Schan­de bei­der Sei­ten

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - B.ewert@noz.de

Es sind al­te Fra­gen, die die neu­en Sy­ri­en-Ge­sprä­che prä­gen. Was wird aus Ba­schar al-As­sad? Wer ist le­gi­ti­me Op­po­si­ti­on, wer Ter­ro­rist? Dar­an zer­bra­chen die frü­he­ren Ver­hand­lun­gen in Genf – aber nicht nur. Denn die Aus­gangs­la­ge war da­mals längst klar: Ei­ne Zu­kunft mit As­sad wird es in Sy­ri­en nicht ge­ben. Ihn an der nächs­ten Stra­ßen­la­ter­ne auf­zu­knüp­fen ist aber die ei­ne Va­ri­an­te von Zu­kunft; ei­ne Über­gangs­frist mit aber-

ma­li­gen Wah­len ei­ne an­de­re. Sich da­ge­gen ge­sperrt zu ha­ben war un­mit­tel­bar mit­ver­ant­wort­lich für die Ver­län­ge­rung des blu­ti­gen Bür­ger­krie­ges in dem Land.

Dass die UN in Astana nicht be­tei­ligt sind, ist ein Hin­weis auf ih­re schwin­den­de Be­deu­tung, muss aber kein Man­gel sein. Ein trag­fä­hi­ger Waf­fen­still­stand ist Vor­aus­set­zung für wei­te­re Ver­hand­lun­gen in Genf, nach­dem die ers­ten An­läu­fe auch un­ter deut­scher Be­tei­li­gung ge­schei­tert wa­ren. Be­zeich­nend bleibt, dass es dem un­glei­chen Trio Russ­land, Tür­kei und Iran ge­lang, mit Astana den Rah­men da­für zu ste­cken, und dies nicht un­ter Be­tei­li­gung des Wes­tens ge­schah. Das lag nicht nur an den schwie­ri­gen Ver­hält­nis­sen in Sy­ri­en, son­dern auch am Un­wil­len der in­ter­na­tio­na­len Ak­teu­re. Statt­des­sen wur­de Sy­ri­en zur Schan­de bei­der Sei­ten zum Schau­platz ei­nes Stell­ver­tre­ter­krie­ges ge­macht, im Fal­le Russ­lands mi­li­tä­risch, im Fal­le des Wes­tens psy­cho­lo­gisch. Wie be­reit­wil­lig, ja, be­gie­rig die Welt je­den ko­ope­ra­ti­ven An­satz in den Wind schlug, er­schreckt.

Von Burk­hard Ewert

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