Halb­zeit­bi­lanz von Wolf­gang Grie­sert

Der Ober­bür­ger­meis­ter hat die Hälf­te sei­ner acht­jäh­ri­gen Amts­zeit um – „Wenn der Ne­u­markt nicht fer­tig ist, tre­te ich wie­der an“

Neue Osnabrucker Zeitung - Hagen, Hasbergen - - VORDERSEITE - Von Wil­fried Hin­richs

hin OSNABRÜCK. Wolf­gang Grie­sert ist seit vier Jah­ren Os­na­brücks Ober­bür­ger­meis­ter. Die Hälf­te sei­ner Amts­zeit ist um. Im In­ter­view zieht er ei­ne Zwi­schen­bi­lanz. Nicht al­le Spit­zen der Rats­frak­tio­nen stel­len ihm ein gu­tes Zwi­schen­zeug­nis aus.

Was ist in den ers­ten vier Jah­ren ge­lun­gen, was nicht? Ober­bür­ger­meis­ter Wolf­gang Grie­sert (CDU) zieht zur Mit­te sei­ner acht­jäh­ri­gen Amts­zeit ei­ne po­si­ti­ve Zwi­schen­bi­lanz, ver­schweigt im In­ter­view aber nicht, wo er we­nig oder­nichts er­reicht hat: bei den The­men Ne­u­markt und Gü­ter­bahn­hof. Dass die Kli­ni­kum-Mit­ar­bei­ter den Sa­nie­rungs­kurs mit ei­ge­nem Geld mit­zu tra­gen be­reit sind, der Flug­ha­fen Müns­ter/Osnabrück den Sink­flug be­en­det hat und die Kin­der­be­treu­ung aus­ge­wei­tet wur­de – das schreibt sich der OB auf sei­ne Ha­ben­sei­te. Und er kün­digt an: Soll­te der Ne­u­markt zum En­de sei­ner Amts­zeit im Herbst 2021 nicht fer­tig sein, will er – dann 64 Jah­re alt – für ei­ne wei­te­re Amts­zeit kan­di­die­ren.

Herr Grie­sert, wir füh­ren das In­ter­view in der Osnabrück-Hal­le, weil hier seit Ih­rem Amts­an­tritt 2013 et­was sicht­bar vor­an­ge­kom­men ist. Bau­lich, aber auch wirt­schaft­lich. Blei­ben wir al­so zum Ein­stieg beim Po­si­ti­ven: Nen­nen Sie drei Din­ge, die Ih­nen gut ge­lun­gen sind. Na ja, man kann mit der Osnabrück-Hal­le an­fan­gen. Aber ei­ne ganz wich­ti­ge Ent­schei­dung stand gleich zu Be­ginn mei­ner Amts­zeit an: Wie ge­hen wir mit dem Kli­ni­kum um? Wie schaf­fen wir es, das Kli­ni­kum in kom­mu­na­ler Trä­ger­schaft zu hal­ten? Das ha­ben wir un­ter an­de­rem über den Zu­kunfts­si­che­rungs­ver­trag mit den Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern ge­schafft. Na­tür­lich war es auch wich­tig, sich mit dem The­ma Flug­ha­fen zu be­schäf­ti­gen. Ich bin Vor­sit­zen­der des Auf­sichts­ra­tes. Den FMO ha­ben wir nach schwie­ri­gen Zei­ten wie­der in gu­tes Fahr­was­ser ge­führt, auch nach ei­nem Wech­sel in der Ge­schäfts­füh­rung. Wir ha­ben es ge­schafft, die Ver­sor­gung der Kin­der un­ter drei Jah­ren mit Krip­pen­plät­zen auf die Bei­ne zu stel­len, und zwar mit ei­ner Quo­te von fast jetzt 60 Pro­zent der Kin­der un­ter drei Jah­ren, die jetzt ei­nen Platz be­kom­men. Es gä­be noch vie­le Din­ge, aber wenn Sie drei hö­ren wol­len, dann wa­ren es die­se drei.

Blei­ben wir noch kurz beim Kli­ni­kum, das wirt­schaft­lich auf gu­tem Weg ist. Wie hoch war Ihr An­teil dar­an? Ich ha­be noch sehr gut in Er­in­ne­rung, wie ich vie­le Te­le­fo­na­te ge­führt ha­be mit den Be­schäf­tig­ten­ver­tre­tern, mit den Ge­werk­schaf­ten. Es ging dar­um, dass nicht nur die Stadt 20 Mil­lio­nen Eu­ro gibt, son­dern sich auch die Be­schäf­tig­ten be­tei­li­gen. Das ist wirk­lich nicht selbst­ver­ständ­lich. Da­für zu wer­ben war, glau­be ich, ganz wich­tig. Für die Ge­werk­schaf­ten war es wich­tig, mit dem Ober­bür­ger­meis­ter zu spre­chen, weil der auch lang­fris­tig und nach­hal­tig da­für steht, dass nicht nach vier Jah­ren ein neu­er Ver­trag ge­schlos­sen wer­den muss. Zu der Zeit war Micha­el Ha­ge­dorn Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der. Es war wirk­lich et­was, wo ich sa­ge: Da ha­be ich gro­ßen An­teil.

