Für ihn steigt man schon mal in die Ei­sen

Olaf Men­trup ist Schorn­stein­fe­ger in Bad Iburg – In­ter­view mit ei­nem Glücks­brin­ger

Neue Osnabrucker Zeitung - Hagen, Hasbergen - - RUND UM OSNABRÜCK -

Und, ha­ben Sie heu­te schon je­man­dem Glück ge­bracht?

Heu­te nicht, aber vor ein paar Ta­gen schon. Da wur­de ein Ka­min­ofen mit Schorn­stein auf­ge­stellt, und der hat­te auch an den Sei­ten Schei­ben, so­dass man das Feu­er von drei Sei­ten se­hen konn­te. An ei­ner Sei­te war ein paar Zen­ti­me­ter wei­ter ei­ne Holz­tür mit ei­ner Holz­zar­ge. Auf dem Schild stand, dass man min­des­tens 70 Zen­ti­me­ter Ab­stand zu brenn­ba­ren Bau­tei­len ha­ben soll, da­mit nichts pas­sie­ren kann. Wir ha­ben et­wa 30 Zen­ti­me­ter ge­mes­sen. Wenn die Da­me den Ofen so ge­heizt hät­te, der von ei­nem Fach­be­trieb auf­ge­stellt wur­de, wie sie mehr­fach be­tont hat, dann hät­te es gut sein kön­nen, dass die Feu­er­wehr ir­gend­wann dort hät­te an­rü­cken müs­sen.

Wo­her kommt das ei­gent­lich, dass Schorn­stein­fe­ger Glück brin­gen sol­len?

Das kommt vom Bau­recht. 1666 ist Lon­don ein­mal zu 80 Pro­zent ab­ge­brannt, weil ein Back­ofen nicht rich­tig funk­tio­niert hat und nicht rich­tig be­auf­sich­tigt wur­de. Das sind Ka­ta­stro­phen, auf­grund de­rer man über­legt, et­was zu ver­än­dern. Man hat die ers­te Ver­si­che­rung ge­grün­det, die mit ei­ner ei­ge­nen Feu­er­wehr die Häu­ser ih­rer Mit­glie­der be­wach­te. Hat­te man die­sen Schutz nicht, war man bei ei­nem Brand rui­niert. Glück hin­ge­gen hat­te man, als je­mand kam, der die in­fol­ge des Bran­des neu ein­ge­führ­ten Vor­schrif­ten kon­trol­lier­te. Da­zu schick­te man dann den Schorn­stein­fe­ger los. Die Bür­ger stell­ten fest, dass jetzt viel we­ni­ger Brän­de ent­stan­den, die Brand­ge­fahr war ge­rin­ger, und man hat­te Seit dem Jahr 2002 ist Olaf Men­trup (rechts) Schorn­stein­fe­ger in Bad Iburg. Un­ter­stützt wird er nicht nur bei den Ein­sät­zen auf den Dä­chern des Ku­r­or­tes von Mar­kus Fett­ken­hau­er.

Glück, dass die Exis­tenz ver­schont blieb. Auch in Osnabrück gab es 1530 ei­nen gro­ßen Brand, bei dem ein Vier­tel der Stadt zer­stört wur­de. Ei­ne spä­ter er­las­se­ne Brand­ord­nung soll­te Ab­hil­fe schaf­fen. Da muss­te in je­dem Haus ein Le­derei­mer zur Brand­be­kämp­fung vor­ge­hal­ten wer­den. 1613 gab es noch mal ei­nen Brand,

und es wur­de nach­ge­bes­sert, was bis heu­te ge­schieht.

Wie fühlt man sich denn als Glücks­brin­ger?

Es ist schön, wenn die Men­schen ei­nem die Tür auf­ma­chen und ei­nen an­strah­len. Der Be­such ist na­tür­lich schö­ner, als wenn der Ge­richts­voll­zie­her kä­me. Die ty­pi­sche Ar­beits­klei­dung des Schorn­stein­fe­gers schwarz. ist

Was war das Ver­rück­tes­te, das je­mand mal ge­macht hat?

