Sturz­ge­bur­ten und La­fos Ver­zicht

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

Die SPD und die Kür ih­rer Kanz­ler­kan­di­da­ten, das sorg­te schon oft für be­son­de­re Ge­schich­ten. Drei Bei­spie­le:

1998 – Ger­hard Schrö­der: Da­mals kon­kur­rier­ten Schrö­der und Par­tei­chef Os­kar La­fon­tai­ne um die Kan­di­da­tur. Ent­schie­den wur­de das Ren­nen am 1. März bei der Land­tags­wahl in Nie­der­sach­sen. Mi­nis­ter­prä­si­dent Schrö­der hat­te an­ge­kün­digt, sich in der K-Fra­ge zu­rück­zu­zie­hen, wenn er mehr als zwei Pro­zent­punk­te ver­liert. Schrö­der aber hol­te für die SPD mit 47,9 Pro­zent ein Plus von 3,6 Pro­zent­punk­ten. La­fon­tai­ne mach­te den Weg für Schrö­der frei und bil­de­te mit ihm im Wahl­kampf ei­ne Dop­pel­spit­ze. Ei­ne Ent­schei­dung mit gu­ten und schlech­ten Fol­gen für die SPD. Schrö­der schlug Kohl und wur­de Kanz­ler. Doch die Freund­schaft mit Os­kar zer­brach. Im März 1999 schmiss der ge­kränk­te Fi­nanz­mi­nis­ter La­fon­tai­ne hin. Spä­ter wur­de er Chef der neu­en Link­s­par­tei.

2009 – Frank-Wal­ter St­ein­mei­er: Am 6. Sep­tem­ber 2008, ein Jahr vor der Wahl, si­cker­te durch, dass Au­ßen­mi­nis­ter St­ein­mei­er bei der K-Fra­ge zu­greift. Erst hieß es noch, das sei im bes­ten Ein­ver­neh­men mit Par­tei­chef Kurt Beck er­folgt. Doch am Tag dar­auf kam es bei der Klau­sur der Spit­zen­ge­nos­sen zum Putsch vom Schwie­low­see. Der glück­lo­se Pfäl­zer Beck schmiss ent­nervt hin. Franz Mün­te­fe­ring kehr­te an die Par­tei­spit­ze zu­rück. Dem po­pu­lä­ren St­ein­mei­er ging auf der Stre­cke die Luft aus. Ge­gen An­ge­la Mer­kel hat­te er kei­ne Chan­ce.

2013 – Peer St­ein­brück: Auch die­ses Mal kam es an­ders, als die Par­tei­spit­ze es ge­plant hat­te. Drei Kan­di­da­ten stan­den zur Aus­wahl: Ex-Fi­nanz­mi­nis­ter St­ein­brück, Par­tei­chef Sig­mar Ga­b­ri­el und St­ein­mei­er. En­de Sep­tem­ber 2012 mach­te St­ein­mei­er, der sich ei­ne er­neu­te Kan­di­da­tur nicht an­tun woll­te, sei­nen Ver­zicht deut­lich. Das Dreh­buch, die Ver­kün­dung bis zu Be­ginn des Wahl­jah­res hin­aus­zu­zö­gern, war im Ei­mer. Ga­b­ri­el, der selbst nicht woll­te, flog über­stürzt aus Mün­chen nach Berlin zu­rück, um St­ein­brück zu prä­sen­tie­ren. Die Kür war ver­patzt, es wur­de ein Plei­tenPech-und-Pan­nen-Wahl­kampf. St­ein­brück und die SPD lan­de­ten bei 25,7 Pro­zent.

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