Die bes­se­re Wahl

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite - Von Burk­hard Ewert b.ewert@noz.de

Sig­mar Ga­b­ri­el hat es span­nend ge­macht. Aber der SPD hat er mit sei­nem spä­ten Ab­gang aus der ers­ten Rei­he letzt­lich ei­nen Di­enst er­wie­sen. So ge­ni­al und wit­zig der Noch-Vor­sit­zen­de in vie­len Mo­men­ten ist, so un­be­re­chen­bar wirkt er und da­her ten­den­zi­ell rich­tungs­los.

Be­völ­ke­rung und Par­tei blieb Ga­b­ri­el da­mit oft zu rät­sel­haft. Sei­ne gro­ße Stär­ke, die prag­ma­ti­sche Un­vor­ein­ge­nom­men­heit mit der Nei­gung zum ent­schlos­se­nen Schwenk, wur­de so zu­gleich zur Schwä­che. Als Kanz­ler, zu des­sen wich­tigs­ten Ei­gen­schaf­ten die Deut­schen Be­stän­dig- keit zäh­len und die sie in so aus­ge­präg­tem Ma­ße von der Amts­in­ha­be­rin An­ge­la Mer­kel ge­wöhnt sind, wä­re der Nie­der­sach­se trotz all sei­ner Qua­li­tä­ten schlecht ge­eig­net.

Hat Mar­tin Schulz nun bes­se­re Chan­cen? Der scharf­zün­gi­ge, manch­mal groß­spu­ri­ge Ver­fech­ter ei­nes star­ken Eu­ro­pas kann sich zu­min­dest ver­kau­fen, ver­fügt über un­bän­di­gen Ehr­geiz und ist nicht be­reits ver­brannt, be­vor er an­ge­tre­ten ist. Da schon viel er­reicht wä­re, wenn ein SPDSpit­zen­kan­di­dat zwar nicht die Mehr­heit der Deut­schen, wohl aber ei­nen si­gni­fi­kan­ten An­teil der ei­ge­nen Kli­en­tel zur Stim­me für sich be­we­gen kann, wird Schulz selbst dann der rich­ti­ge Kan­di­dat ge­we­sen sein, wenn die So­zi­al­de­mo­kra­ten ver­lie­ren. Au­ßer­halb der Ka­bi­netts­dis­zi­plin kann er im Wahl­kampf zu­dem schär­fer ge­gen Mer­kel schie­ßen und of­fe­ner mit den Lin­ken flir­ten als Ga­b­ri­el als Vi­ze­kanz­ler und Au­ßen­mi­nis­ter. Des­sen Ent­schei­dung zum Ver­zicht ist da­her klug.

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