Ins Bett mit La­dy Bed­ford

Hör­spiel­stu­dio Hör­pla­net in Borg­loh wird zehn Jah­re alt

Neue Osnabrucker Zeitung - Hagen, Hasbergen - - RUND UM OSNABRÜCK - Von Kath­rin Pohl­mann

HIL­TER. Borg­loh, Al­te Stra­ße. Es däm­mert, Ne­bel zieht auf. Die De­zem­ber­käl­te kriecht in die Kno­chen. Ed­gar Wal­lace hät­te sich die Sze­ne nicht bes­ser aus­den­ken kön­nen. Wie kli­schee­haft, mag man den­ken. Aber manch­mal passt eben al­les. Hier ar­bei­ten Borg­lohs Kri­mi­ma­cher Den­nis Roh­ling und Micha­el Eick­horst.

Sie sind die Vä­ter der Hör­spiel­rei­he La­dy Bed­ford. Und das, ob­wohl die Da­me schon äl­ter als ih­re bei­den Er­fin­der sein dürf­te. Sie ist die Miss Marp­le der klei­nen eng­li­schen Ort­schaft Brough­ton und die Er­folgs­rei­he der bei­den. 96 Fol­gen gibt es be­reits. 2017 stre­ben sie die 100. Fol­ge an. „La­dy Bed­ford ist un­ser Wohl­fühl­kri­mi, den man auch beim Ein­schla­fen im Bett hö­ren kann. Man kann auch Hä­kel-Kri­mi sa­gen“, er­zählt Den­nis Roh­ling und lacht. An­fangs ha­ben sie die Ge­schich­ten über die neu­gie­ri­ge La­dy, die Kri­mi­nal­fäl­le löst, selbst ge­schrie­ben. Mitt­ler­wei­le ha­ben sie ei­nen Au­tor. „Wir schau­en im­mer über das Script, weil wir den Cha­rak­ter am bes­ten ken­nen. Den­nis Roh­ling (links) und Micha­el Eick­horst sind die Vä­ter der La­dy Bed­ford. Sie spre­chen auch selbst in ih­ren Hör­spie­len mit.

Manch­mal ste­hen in der Sto­ry auch Sät­ze, die La­dy Bed­ford nie sa­gen wür­de“, so Eick­horst.

Per Vi­deo­über­tra­gung geht es von Borg­loh in ein Ber­li­ner Ton­stu­dio, in dem der Spre­cher sei­nen Text auf­nimmt. Nicht im­mer sitzt je­der Satz, nicht im­mer pas­sen die Emo­tio­nen. „Wir sind die Re­gis­seu­re und ge­ben die An­wei­sun­gen. Wenn ei­ner ei­nen Kampf dar­stel­len (vor­ne) und Micha­el Eick­horst ar­bei­ten in ih­rem Hör­spiel­stu­dio.

soll, dann muss es auch so klin­gen und darf nicht lä­cher­lich rü­ber­kom­men“, sagt Roh­ling.

Tö­ne aus der Da­ten­bank

Die Kom­po­si­ti­on von Mu­sik, Tö­nen und Text über­neh­men die bei­den Re­gis­seu­re. Die Tö­ne kom­men fast aus­schließ­lich aus der Da­ten­bank. „Frü­her sind wir noch los­ge­zo­gen und ha­ben At­mo ein­ge­fan­gen. Das ma­chen wir kaum noch. Was glau­ben Sie, was man im Zoo hört? Da gibt es quen­geln­de Kin­der, me­ckern­de El­tern, aber Tier­ge­räu­sche? Fehl­an­zei­ge“, sagt Roh­ling. Vie­le Ein­drü­cke wür­den durch das Fern­se­hen ver­mit­telt. „Auf Dach­bö­den hört man im Fern­se­hen fast im­mer ein Tau­ben­flat­tern. Ich ha­be noch nie ei­ne Tau­be auf ei­nem Dach­bo­den an­ge­trof­fen.“Ei­ne Borg­lo­her Krä­he brach­te Roh­ling und Eick­horst da­ge­gen bes­te Kri­mi­at­mo­sphä­re. „Wir hat­ten ein Mi­kro im Wald auf­ge­hängt. Die Krä­he kam dem ziem­lich nah, und wir hat­ten ihr echt lau­tes Kräch­zen drauf“, er­zählt Roh­ling.

