In­for­ma­tio­nen von „Süd­deut­scher Zei­tung“, NDR und WDR wur­de im GTAZ in Berlin zwi­schen Fe­bru­ar und No­vem­ber 2016 min­des­tens sie­ben­mal über Am­ri ge­spro­chen. Min­des­tens zwemal wur­de dem­nach dort die Fra­ge dis­ku­tiert, ob er ei­nen An­schlag in Deutsch­land pla­ne. Hes­sens Re­gie­rungs­chef Vol­ker Bouf­fier (CDU) plä­dier­te der­weil für Mel­de­pflich­ten und Kon­takt­sper­ren für so­ge­nann­te Ge­fähr­der.

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