Kön­nen sich die Mit­ar­bei­ter dar­auf ver­las­sen, dass der Zu­kunfts­si­che­rungs­ver­trag wie ge­plant 2020 aus­läuft und sie dann wie­der das vol­le Ent­gelt be­kom­men? Ja, das kön­nen sie, da­zu ste­hen wir al­le. Wir ha­ben das Kli­ni­kum ope­ra­tiv in schwar­ze Zah­len ge­führt. Hin­zu kom­men gro­ße In­ves­ti­tio­nen am Fin­ken­hü­gel mit der Der­ma­to­lo­gie und der Au­gen­kli­nik. Wir schaf­fen da­mit Sy­ner­gie­ef­fek­te. Am Fin­ken­hü­gel ist ein Ge­sund­heits­zen­trum ent­stan­den, ein gro­ßer Ge­sund­heits­cam­pus für sta­tio­nä­re und am­bu­lan­te Ver­sor­gung mit über 32000 Fäl­len jähr­lich, die sta­tio­när be­han­delt wer­den, und 60000 am­bu­lan­ten. Das Kli­ni­kum ist gut auf­ge­stellt und wird wei­ter in­ves­tie­ren. Wer nach drei po­si­ti­ven Din­gen fragt, muss auch nach Din­gen fra­gen, die nicht gut ge­lau­fen sind. Nen­nen Sie drei, die Sie heu­te an­ders an­pa­cken wür­den. Oh, das ist noch schwie­ri­ger. Ich glau­be, grund­sätz­lich war es bis­her ei­ne sehr er­folg­rei­che Zeit. Aber, ja, es gibt na­tür­lich ei­ni­ge Punk­te, wo ich gern mit der Po­li­tik für die Stadt ein bes­se­res Er­geb­nis er­zielt hät­te. Da ist das The­ma Ne­u­markt, das in den letz­ten Jah­ren die Schlag­zei­len be­herrscht. Es ist mir nicht ge­lun­gen, ar­gu­men­ta­tiv da­für zu wer­ben, dass man jetzt nicht ei­ne Sper­rung vor­nimmt, oh­ne dass der Ne­u­markt auch funk­tio­nal-ge­stal­te­risch nach vor­ne ge­bracht wor­den ist. Das heißt, nach der jet­zi­gen Sper­rung wird sich si­cher ein Drei­vier­tel­jahr an der Si­tua­ti­on nichts än­dern, au­ßer dass jetzt kei­ne Au­tos dar­über­fah­ren kön­nen und die Au­to­fah­rer auf den Wall aus­wei­chen. Das ist si­cher nicht gut ge­lun­gen. Aber die Vor­fest­le­gun­gen in den Frak­tio­nen wa­ren auch so, dass Kom­pro­miss­vor­schlä­ge nicht er­folg­reich wa­ren.

Sie ha­ben Ih­rem Stadt­bau­rat Frank Ot­te die Zu­stän­dig­keit ent­zo­gen, dann hat ei­ne bun­te Rats­mehr­heit Ih­nen die Voll­macht ge­nom­men, in­dem al­les, was den Ne­u­markt be­trifft, jetzt vom Ver­wal­tungs­aus­schuss ab­ge­seg­net wer­den muss. Wer hat jetzt ei­gent­lich die Fä­den in der Hand, wenn es um den Ne­u­markt geht? Noch mal grund­sätz­lich: Wir ha­ben in der Stadt­ver­wal­tung sen­si­ble, zeit­kri­ti­sche Pro­jek­te je­weils Pro­jekt­ver­ant­wort­li­chen zu­ge­ord­net. Es ist zum Bei­spiel so ge­re­gelt, dass der Um­welt­und Bau­de­zer­nent (Stadt­bau­rat Frank Ot­te) das The­ma Mo­bi­li­tät vor­an­treibt. Da die Ver­ant­wor­tung für den Ne­u­markt nach jahr­zehn­te­lan­gen Dis­kus­sio­nen so­wie­so nicht am Ober­bür­ger­meis­ter vor­bei­ge­hen kann, hab ich das Pro­jekt über­nom­men. Wir ha­ben das The­ma auch des­halb bei mir kon­zen­triert, um Hier­ar­chie­ebe­nen zu spa­ren, um schnel­ler zu wer­den, schnel­ler re­agie­ren zu kön­nen. Der Ver­wal­tungs­aus­schuss hat dann ge­sagt, er möch­te auch ein­ge­bun­den wer­den. Es ist jetzt be­schlos­sen wor­den, dass der Ver­wal­tungs­aus­schuss, den ich üb­ri­gens lei­te, in je­der Sit­zung über den Sach­stand in­for­miert wird. Im End­ef­fekt wer­den wir nicht viel Zeit ver­lie­ren, wir ha­ben aber ei­ne grö­ße­re po­li­ti­sche Ein­bin­dung und viel­leicht auch ei­ne grö­ße­re Ru­he bei der Ent­wick­lung des Ne­u­markts.

