Ur­teil zu Hartz IV: Oh­ne Ar­beit nur klei­ne Woh­nung

Lang­zeit­ar­beits­lo­se ha­ben kei­nen An­spruch auf Kos­ten­über­nah­me in un­be­grenz­ter Hö­he

Neue Osnabrucker Zeitung - Hagen, Hasbergen - - POLITIK -

dpa/epd KARLSRUHE. Hartz-IV-Emp­fän­ger ha­ben nach ei­ner Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts kei­nen An­spruch auf Über­nah­me ih­rer vol­len Miet- und Heiz­kos­ten in un­be­grenz­ter Hö­he. Die Be­schrän­kung des So­zi­al­ge­setz­buchs auf „an­ge­mes­se­ne“Auf­wen­dun­gen sei mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar, ent­schied die 2. Kam­mer des Ers­ten Se­nats. Der Ge­setz­ge­ber dür­fe die Kos­ten­über­nah­me be­gren­zen, teil­te das Ge­richt am Di­ens­tag zu Be­schlüs­sen mit.

Die Be­schwer­de kam von ei­ner Frau aus Ba­den-Würt­tem­berg, die Leis­tun­gen zur Si­che­rung des Le­bens­un­ter­halts be­zieht. Das Job­cen­ter hat­te die Miet- und Heiz­kos­ten für ih­re 77 Qua­drat­me­ter gro­ße Woh­nung zu­nächst ganz, seit 2008 aber nur noch teil­wei­se über­nom­men. Be­reits ab Au­gust 2005 hat­te

das Job­cen­ter ihr mit­ge­teilt, dass die Miet­kos­ten zu hoch und die Woh­nung zu groß sei. Statt die mo­nat­li­che Ge­samt­mie­te von da­mals 642 Eu­ro zu über­neh­men, zahl­te das

Job­cen­ter fort­an nur noch den „an­ge­mes­se­nen“Ge­samt­miet­an­teil von 439 Eu­ro mo­nat­lich.

Sie klag­te auf voll­stän­di­ge Kos­ten­über­nah­me und

schei­ter­te da­mit vor dem So­zi­al­ge­richt. Be­ru­fung und Re­vi­si­on blie­ben er­folg­los. Au­ßer­dem wies die Kam­mer zwei Vor­la­gen des So­zi­al­ge­richts Mainz als un­zu­läs­sig zu­rück, das die Re­ge­lun­gen zu Kos­ten von Un­ter­kunft und Hei­zung für ver­fas­sungs­wid­rig hält.

Mit der Re­ge­lung des So­zi­al­ge­setz­buchs II (Pa­ra­graf 22 Ab­satz 1 Satz 1) be­steht nach An­ga­ben der Ver­fas­sungs­rich­ter ein kon­kre­ter ge­setz­li­cher An­spruch zur Er­fül­lung des Grund­rechts auf ein men­schen­wür­di­ges Exis­tenz­mi­ni­mum. Da­mit ha­be der Ge­setz­ge­ber sei­ne Pflicht er­füllt.

Sät­ze re­gio­nal fest­ge­legt

Was an­ge­mes­se­ne Auf­wen­dun­gen für die Mie­te sind, wird re­gio­nal fest­ge­legt. Für den Land­kreis Tü­bin­gen in Ba­den-Würt­tem­berg et­wa gel­ten nach Vor­ga­be des Job­cen­ters 45 Qua­drat­me­ter für ei­ne Per­son und 360 Eu­ro Mie­te im Mo­nat als an­ge­mes­sen. In der Uni­ver­si­täts­stadt Tü­bin­gen sind es 415 Eu­ro. Für je­de wei­te­re Per­son kom­men 15 Qua­drat­me­ter und im Land­kreis 80 Eu­ro Mie­te hin­zu, in der Stadt 90 Eu­ro. Da­zu kom­men Be­triebs- und Heiz­kos­ten.

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