Aber nicht nur die eng­li­sche La­dy ha­ben die bei­den im Re­per­toire. Auch Hör­spie­le von Ed­gar Wal­lace neh­men sie auf, ei­nen Mys­te­ry-Kri­mi rund um Wolf­gang Ama­de­us Mo­zart gibt es und den Ha­se­stadt-Kri­mi „Nach dem Frost“. Im Boot ha­ben sie un­ter an­de­rem die deut­schen Stim­men von Mar­lon Bran­do, Jim Car­rey, Chris­ti­an Ba­le und Ste­ve Bus­ce­mi. „Es ist nicht so schwer, die­se Spre­cher zu

be­kom­men. Die müs­sen ja auch ihr Geld ver­die­nen“, sagt Eick­horst.

An­ge­fan­gen hat da­mals al­les beim of­fe­nen Ka­nal Osnabrück. Dort sam­mel­ten sie ers­te Er­fah­run­gen mit Ton und Tech­nik. „Wir ha­ben ei­ne Come­dy-Sen­dung ge­macht“, so der 36-Jäh­ri­ge. Beim Ra­dio ha­ben sie sich ken­nen­ge­lernt, wur­den Freun­de und spä­ter Ar­beits­kol­le­gen. Ei­ne Aus­bil­dung ha­ben die bei­den in dem Be­reich nicht. „Ich bin ge­lern­ter Re­stau­rant­fach­mann“, er­zählt Roh­ling. Sein Herz hing aber nicht an dem Job. „Tja, ir­gend­wann muss man dann ja auch mal Geld ver­die­nen.“Und so mach­te er sich ge­mein­sam mit Micha­el Eick­horst, der Ger­ma­nis­tik stu­diert hat, selbst­stän­dig. Mit dem Hör­spiel „Ret­tungs­kreu­zer Ika­rus“star­te­te die Kar­rie­re – ein Sci­ence-Fic­tion-Aben­teu­er. „Vie­le Ge­schich­ten, die wir an­fangs ge­macht ha­ben, sind uns mitt­ler­wei­le echt pein­lich“, er­zählt Eick­horst, und sein Kol­le­ge lacht.

Ihr Stu­dio be­fin­det sich seit zwei Jah­ren in Borg­loh. Zu­vor hat­ten sie ih­ren Sitz in Osnabrück. „Das war uns auf Dau­er zu teu­er. Au­ßer­dem wur­den wir ab­ge­lenkt“, sagt Roh­ling. In Borg­loh pas­sie­re eben nicht so viel. Da kön­ne man sich bes­ser auf die Ar­beit kon­zen­trie­ren, und die Mie­ten sei­en be­zahl­bar. In zehn Jah­ren ha­ben die bei­den nach ei­ge­nen An­ga­ben al­les durch­ge­macht. „Ir­gend­wann wa­ren wir fast plei­te und hat­ten nur noch 200 Eu­ro. Da ha­ben ei­ni­ge Spre­cher für uns auch um­sonst ge­ar­bei­tet“,

er­zählt Eick­horst. Mit ih­ren Kri­mis aber läuft es gut. „La­dy Bed­ford ist un­ser Bau­markt“, sagt Roh­ling. Auf die kön­nen sie set­zen, mit ih­rer klei­nen, fei­nen Fan­ge­mein­de.

Kri­mis sind ein­fach be­liebt. An­de­re Gen­res da­ge­gen sei­en schwie­rig. Ob­wohl es bei den Stü­cken in der Re­gel um Gru­sel, Mord und Gän­se­haut geht, sind die bei­den Re­gis­seu­re al­les an­de­re als be­trübt

und düs­ter. Hier und da bau­en sie auch schon mal ei­nen In­si­der-Witz in ih­re Hör­spie­le ein oder ver­fas­sen die ein oder an­de­re Par­odie. Hol­ger die Hör­spiel­gur­ke ist so ein Ex­em­plar. Ei­ne Rei­he über ei­ne quir­li­ge Gur­ke auf Rei­sen – für Kin­der und Er­wach­se­ne ein Aben­teu­er der un­ge­wöhn­li­chen Art.

Mehr aus Hil­ter le­sen Sie auf noz.de/hil­ter

wie Ed­gar Wal­lace (oben) ge­hö­ren zum Re­per­toire des Stu­di­os. Beim Schnei­den der Ton­spu­ren zeigt sich die Fin­ger­fer­tig­keit der Pro­fis.

Fo­tos: Da­vid Ebe­ner

Den­nis Roh­ling

Auch Klas­si­ker

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.