Füh­len Sie sich in dem Punkt ent­mach­tet? Nein, über­haupt nicht. Al­so, Schlag­zei­len wie „Ent­mach­tet“oder „Pa­last­re­vo­lu­ti­on“– ich glau­be, das ge­hört dann viel­leicht eher in die Tür­kei, USA oder nach Russ­land, aber nicht nach Osnabrück.

Noch ein­mal zu­rück: Zwei Din­ge sind noch of­fen, die Ih­nen nicht ge­lun­gen sind. Ein Punkt ist si­cher der Gü­ter­bahn­hof.

Ich hät­te mir ge­wünscht, dass wir dort lö­sungs­ori­en­tier­ter vor­an­ge­gan­gen wä­ren. Der Rat hat ei­nen Be­bau­ungs­plan ver­ab­schie­det, dem ich so nicht zu­ge­stimmt ha­be, weil die­ser kul­tu­rel­le Nut­zun­gen aus­schließt. Denn der Rat hat 2013 mehr­heit­lich für den Kauf des Rin­glok­schup­pens ge­stimmt, um eben auch kul­tu­rel­le Nut­zun­gen zu er­mög­li­chen. Das passt nicht zu­sam­men. Und auch die Ei­gen­tü­mer sper­ren sich ge­gen jeg­li­che ver­nünf­ti­ge Ent­wick­lung. Beim Gü­ter­bahn­hof ist man­ches nicht gut ge­lun­gen, und ein Ober­bür­ger­meis­ter hat sei­nen An­teil dar­an, spä­tes­tens, wenn er nicht er­folg­reich da­für wer­ben konn­te, noch mal neue Sicht­wei­sen an den Tag zu le­gen. Ei­gen­tü­me­rin des Ge­län­des ist die 3G Group Gm­bH, frü­her Zi­on Gm­bH. Wer muss sich be­we­gen, da­mit sich am Gü­ter­bahn­hof was be­wegt? Ich glau­be, die Si­tua­ti­on ist wirk­lich ver­fah­ren. Ge­gen den Be­bau­ungs­plan läuft ein Nor­men­kon­troll­ver­fah­ren. Ein Ge­richt muss jetzt ent­schei­den, ob der Be­bau­ungs­plan im Sin­ne ei­ner ge­rech­ten Ab­wä­gung zu­stan­de ge­kom­men ist. Das Gan­ze ist schon so weit ver­fah­ren, dass an ver­schie­de­nen Ecken und En­den jetzt Ge­rich­te ent­schei­den, auch was die öf­fent­li­che Zu­we­gung zum Rin­glok­schup­pen an­geht.

Wie wird denn der Gü­ter­bahn­hof in vier Jah­ren aus­se­hen, wenn Ih­re Amts­zeit zu En­de geht? Das ist schwer zu pro­gnos­ti­zie­ren. Ich ge­he da­von aus, dass wir dann ei­nen rechts-

Es war wirk­lich et­was, wo ich sa­ge: Da ha­be ich gro­ßen An­teil Das ist si­cher nicht gut ge­lun­gen

kräf­ti­gen Be­bau­ungs­plan ha­ben, das Ge­richt ihn al­so nicht auf­hebt und sagt, wir müs­sen wie­der von vor­ne an­fan­gen. Das wä­re na­tür­lich fa­tal, dann hät­te man am En­de ei­nen Scher­ben­hau­fen. Wenn wir al­so ei­nen rechts­kräf­ti­gen Be­bau­ungs­plan ha­ben, wird die 3G Group be­müht sein, die Grund­stü­cke wirt­schaft­lich zu ver­mark­ten. Es sind ge­werb­li­che Grund­stü­cke, die in­nen­stadt­nah lie­gen, und die Nach­fra­ge ist da. Wir sind dann auf je­den Fall an der Sei­te des Ei­gen­tü­mers, um die Er­schlie­ßung wei­ter vor­an­zu­trei­ben. Wenn al­les gut läuft, sind zum En­de mei­ner Amts­zeit be­stimmt schon ei­ni­ge ge­werb­li­che Be­trie­be in dem Be­reich an­ge­sie­delt. Das dau­ert aber eher bis 2020 oder 2022.

