Pro­zess ge­gen Ärz­te ein­ge­stellt

79-Jäh­ri­ger stirbt we­gen falsch do­sier­ten Mit­tels – Geld­auf­la­ge ge­gen Me­di­zi­ner

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest -

Das Amts­ge­richt Lehr­te hat ge­gen Geld­auf­la­gen ein Ver­fah­ren ge­gen vier Me­di­zi­ner ein­ge­stellt, die ein Me­di­ka­ment für ei­nen schwer kran­ken Mann zu hoch do­siert hat­ten. Statt ein­mal wö­chent­lich wur­de dem 79-Jäh­ri­gen ein Rheu­ma­und Tu­mor­me­di­ka­ment ein­mal täg­lich ver­ord­net – der Se­ni­or starb auf­grund der Über­do­sie­rung drei Wo­chen spä­ter an ei­ner aku­ten Herz­rhyth­mus­stö­rung.

Die Me­di­zi­ner müs­sen nun zwi­schen 2000 und 6000 Eu­ro an ei­ne ge­mein­nüt­zi­ge Ein­rich­tung zah­len. Das ist we­ni­ger, als die Staats­an­walt­schaft Hil­des­heim ur­sprüng­lich be­an­tragt hat­te. Die An­kla­ge hat­te ge­gen die vier Ärz­te Straf­be­feh­le mit Geld­stra­fen zwi­schen 9000 und 13 500 Eu­ro ver­hängt. Weil die Me­di­zi­ner die­se Stra­fen nicht zah­len woll­ten, kam es am Di­ens­tag zu dem Haupt­ver­fah­ren im Ge­richt.

Feh­ler fiel nicht auf

Ei­ner 36 Jah­re al­ten Sta­ti­ons­ärz­tin im Kli­ni­kum Lehr­te wur­de vor­ge­wor­fen, auf dem Ent­las­sungs­schein das Me­di­ka­ment Met­hot­rex­at zu hoch do­siert zu ha­ben. Es wird un­ter an­de­rem bei Rheu­ma und Tu­mor­er­kran­kun­gen ein­ge­setzt. Statt ein­mal in der Wo­che soll­te der Mann ein­mal am Tag ei­ne Ta­blet­te ein­neh­men. Ein Ober­arzt zeich­ne­te den Schein ge­gen, er war des­halb eben­falls ver­ant­wort­lich.

Da­nach wur­de der schwer kran­ke Pa­ti­ent, der un­ter an­de­rem un­ter De­menz litt, En­de Ok­to­ber 2013 von der Kli­nik Lehr­te ins Kli­ni­kum Wah­ren­dorff ver­legt. In dem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus fiel der Ver­ord­nungs­Feh­ler we­der dem Ober­arzt noch der auf­neh­men­den Ärz­tin auf. Auch sie stan­den des­halb vor Ge­richt. Über von ih­ren Rechts­an­wäl­ten ver­le­se­nen Er­klä­run­gen be­dau­er­ten die Me­di­zi­ner den Vor­fall und er­klär­ten, wie es zu dem Feh­ler ge­kom­men war.

Der Lei­ter des Gif­t­in­for­ma­ti­ons­zen­trums Nord an der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen, To­xi­ko­lo­ge Mar­tin Eb­be­cke, sag­te als Gut­ach­ter, ei­ne fal­sche Do­sie­rung von Met­hot­rex­at sei „kei­ne ex­trem sel­te­ne An­ge­le­gen­heit“. Ge­ra­de in der Ar­beit der In­ne­ren Me­di­zin kom­me es zu Zeit­druck und Stress. Staats­an­wäl­tin Ga­b­rie­le Ste­phan be­ton­te aber, dass der stres­si­ge All­tag der Ärz­te kei­ne Ent­schul­di­gung für Feh­ler sei.

Rich­ter Ro­bert Glaß sag­te, je­der der vier Ärz­te ha­be Ver­ant­wor­tung zu tra­gen. Po­si­tiv sei aber, dass bei­de Kli­ni­ken ihr Sys­tem zur Me­di­ka­men­ten­ver­ord­nung über­ar­bei­tet hät­ten, um ei­ne Wie­der­ho­lung ei­nes sol­chen Fal­les zu ver­mei­den.

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