Als ich in der Osnabrücker In­nen­stadt ge­ar­bei­tet ha­be – da bin ich noch mit dem Mo­fa von Haus zu Haus ge­fah­ren –, war ich ein­mal an der Jo­han­nis­stra­ße ge­ra­de in ei­nen Haus­ein­gang ver­schwun­den. Da hör­te ich die Brem­sen quiet­schen und dann häm­mer­te es un­ten an der Tür. Da stand ei­ne Frau, die ge­ra­de zu ih­rer Ge­schäfts­er­öff­nung un­ter­wegs war, mich ge­se­hen hat und mich bat, ob ich nicht ge­ra­de für ein Fo­to mit­kom­men kann. Um den Schorn­stein des Back­ofens vom Ma­ri­en­hos­pi­tal zu keh­ren, muss­ten wir im­mer durch den Kreiß­saal, da ha­ben sich die Da­men, die da auf die Ge­burt war­te­ten, im­mer ge­freut.

Was be­deu­tet für Sie ganz per­sön­lich Glück?

In ers­ter Li­nie Ge­sund­heit. Ei­gent­lich geht es uns ja sehr gut. Wenn man mit

Flücht­lin­gen aus Sy­ri­en mal ins Ge­spräch kommt, die ge­ra­de noch ihr Le­ben ret­ten konn­ten, dann merkt man, dass es bei uns Stöh­nen auf ho­hem Ni­veau ist.

Sie ha­ben den Be­ruf ei­nes Schorn­stein­fe­gers aber si­cher­lich nicht nur aus­ge­wählt, weil sie dann ein Glücks­brin­ger sind. Was ist das Be­son­de­re an Ih­rem Be­ruf ?

Man ist viel un­ter­wegs und mit Leu­ten zu­sam­men. Das Be­son­de­re ist auch, dass wir zu un­se­ren Kun­den kom­men, ob­wohl wir ei­gent­lich nicht ge­ru­fen wur­den, so wie die Hand­wer­ker die für ei­ne Re­pa­ra­tur er­war­tet wer­den. Wir kon­trol­lie­ren ge­wis­ser­ma­ßen als Su­b­un­ter­neh­mer gu­ten Blick von oben ha­ben Olaf Men­trup und Mar­kus Fett­ken­hau­er. Es ist schon in den Köp­fen an­ge­kom­men, dass man ei­nen Rauch­mel­der ha­ben muss, aber es wird nicht so kon­se­quent um­ge­setzt. Haus­ei­gen­tü­mer ste­hen in der Pflicht, Rauch­mel­der in­stal­lie­ren zu las­sen. Die Ver­pflich­tung be­steht für selbst ge­nutz­te Woh­nun­gen ge­nau­so wie für ver­mie­te­te Woh­nun­gen. In al­len Schlaf­räu­men, Kin­der­zim­mern, Flu­ren und Trep­pen­häu­sern, die als Flucht­we­ge die­nen, müs­sen Rauch­mel­der vor­han­den sein. Als Schorn­stein­fe­ger wei­sen wir ger­ne dar­auf hin, be­ra­ten und mon­tie­ren auch Rauch­mel­der. Ein Rauch­mel­der kann Le­ben ret­ten, denn im Schlaf riecht man den gif­ti­gen Rauch nicht, aber wird durch den Piep­ton ge­weckt. Wich­tig ist für die Bür­ger noch zu wis­sen, dass es kei­ne Kon­trol­le der Rauch­mel­d­er­pflicht gibt. Al­so Vor­sicht vor Be­trü­gern, die vor­ge­ben, sie müss­ten ei­ne Kon­trol­le durch­füh­ren!

Wie sieht es bei Ih­nen mit Nach­wuchs aus? Ist Schorn­stein­fe­ger noch ein ge­frag­ter Be­ruf ?

Nach­wuchs­pro­ble­me ha­ben wir zum Glück nicht so aus­ge­prägt wie in den an­de­ren Hand­werks­be­ru­fen. Die Schu­le in Hannover-Lan­gen­ha­gen ist voll. Der Be­ruf ist sehr viel­sei­tig, denn es geht um Tech­nik, Phy­sik, Che­mie und vie­les mehr.

Was wün­schen Sie sich ganz per­sön­lich für 2017?

Das al­les so bleibt, wie es ist. Dann ist al­les gut.

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