Zu ei­nem an­de­ren The­ma, näm­lich Fi­nan­zen. Osnabrück steht ak­tu­ell fi­nan­zi­ell so gut da wie seit ge­fühlt zwei Jahr­zehn­ten nicht mehr, ge­ra­de­zu sen­sa­tio­nell. Der Über­schuss in die­sem Jahr be­wegt sich auf 20 Mil­lio­nen zu. Die Frak­tio­nen über­tref­fen sich im Mo­ment da­mit, In­ves­ti­ti­ons­vor­schlä­ge zu ma­chen. Wie viel wird die Stadt im kom­men­den Jahr und da­nach in die Schul­in­fra­struk­tur in­ves­tie­ren? Na­tür­lich ist es gut ge­lun­gen, den Haus­halt in Ord­nung zu brin­gen. Das ist auf der ei­nen Sei­te ei­ner gu­ten wirt­schaft­li­chen La­ge ge­schul­det, denn ein Fünf­tel un­se­rer Ein­nah­men kommt aus der Ge­wer­be­steu­er. Die hat sich su­per ent­wi­ckelt. Es be­steht na­tür­lich die Ge­fahr, dass das nicht dau­er­haft so bleibt. Des­we­gen ha­ben wir auch ver­sucht, uns struk­tu­rell bes­ser dar­zu­stel­len. Als ich ge­kom­men bin, ha­ben wir ei­ne Zweit­wohn­sitz­steu­er ein­ge­führt, die uns über 2000 neue Erst­wohn­sit­ze be­schert hat. Das heißt, wir ha­ben struk­tu­rell

1,5 bis zwei Mil­lio­nen Eu­ro jähr­lich mehr durch die Fi­nanz­zu­wei­sung. Das ist ein wich­ti­ger Punkt und eben­so gut ge­lun­gen wie die Erst­auf­nah­me­ein­rich­tung für Flücht­lin­ge nach Osnabrück zu be­kom­men. Da­durch wer­den über zehn Jah­re Pacht­ein­nah­men in Hö­he von acht Mil­lio­nen Eu­ro di­rekt dem Kli­ni­kum zu­ge­führt

– auch ein Punkt, wo ich sa­ge, da ha­be ich ei­nen gro­ßen An­teil.

Das ver­schafft uns auch die Zeit, das Grund­stück des ehe­ma­li­gen Bun­des­wehr­kran­ken­hau­ses zu ei­nem Wohn­quar­tier zu ent­wi­ckeln. Jetzt zur Fra­ge, wie viel wer­den wir in Schu­len in­ves­tie­ren? Wir be­schu­len 6000 Land­kreis­schü­ler, der Land­kreis be­schult 2000 Schü­ler von uns. Wir ha­ben mit dem Land­kreis ei­nen neu­en Ver­trag aus­ge­han­delt, der uns jetzt über zwei Mil­lio­nen Eu­ro jähr­lich mehr in die städ­ti­schen Kas­sen spült. Was auch er­for­der­lich ist, um die Schul­in­fra­struk­tur, Sie ha­ben es an­ge­spro­chen, aus­zu­bau­en. Wir ha­ben die IGS Evers­burg er­rich­tet. Wir ha­ben die Sport­hal­len am Ca­ro­li­num und am Schloss­wall ge­baut. Es wur­de schon sehr viel Geld in­ves­tiert. Wir sind na­tür­lich auch in der Pflicht, die Ganz­tags­be­treu­ung in den Schu­len si­cher­zu­stel­len. Wenn in Krip­pe und Ki­ta die El­tern ih­re Kin­der ganz­tags be­treu­en las­sen kön­nen, dann darf nicht ei­ne Ver­sor­gungs­lü­cke in dem 6. oder 7. Le­bens­jahr ein­tre­ten. Wir ha­ben die Rück­füh­rung von G8 auf G9 vor uns. Wir müs­sen in der Schul­in­fra­struk­tur und in der Kin­der­gar­ten­ver­sor­gung aber noch mehr tun, weil die Stadt wei­ter wächst. Groß zu in­ves­tie­ren heißt aber auch, das nicht nur als Zahl in den Haus­halt hin­ein­zu­schrei­ben, son­dern das auch um­set­zen zu kön­nen mit den städ­ti­schen Mit­ar­bei­tern, mit dem Ei­gen­be­trieb Im­mo­bi­li­en. Ei­ne gro­ße Her­aus­for­de­rung!

