SPD schließt die Rei­hen

Steg­ner lobt Ga­b­ri­els „ver­ant­wor­tungs­vol­len“Schritt – Kri­tik von Lin­ken und FDP

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

Der über­ra­schen­de Ver­zicht Sig­mar Ga­b­ri­els auf Kanz­ler­kan­di­da­tur und SPD-Vor­sitz hat ge­misch­te Re­ak­tio­nen aus­ge­löst. Wäh­rend er Zu­spruch aus sei­ner Par­tei und von den Grü­nen er­hielt, zeig­ten sich Lin­ke und FDP skep­tisch.

Von Pe­ter Hö­ver

BERLIN. SPD-Vi­ze Ralf Steg­ner be­grüß­te die Ent­schei­dung von Par­tei­chef Sig­mar Ga­b­ri­el, die Kanz­ler­kan­di­da­tur und den Par­tei­vor­sitz Mar­tin Schulz zu über­las­sen. „Ich fin­de es aber schon rich­tig und sehr ver­ant­wor­tungs­voll, wenn der Par­tei­vor­sit­zen­de den zum Kanz­ler­kan­di­da­ten vor­schlägt, der die bes­ten Chan­cen hat, dass die SPD ein gu­tes Er­geb­nis er­zielt. Das ist gut so“, sag­te Steg­ner im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on. Er wird dem lin­ken Par­tei­flü­gel zu­ge­rech­net.

Steg­ner äu­ßer­te die Hoff­nung, Schulz wer­de die SPD aus dem Um­fra­ge­kel­ler füh­ren. „Wir be­kom­men mit Mar­tin Schulz ei­nen lei­den­schaft­li­chen Eu­ro­pä­er, der mit al­ler Kraft ge­gen rechts kämpft.“In­so­fern sei der Wech­sel auch ein Si­gnal für ei­ne po­li­ti­sche Of­fen­si­ve. Der schles­wig-hol­stei­ni­sche SPD-Lan­des­chef wies auch dar­auf hin, dass Schulz nicht ins Ka­bi­nett ein­tre­te. „Das ist auch ein Si­gnal, dass wir kei­ne Gro­ße Ko­ali­ti­on mehr wol­len. Wir wol­len die Re­gie­rung füh­ren.“

Auch der Spre­cher der Par­la­men­ta­ri­schen Lin­ken der SPD, Mat­thi­as Miersch, si­gna­li­sier­te Un­ter­stüt­zung für den de­si­gnier­ten SPD-Kanz­ler­kan­di­da­ten: „Wir wer­den wie ei­ne Eins, egal ob See­heim oder Par­la­men­ta­ri­sche Lin­ke, hin­ter Mar­tin Schulz ste­hen und mit ihm, den­ke ich, ei­nen tol­len Wahl­kampf ma­chen.“Schulz ge­hört wie Ga­b­ri­el dem eher kon­ser­va­ti­ven

See­hei­mer Kreis in­ner­halb der SPD an.

Die Lin­ke sieht Schulz da­ge­gen skep­tisch. Die Par­tei­vor­sit­zen­den Kat­ja Kip­ping und Bernd Ri­ex­in­ger äu­ßer­ten Zwei­fel, dass die Ent­schei­dung zu ei­nem „Po­li­tik­wech­sel für so­zia­le Ge­rech­tig­keit und weg von der Gro­ßen

Ko­ali­ti­on und ih­rer ver­fehl­ten Po­li­tik be­deu­tet“.

Grü­nen-Chef Cem Öz­de­mir ge­wann ei­ner Kan­di­da­tur des 61-jäh­ri­gen Schulz da­ge­gen Po­si­ti­ves ab. „Mar­tin Schulz steht zwei­fels­oh­ne für ei­nen pro­eu­ro­päi­schen Kurs“, sag­te er der „Rhei­ni­schen Post“(Mitt­woch). Er

sei al­ler­dings ge­spannt, wie Schulz die gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen in der Um­welt­und Kli­ma­po­li­tik und bei der not­wen­di­gen öko­lo­gi­schen Mo­der­ni­sie­rung der Wirt­schaft an­pa­cken wer­de.

FDP-Chef Lind­ner sieht die SPD und mit ihr die Ko­ali­ti­on „im un­ge­ord­ne­ten Rück­zug“.

Es sei „leicht­fer­tig, die Sta­bi­li­tät Deutsch­lands in die­ser welt­po­li­ti­schen Si­tua­ti­on aufs Spiel zu set­zen“. Ga­b­ri­el wer­de lau­ter Re­form­bau­stel­len als Wirt­schafts­mi­nis­ter hin­ter­las­sen. Für den Chef­pos­ten im Aus­wär­ti­gen Amt emp­feh­le er sich „nicht ge­ra­de durch di­plo­ma­ti­sches Ge­schick“.

„Sig­mar Ga­b­ri­el hat die SPD zu­sam­men­ge­hal­ten“ Tho­mas Op­per­mann, SPD-Frak­ti­ons­chef „Wir wer­den wie ei­ne Eins, egal ob See­heim oder Par­la­men­ta­ri­sche Lin­ke, hin­ter Mar­tin Schulz ste­hen“ Mat­thi­as Miersch, Spre­cher der Par­la­men­ta­ri­schen Lin­ken der SPD „Die SPD und mit ihr die Gro­ße Ko­ali­ti­on be­fin­det sich im un­ge­ord­ne­ten Rück­zug“ Chris­ti­an Lind­ner, FDP-Par­tei­vor­sit­zen­der „Die­se Rich­tung wird für die SPD ein wei­te­rer Ab­stieg sein“ Klaus Ernst, Frak­ti­ons­vi­ze der Lin­ken

Ka­ri­ka­tur: Klaus Stutt­mann

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