Frie­den für Sy­ri­en – nur Heu­che­lei?

Neue Osnabrucker Zeitung - Hagen, Hasbergen - - DIALOG -

Zur Si­tua­ti­on in Alep­po und zu den Kom­men­ta­ren „Frie­den gibt es nur mit As­sad“von Micha­el Cla­sen (Aus­ga­be vom 15. De­zem­ber) und „Die ge­fühl­te Feind­schaft muss en­den“von Burk­hard Ewert (Aus­ga­be vom 20. De­zem­ber).

„Po­li­ti­ker wie Mer­kel und St­ein­mei­er wa­ren im Sy­ri­en­kon­flikt von An­fang an und wie Oba­ma und Cl­in­ton ak­ti­ver Teil bei der Desta­bi­li­sie­rung ei­nes un­ab­hän­gi­gen Staa­tes. Das bel­li­zis­ti­sche Ent­zü­cken von Frau Cl­in­ton an­läss­lich des To­des von Gad­da­fi im Ok­to­ber 2011 ,We ca­me, we saw – he di­ed‘ ist bis heu­te Pro­gramm der USA und ih­rer Bünd­nis­part­ner, die all­zu häu­fig auch Teil von Ko­ali­tio­nen Wil­li­ger mit dem Er­geb­nis zer­stör­ter Staa­ten nicht zu­letzt im Na­hen Os­ten wa­ren und sind. Sie tra­gen die Haupt­ver­ant­wor­tung für ei­ne Re­gi­on in Flam­men und Mil­lio­nen von To­ten zwi­schen dem Iran Mossa­deghs in den 1950er-Jah­ren und dem ge­quäl­ten Sy­ri­en des Jah­res 2016. […] Zum Kommentar von Micha­el Cla­sen: […] Ja – Frie­den gibt es nur mit As­sad. Und wenn aus­ge­rech­net Trump sich fä­hi­ger da­für zei­gen soll­te als die hoch ge­lob­ten Frei­heits­idea­lis­ten des Wes­tens Cl­in­ton, Oba­ma, Mer­kel und St­ein­mei­er, so spricht das nicht so sehr für Ers­te­ren als ge­gen Letz­te­re. Was soll ei­gent­lich da­ge­gen spre­chen, wenn der Wes­ten ein­sei­tig den Kraft­wer­ken des Ter­rors Er­do­gan und Sau­dis kla­re Kan­te zeigt: Schluss mit der Un­ter­stüt­zung der Re­bel­len, sonst seid Ihr weg vom Ver­hand­lungs­tisch in Genf ? Russ­land muss im Ge­gen­zug da­für sor­gen, dass in Alep­po und an­ders­wo kei­ne Ver­gel­tungs­maß­nah­men pas­sie­ren, und mehr noch: dass As­sad le­dig­lich noch für ei­ne Wahl­pe­ri­ode an der Macht bleibt. Aber zu­erst geht es um Be­sei­ti­gung der schlimms­ten Fol­gen des Krie­ges – mit in­ter­na­tio­na­ler Un­ter­stüt­zung! Erst dann kann über so et­was wie mehr De­mo­kra­tie nach­ge­dacht wer­den. Hier­bei wä­re ein Un­ter­blei­ben der west­li­chen Ar­ro­ganz hilf­reich. Die­ser Mis­sio­na­ris­mus hat im Na­hen Os­ten schon zu viel Cha­os an­ge­rich­tet.“Ha­rald Klau­sing Osnabrück

„[…] Der Kommentar zum Ar­ti­kel ,UN schickt Be­ob­ach­ter nach Alep­po‘ , der die La­ge nach der Zer­stö­rung Alep­pos und die Rol­le Russ­lands bei die­ser Tra­gö­die zum In­halt hat, of­fen­bart in mei­nen Au­gen ei­ne ein­sei­tig pro­rus­si­sche Denk­wei­se […], der ich ve­he­ment wi­der­spre­che. Die mi­li­tä­ri­sche Zer­stö­rung ei­ner wirt­schaft­lich und kul­tu­rell blü­hen­den Me­tro­po­le als Be­weis da­für zu wer­ten, dass ein Ver­bund mit Russ­land frie­den­stif­ten­de Kraft ent­fal­ten kann, […] ist in mei­nen Au­gen nicht nur zy­nisch, son­dern ent­wür­digt al­le fried­lie­ben­den Kräf­te, die sich für di­plo­ma­ti­sche Lö­sun­gen ein­ge­setzt ha­ben (un­ter an­de­rem kehrt lang­sam ins völ­lig zer­stör­te Alep­po zu­rück – der Frie­den auch? Ver­ein­te Na­tio­nen und Eu­ro­pa) und dies im­mer noch tun. Die nun nach dem Fall von Alep­po von Russ­land, Iran und der Tür­kei – oh­ne sy­ri­sche Teil­neh­mer – an­ge­sag­te Initia­ti­ve für ein Frie­dens­ab­kom­men ist in mei­nen Au­gen heuch­le­risch. Sie wird kei­nen Frie­den brin­gen, son­dern dient nur der Selbst­be­weih­räu­che­rung der Sie­ger. Zehn­tau­sen­de von To­ten und Hun­dert­tau­sen­de von Flücht­lin­gen wur­den dem Macht­er­halt ei­nes skru­pel­lo­sen klei­nen Dik­ta­tors (As­sad), dem Welt­macht­stre­bens ei­nes gro­ßen Dik­ta­tors (Pu­tin) und den re­li­giö­sen Macht­an­sprü­chen der schii­ti­schen Füh­rung im Iran über das mehr­heit­lich sun­ni­ti­sche Sy­ri­en ge­op­fert. Frie­den in dem ge­schun­de­nen Land wird es auf ab­seh­ba­re Zeit nicht ge­ben; die ge­mä­ßig­te sy­ri­sche Op­po­si­ti­on wird sich an an­de­rer Stel­le im Land kon­zen­trie­ren, die Kur­den wer­den wei­ter nach ei­nem ei­ge­nen Staat […] stre­ben, und der IS wird sei­ne Na­del­sti­che nicht nur in Sy­ri­en, son­dern welt­weit fort­set­zen. “Cars­ten Bör­ner Bram­sche

Das Le­ben

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.