Das ist ge­nau der Punkt. Jetzt ist das Geld da, aber es fehlt das Per­so­nal, um die Pla­nung um­zu­set­zen. Hät­ten Sie nicht viel eher sa­gen müs­sen, hal­lo Leu­te in der Po­li­tik, wir brau­chen Per­so­nal, um das um­zu­set­zen, was ihr plant? Ja, hät­te! Aber wer hät­te vor drei Jah­ren sa­gen kön­nen, dass wir über Flucht aus Kriegs- und Kri­sen­ge­bie­ten so ei­nen Zu­wachs in der Be­völ­ke­rung be­kom­men? Wer hät­te das sa­gen kön­nen? In der Zeit, als wir un­se­ren Haus­halt in Ord­nung brin­gen muss­ten, ha­ben wir Auf­la­gen von der Kom­mu­nal­auf­sicht be­kom­men: Wir dür­fen gar nicht so viel in­ves­tie­ren, weil wir da­für Kre­di­te auf­neh­men müs­sen. Auch die Po­li­tik hat zu der Zeit ge­sagt, seht zu, dass ihr eu­re Pro­zes­se ver­schlankt, seht zu, dass ihr Per­so­nal ab­baut. Das ha­ben wir als Auf­trag mit­ge­nom­men. Da­für ha­ben wir ge­ar­bei­tet, und gleich­zei­tig sind un­se­re Auf­ga­ben aber mit­ge­wach­sen. Wir ha­ben na­tür­lich auch in den letz­ten Jah­ren im­mer wie­der neue Mit­ar­bei­ter ein­ge­stellt. In­zwi­schen ist es aber schwer, auf dem Ar­beits­markt qua­li­fi­zier­tes Per­so­nal zu fin­den, gera­de im tech­ni­schen Be­reich, al­so Bau­auf­sicht, Pla­nung, Hoch­bau. Das gilt auch im Um­welt­be­reich, wo wir In­ge­nieu­re aus dem Na­tur­schutz, aus dem Was­ser­recht brau­chen. Wir ha­ben es er­lebt, wir ha­ben ei­ni­ge Stel­len mehr­mals aus­schrei­ben müs­sen. Es ist un­heim­lich schwie­rig. Auch in an­de­ren Be­rei­chen wie in der Aus­län­der­be­hör­de. Fach­kräf­te für Ki­tas, in der Pfle­ge, für un­ser Kli­ni­kum sind auch nicht ein­fach zu fin­den. Die Mit­ar­bei­ter ar­bei­ten an ih­rer Be­las­tungs­gren­ze, sie zie­hen aber mit, weil sie wis­sen, es ist ge­sell­schaft­lich er­for­der­lich und sorgt da­für, dass die Stadt wei­ter at­trak­tiv sein kann.

Wer­den Sie in vier Jah­ren wie­der an­tre­ten? Dann sind Sie 64 Jah­re. Ich glau­be, es kommt nicht aufs Le­bens­al­ter an, es kommt ein­fach dar­auf an, was man sich noch vor­nimmt. Ich ha­be ei­ni­ge The­men, die ich ger­ne zu En­de brin­gen wür­de. Ich wür­de ger­ne den Ne­u­markt nicht so las­sen, wie er sich in den letz­ten zehn oder 20 Jah­ren ent­wi­ckelt hat. Und wenn wir vie­le, vie­le da­von über­zeu­gen kön­nen, dann geht das schnel­ler vor­an. Und wenn nicht, dann tre­te ich auf je­den Fall noch ein­mal an, denn der Ne­u­markt ist et­was, was mir am Her­zen liegt. Das möch­te ich auf je­den Fall in mei­ner Amts­zeit, wann auch im­mer sie dann auch en­det, für die Stadt gut ge­stal­tet ha­ben.

Ich glau­be, die Si­tua­ti­on ist wirk­lich ver­fah­ren

Fo­to: Micha­el Grün­del

Im Foy­er der Osnabrück-Hal­le stell­te sich Ober­bür­ger­meis­ter Wolf­gang Grie­sert un­se­ren Fra­gen. Der 60-Jäh­ri­ge fei­er­te im Ok­to­ber Berg­fest. Die Hälf­te sei­ner acht­jäh­ri­gen Amts­zeit hat er hin­ter sich.

Kli­ni­kum.

Ne­um

Gü­ter­bahn­hof.

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