Auch El­tern­tie­re ge­ra­ten ins Vi­sier

Neu­es Jagd­ge­setz be­trifft Nu­tri­as und Wild­schwei­ne

Neue Osnabrucker Zeitung - Hagen, Hasbergen - - NORDWEST - Dpa

Die aus Süd­ame­ri­ka stam­men­den Nu­tri­as wüh­len im Ufer­be­reich, doch Dei­che und Däm­me dür­fen nicht un­ter­gra­ben wer­den. Mit Än­de­run­gen im Jagd­ge­setz sol­len künf­tig nicht nur Jä­ger die Na­ger fan­gen dür­fen. Auch bei der Wild­schwein­jagd dürf­ten Tra­di­tio­nen über Bord ge­hen.

HAN­NO­VER Nu­tri­as und Wild­schwei­nen könn­ten mit Än­de­run­gen im nie­der­säch­si­schen Jagd­recht har­te Zei­ten be­vor­ste­hen. Not­falls sind auch El­tern­tie­re nicht mehr si­cher. Hin­ter­grund sei­en der Hoch­was­ser­schutz und die nä­her rü­cken­de Afri­ka­ni­sche Schwei­ne­pest, heißt es in dem nun dem Land­tag in Han­no­ver vor­lie­gen­den Ent­wurf. Am Mitt­woch soll dort die No­vel­lie­rung erst­mals im zu­stän­di­gen Agrar­aus­schuss dis­ku­tiert wer­den.

Die aus Süd­ame­ri­ka stam­men­den Nu­tri­as ge­fähr­de­ten durch das Un­ter­gra­ben von Dei­chen und Däm­men den Hoch­was­ser­schutz, heißt es zur Be­grün­dung für die an­ste­hen­den Än­de­run­gen. So soll auch der bis­lang gel­ten­de Schutz der El­tern­tie­re auf­ge­ho­ben wer­den. Weil Nu­tri­as mehr­mals jähr­lich und un­ab­hän­gig von Jah­res­zei­ten ih­re Jun­gen zur Welt brin­gen, kön­ne es kei­ne zu­ver­läs­si­gen Schon­zei­ten ge­ben.

Ei­ne wei­te­re ein­schnei­den­de Neue­rung: Die Na­ger sol­len künf­tig auch von Nicht­jä­gern mit Sach­kun­de­nach­weis ge­fan­gen wer­den dür­fen. „Auf Ge­wäs­sern und an­gren­zen­den Ufer­be­rei­chen dür­fen Per­so­nen oh­ne Jagd­schein Nu­tri­as le­bend fan­gen, tö­ten und sich an­eig­nen, wenn die oder der Jagd­aus­übungs­be­rech­tig­te ein­ge­wil­ligt hat“, heißt es da­zu.

Na­bu kri­ti­siert

Ge­gen die ganz­jäh­ri­ge Be­ja­gung sprach sich der Na­tur­schutz­bund Na­bu aus. „Ei­ne nach­weis­li­che Ge­fähr­dung von Dei­chen auf­grund von Schä­den, die auf Nu­tri­as zu­rück­zu­füh­ren sind, wur­de bis­her nicht er­bracht“, sag­te El­ke Mei­er vom Na­bu Nie­der­sach­sen. „Auf­grund der der­zei­ti­gen Be­stands­si­tua­ti­on ist ei­ne Re­du­zie­rung des Tier­schut­zes zur Ge­fah­ren­ab­wehr nicht zu recht­fer­ti­gen“, er­klär­te Mei­er. „Die Wahr­schein­lich­keit ei­nes Ver­sto­ßes ge­gen den El­tern­tier­schutz wird durch die ganz­jäh­ri­ge Jagd er­heb­lich er­höht.“

Die Grü­nen hat­ten die No­vel­le schon frü­her kri­ti­siert. Die Er­le­gung der Mut­ter­tie­re von Wild­schwei­nen und Nu­tri­as füh­re da­zu, dass die Jung­tie­re elen­dig ver­en­den wür­den, hieß es im Ju­ni.

We­gen der aus Ost­eu­ro­pa nä­her rü­cken­den Afri­ka­ni­schen Schwei­ne­pest (ASP) ste­hen auch bei der Jagd auf Wild­schwei­ne dras­ti­sche Än­de­run­gen an. Schwarz­wild kann die Seu­che über­tra­gen, des­halb soll die Jagd auf die Tie­re er­leich­tert wer­den. Da­bei sol­len künf­tig not­falls so­gar Mut­ter­tie­re zur Stre­cke ge­bracht wer­den dür­fen. Ein Über­grei­fen auf Haus­schwei­ne hät­te Schä­den in Mil­li­ar­den­hö­he zur Fol­ge. Auch das Schie­ßen vom Au­to aus soll dann bei Jag­den auf Schwarz­wild er­laubt wer­den.

„Wir be­grü­ßen die vor­ge­se­he­nen In­stru­men­ta­ri­en“, sag­te Hel­mut Dam­mann-Tam­ke, Prä­si­dent der Lan­des­jä­ger­schaft. „Es braucht nur ei­ni­ge Klar­stel­lun­gen wäh­rend des kom­men­den Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­rens“, be­ton­te er. „So dür­fen Jä­ger nicht aus ei­nem ste­hen­den oder fah­ren­den Au­to aus schie­ßen. Die neue Re­ge­lung gilt nur für auf Fahr­zeu­gen fest mon­tier­te Hoch­sit­ze bei Ern­te­jag­den, et­wa in Mais­fel­dern.“

„Bei ei­nem Aus­bruch der ASP könn­ten wir mit den an­ste­hen­den Re­ge­lun­gen um­ge­hend und fle­xi­bel re­agie­ren“, be­ton­te Dam­man­nTam­ke. „Das kann im Seu­chen­fall auch die Frei­ga­be des Ab­schus­ses von El­tern­tie­ren be­deu­ten.“

Die Jagd dür­fe nicht die be­stim­men­de Vor­sor­ge­maß­nah­me sein, hieß es da­zu beim Na­bu. „Der Fo­kus muss auf prä­ven­ti­ven Maß­nah­men lie­gen, ins­be­son­de­re hin­sicht­lich der mensch­li­chen Ein­fuhr­pfa­de“, sag­te Mei­er. Das be­trä­fe Kon­trol­le und Auf­klä­rung, aber auch prak­ti­sche Maß­nah­men wie et­wa die Ein­zäu­nung von Rast­plät­zen an Fern­stra­ßen.

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Fo­to: dpa/Si­las St­ein

Ge­fahr für den Hoch­was­ser­schutz? Nu­tri­as könn­ten bald stär­ker be­jagt wer­den.

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