Neu­er An­satz für Mala­ria-Impf­stoff

US-For­scher wol­len neu­en Mala­ria-Impf­stoff ent­wi­ckelt ha­ben

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Seit Jah­ren ver­su­chen For­scher, ei­nen Impf­stoff ge­gen die Krank­heit Mala­ria zu fin­den. Ein neu­er An­satz gibt nun Grund zur Hoff­nung. Da­bei wird der Er­re­ger gen­tech­nisch ver­än­dert.

Seit Jah­ren ver­su­chen For­scher, ei­nen Impf­stoff ge­gen die ge­fähr­li­che In­fek­ti­ons­krank­heit Mala­ria zu fin­den. Ein neu­er An­satz gibt nun Grund zur Hoff­nung.

Von Eva Voß

OSNABRÜCK. 2015 sind nach An­ga­ben der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) fast ei­ne hal­be Mil­li­on Men­schen welt­weit an Mala­ria ge­stor­ben.

Zwar ist es ge­lun­gen, die Zahl der To­des­fäl­le und In­fek­tio­nen in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zu ver­rin­gern, den­noch ist ei­ne Aus­rot­tung der Krank­heit noch in wei­ter Fer­ne. Ein wich­ti­ger Schritt auf dem Weg dort­hin ist die Ent­wick­lung ei­nes Impf­stoffs. Bis­her gibt es nur ei­nen ein­zi­gen Impf­stoff, näm­lich RTS,S, be­kannt un­ter dem Na­men „Mos­qui­rix“des Phar­ma­un­ter­neh­mens Gla­xoS­mit­hK­li­ne, der von der Eu­ro­pean Me­di­ci­nes Agen­cy po­si­tiv be­wer­tet wur­de. In kli­ni­schen Stu­di­en blieb die Wirk­sam­keit je­doch hin­ter den Er­war­tun­gen zu­rück. Die WHO will „Mos­qui­rix“des­halb zu­nächst ab 2018 in Pi­lot­pro­jek­ten tes­ten.

US-For­scher aus Se­at­tle ha­ben nun ei­nen al­ter­na­ti­ven Impf­stoff ent­wi­ckelt, der neu­en Grund zur Hoff­nung gibt. Da­für wur­de der Krank­heits­er­re­ger gen­tech­nisch so ver­än­dert, dass er vor der Krank­heit schüt­zen könn­te. Das funk­tio­niert so: Men­schen in­fi­zie­ren sich mit Mala­ria, in­dem die Ano­phe­lesMü­cke den Er­re­ger durch ei­nen Stich über­trägt. Es gibt ver­mut­lich fünf ver­schie­de­ne Er­re­ger, die ei­ne Mala­ria aus­lö­sen kön­nen, der häu­figs­te ist Plas­mo­di­um fal­ci­par­um. Die Wis­sen­schaft­ler ent­fern­ten nun drei Ge­ne die­ses Er­re­gers. Zehn frei­wil­li­ge Test­per­so­nen lie­ßen sich an­schlie­ßend

von Ano­phe­lesMos­ki­tos ste­chen, die den ab­ge­schwäch­ten Er­re­ger in sich tru­gen. Er­geb­nis: Al­le zehn Pro­ban­den ent­wi­ckel­ten zwar An­ti­kör­per ge­gen Mala­ria, er­krank­ten aber nicht. Die Imp­fung scheint al­so zu wir­ken. Ih­re Er­kennt­nis­se ver­öf­fent­lich­ten die For­scher im Fach­ma­ga­zin „Sci­ence Trans­la­tio­nal Me­di­ci­ne“.

Die For­scher selbst be­zeich­nen die Stu­die als Mei­len­stein in der Ent­wick­lung ei­nes Mala­ri­aimpf­stoffs. An­de­re Ex­per­ten sind da et­was vor­sich­ti­ger. Pe­ter Krems­ner, Di­rek­tor des In­sti­tuts für Tro­pen­me­di­zin an der Uni­k­li­nik Tü­bin­gen und Ko­or­di­na­tor des For­schungs­be­reichs Mala­ria

am Deut­schen Zen­trum für In­fek­ti­ons­for­schung, kommt im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on zu fol­gen­der Ein­schät­zung: „Das ist ei­ne in­ter­es­san­te Ar­beit und ein ers­ter Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung. Es ist aber zu früh zu sa­gen, dass es wirk­lich ein Durch­bruch ist.“

Zur­zeit ge­be es drei ver­schie­de­ne An­sät­ze, um Mala­ria-Er­re­ger ab­zu­schwä­chen und dar­aus ei­nen Impf­stoff her­zu­stel­len, so Pro­fes­sor Krems­ner. Ei­ner ist, die Pa­ra­si­ten gleich­zei­tig mit An­ti­mala­ri­a­mit­teln zu ver­ab­rei­chen. Ei­ne an­de­re Mög­lich­keit ist die Be­strah­lung des Pa­ra­si­ten. „Der drit­te und vi­el­leicht ele­gan­tes­te Weg ist

die ge­ziel­te Aus­schal­tung be­stimm­ter Ge­ne im Er­re­ger, wie in der nun ver­öf­fent­lich­ten Stu­die“, sagt der Tro­pen­me­di­zi­ner. Gleich­zei­tig sei die­se Me­tho­de aber die am we­nigs­ten er­forsch­te.

Doch war­um ist es so schwie­rig, ei­nen Mala­ri­aImpf­stoff zu ent­wi­ckeln? Bei Ebo­la brauch­te es da­für schließ­lich nur ei­ni­ge Mo­na­te. „Pa­ra­si­ten sind viel kom­ple­xe­re Mi­kro­ben als Bak­te­ri­en oder Vi­ren“, er­klärt Krems­ner. Ebo­la ha­be tat­säch­lich ge­zeigt, dass die Ent­wick­lung ei­nes Impf­stoffs sehr schnell ge­hen kön­ne, doch die Krank­heit wer­de durch Vi­ren aus­ge­löst, die nur we­ni­ge Ge­ne hät­ten. Da

sei die Ent­wick­lung we­sent­lich ein­fa­cher. Ähn­li­ches gel­te auch für Bak­te­ri­en. „Pa­ra­si­ten da­ge­gen ha­ben so vie­le Ge­ne wie der Mensch und sind viel kom­ple­xer auf­ge­baut. Da ist es we­sent­lich schwie­ri­ger, die rich­ti­gen Ge­ne und da­mit An­ti­ge­ne zu er­wi­schen, die zum Auf­bau ei­nes Impf­schut­zes not­wen­dig sind“, sagt der Tro­pen­me­di­zi­ner. „Wir hof­fen al­ler­dings, und sind auch ganz em­sig da­bei, dass wir mit der Ab­schwä­chung der gan­zen Pa­ra­si­ten bald ei­nen wirk­sa­men Impf­stoff ha­ben.“

Die Stech­mü­cke über­trägt Mala­ria auf den Men­schen. For­scher wol­len nun ei­nen neu­en Impf­stoff ge­fun­den ha­ben. Fo­to: dpa

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