Hru­besch pfeift auf den Re­kord

Bun­des­trai­ner kann in Os­na­brück ge­gen Ita­li­en sei­ne star­ke Bi­lanz aus­bau­en

Neue Osnabrucker Zeitung - Hagen, Hasbergen - - SPORT REGIONAL - Von Su­san­ne Fet­ter

Für die deut­schen Fuß­ball-Frau­en geht es an die­sem Sams­tag in Os­na­brück ge­gen Ita­li­en (16 Uhr/ARD) nicht nur um ei­nen Test für die WM 2019. Sie kön­nen ih­rem Bun­des­trai­ner Horst Hru­besch zum Ab­schied auch ei­nen Re­kord be­sche­ren, denn bis­lang ist er un­ge­schla­gen.

MA­RI­EN­FELD So klingt ein ty­pi­scher Hru­besch. „Scheiß was drauf!“, ent­fleucht es dem Bun­des­trai­ner der deut­schen Fuß­bal­le­rin­nen. Dann muss er selbst la­chen, dass ihm ge­ra­de mit­ten in der of­fi­zi­el­len Pres­se­kon­fe­renz vor dem Spiel ge­gen Ita­li­en die­ser Kraft­aus­druck durch­ge­rutscht ist. Aber so ist er halt. Mit 67 Jah­ren wird der ehe­ma­li­ge Na­tio­nal­spie­ler sich nicht mehr ver­stel­len. Im­mer ehr­lich, im­mer of­fen.

Und wenn er sagt, dass ihm der Re­kord egal ist, dann ist er es auch. Seit März trai­niert er die Fuß­ball-Frau­en, nach­dem der Deut­sche Fuß­ball-Bund sich von St­ef­fi Jo­nes ge­trennt hat­te – aber nur über­gangs­wei­se. Nach den zwei Spie­len ge­gen Ita­li­en am Sams­tag und am Diens­tag (16 Uhr/ZDF) in Er­furt ge­gen Spa­ni­en ist Schluss. Dann über­nimmt Mar­ti­na Vos­sTeck­len­burg, die ak­tu­ell noch mit der Schweiz die Play­offs für die WM-Qua­li­fi­ka­ti­on spielt. Und Hru­besch? Der fährt mit sei­ner Frau nach Neu­see­land.

Sechs Sie­ge in sechs Spie­len hat er bis­lang ein­ge­fah­ren. Bleibt er wei­ter auf Kurs, schei­det er mit wei­ßer Wes­te aus dem Amt – das ge­lang vor ihm noch nicht. In­ter­es­siert ihn aber nicht. „Es geht nicht um mich“, sagt Hru­besch. Es geht um „die Mä­dels“.

Zwei der jüngs­ten sit­zen in die­sem Mo­ment ne­ben ihm. Le­na Latt­wein und Gu­lia Gwinn, Jahr­gang 2000 und 1999. Über sie sagt Hru­besch: „Sie sind die Zu­kunft.“

Ob sie auch die Ge­gen­wart sind? „Mal schau­en“, er­klärt der Bun­des­trai­ner mit ei­nem Au­gen­zwin­kern auf die Fra­ge, ob Latt­wein und Gwinn ge­gen Ita­li­en auf­lau­fen. Ei­ni­ge Stamm­kräf­te feh­len – un­ter an­de­rem Tor­hü­te­rin Al­muth Schult, Kris­tin De­man und Lea Schül­ler, die sich kurz­fris­tig mit Er­käl­tung ab­mel­de­te. Auch für Ka­pi­tä­nin Dz­se­ni­fer Ma­roz­sán kommt der Test noch zu früh nach über­stan­de­ner Lun­gen­em­bo­lie.

La­men­tie­ren will Hru­besch nicht. Im Ge­gen­teil. „Das ist für die jun­gen Spie­le­rin­nen die Mög­lich­keit, sich zu zei­gen“, sagt er. Die Freund­schafts­spie­le sei­en die Ge­le­gen­heit, sich nicht nur auf die Welt­meis­ter­schaft im kom­men­den Jahr in Frank­reich zu kon­zen­trie­ren, son­dern auch noch ein paar Din­ge aus­zu­pro­bie­ren.

Da­bei ist dem Trai­ner vor al­lem die Kom­mu­ni­ka­ti­on wich­tig. Und, „dass die jun­gen Spie­le­rin­nen sich als voll­wer­tig füh­len“im Ge­fü­ge der Mann­schaft. „Sie sol­len selbst­be­wusst sein und ehr­lich ih­re Mei­nung sa­gen“, be­tont der 67-Jäh­ri­ge.

Zum Spiel ge­gen Ita­li­en ha­ben die bei­den schon mal ei­ne Mei­nung. „Die kön­nen ziem­lich ek­lig sein. Da müs­sen wir do­mi­nant auf­tre­ten“, sagt Gwinn. Und Latt­wein fügt an: „Wir freu­en uns auf Os­na­brück, das wird das ers­te Mal sein, dass wir dort spie­len.“

6000 Zu­schau­er wer­den er­war­tet an der his­to­ri­schen Stät­te, dort, wo die DFB-Frau­en 1989 Eu­ro­pa­meis­ter wur­den und ih­ren ers­ten gro­ßen Ti­tel hol­ten. Für vie­le sei­ner Spie­le­rin­nen mag das Da­tum zu weit weg sein. Für Hru­besch ist es prä­sent wie die „Bre­mer Brü­cke“selbst. „Ich ha­be da schon ein paar Mal ge­spielt in den 70er-Jah­ren“, er­in­nert sich der 67-Jäh­ri­ge, und in sei­nen Au­gen blitzt es. „Das war im­mer ei­ne top At­mo­sphä­re, die Zu­schau­er sind be­geis­te­rungs­fä­hig, die Stim­mung ist im­mer su­per. Das wird toll“, sagt Hru­besch. Und wenn er das sagt, dann kann es ja nur wahr sein.

Fo­to: Wit­ters/Tim Groo­thu­is

Im Kreis „sei­ner Mä­dels“: Bun­des­trai­ner Horst Hru­besch ist noch zwei Spie­le im Amt.

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