„Her­zogs Ver­mächt­nis ist ein Schatz für un­ser Land“

Bun­des­prä­si­dent wür­digt sei­nen Amts­vor­gän­ger beim Staats­akt für den am 10. Ja­nu­ar ver­stor­be­nen Po­li­ti­ker

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Die Bun­des­prä­si­den­ten: mehr auf noz.de

Bun­des­prä­si­dent Joa­chim Gauck hat sei­nen Amts­vor­gän­ger Ro­man Her­zog als mo­ra­li­sches Vor­bild und „Ge­schenk für un­ser Land“ge­wür­digt. Bei ei­nem Staats­akt im Ber­li­ner Dom für den am 10. Ja­nu­ar im Al­ter von 82 Jah­ren ge­stor­be­nen Her­zog sag­te Gauck ges­tern: „Wir ver­nei­gen uns vor ei­nem Bun­des­prä­si­den­ten, des­sen Ver­mächt­nis in Wort und Tat ein Schatz für un­ser Land ist.“EU-Rats­prä­si­dent Do­nald Tusk er­in­ner­te an Her­zogs be­rühm­te „Ruck-Re­de“von 1997: „Auch durch Eu­ro­pa muss heu­te ein Ruck ge­hen.“

Vor rund 800 Trau­er­gäs­ten – un­ter ih­nen ne­ben Her­zogs zwei­ter Frau, Alex­an­dra Fr­ei­frau von Ber­li­chin­gen, auch Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel und vie­le Mit­glie­der ih­res Ka­bi­netts – hob Gauck her­vor, dass Her­zog „je­der Pomp, je­der Über­schwang, auch je­de de­vo­te Staats- und Au­to­ri­täts­gläu­big­keit“fremd ge­we­sen sei­en. Der ge­bür­ti­ge Bay­er sei ein bür­ger­na­her Prä­si­dent ge­we­sen, den Hu­mor und „un­bän­di­ge Spott­lust“aus­ge­zeich­net hät­ten.

Eben­so wie Gauck er­in­ner­te auch der frü­he­re pol­ni­sche Re­gie­rungs­chef Tusk dar­an, dass Her­zog mit sei­nem Be­such in Po­len 1994 gleich zu Be­ginn sei­ner Amts­zeit des 50. Jah­res­tags des War­schau­er Auf­stands ge­dach­te. Auch mit der Ein­füh­rung des 27. Ja­nu­ars als Tag des Ge­den­kens an die Op­fer des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus ha­be Her­zog zu Be­sin­nung und Ver­stän­di­gung bei­ge­tra­gen, sag­te Gauck.

Der Ge­denk­tag am 27. Ja­nu­ar, dem Tag der Be­frei­ung des Kon­zen­tra­ti­ons­la­gers Au­schwitz, wer­de im­mer mit Her­zogs Na­men ver­bun­den blei­ben, sag­te der Rats­vor­sit­zen­de der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land (EKD), Hein­rich Bed­ford-Strohm, in sei­ner Pre­digt. Her­zog ha­be da­mit „ei­ne Er­in­ne­rungs­kul­tur ge­stärkt, die Lie­be zum ei­ge­nen Land nicht mit Selbst­recht­fer­ti­gung und Ver­dräng der ei­ge­nen dunk­len Sei­ten ver­wech­selt“. Ver­fas­sungs­ge­richts­prä­si­dent Andre­as Voß­kuh­le wür­dig­te Her­zog vor al­lem als her­aus­ra­gen­den Ju­ris­ten, des­sen Grund­prin­zip ge­we­sen sei: „Im Mit­tel­punkt der Ver­fas­sung und der Rechts­ord­nung steht der ein­zel­ne Mensch“.

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