Kri­tik an ge­plan­ter Pkw-Maut reißt nicht ab

Städ­te­tag zwei­felt an Er­trä­gen – Wi­der­stand auch bei EU-Nach­barn

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft -

Der Streit um die Pk­wMaut geht wei­ter. Skep­sis herrscht nach wie vor bei den zu er­war­ten­den Ein­nah­men. Zu­gleich for­miert sich in Brüs­sel der in­ter­na­tio­na­le Wi­der­stand ge­gen die Plä­ne.

Von Me­la­nie Hei­ke Schmidt und Beate Ten­fel­de

Die Kri­tik an den Plä­nen zur Ein­füh­rung ei­ner deut­schen Pkw-Maut reißt nicht ab. So hält der Deut­sche Städ­te­tag den fi­nan­zi­el­len Er­trag aus der Pkw-Maut für zu ge­ring. „Der An­satz, die Mit­tel für die Ver­kehrs­in­fra­struk­tur zu er­hö­hen, ist rich­tig. Auf­wand und Er­trag bei der Pkw-Maut pas­sen je­doch wei­ter­hin nicht zu­sam­men“, sag­te Haupt­ge­schäfts­füh­rer Hel­mut De­dy un­se­rer Re­dak­ti­on mit Blick auf die Er­ör­te­rung der Maut­plä­ne an die­sem Mitt­woch im Bun­des­ka­bi­nett. Ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt (CSU) rech­net bei der Pk­wMaut mit Ein­nah­men von jähr­lich 524 Mil­lio­nen Eu­ro.

„Vor­ran­gig soll­te die Lk­wMaut aus­ge­wei­tet wer­den, nicht nur auf Bun­des­stra­ßen, son­dern auf al­le Stra­ßen“, for­der­te De­dy. Da­mit kön­ne ver­mie­den wer­den, dass vie­le Men­schen in den Städ­ten durch Lkw be­las­tet wür­den, die von den Maut­stre­cken auf in­ner­städ­ti­sche Stra­ßen aus­wei­chen.

Vor­dring­li­ches Ziel müs­se es au­ßer­dem blei­ben, die Fi­nan­zie­rung der Ver­kehrs­in­fra­struk­tur in Deutsch­land nach­hal­tig zu ga­ran­tie­ren, er­klär­te der Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Städ­te­tags. Da­zu kön­ne ei­ne flä­chen­de­cken­de Lkw-Maut bei­tra­gen, die in Zu­kunft auch für Fern­bus­se gel­ten soll­te: „Al­lein im Be­reich der kom­mu­na­len Ver­kehrs­in­fra­struk­tur liegt der Sa­nie­rungs­be­darf bei rund 35 Mil­li­ar­den Eu­ro.“

Auch auf in­ter­na­tio­na­ler Ebe­ne for­miert sich Wi­der­stand ge­gen die deut­sche Pkw-Maut, gleich meh­re­re EU-Nach­barn er­wä­gen Kla­gen beim Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof. Laut Micha­el Cra­mer (Grü­ne), Vor­sit­zen­der des EU-Ver­kehrs­aus­schus­ses, trägt an dem Streit vor al­lem der deut­sche Ver­kehrs­mi­nis­ter die Schuld. Cra­mer sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on: „Der Streit war pro­gram­miert. Do­brindt ging es bei sei­nen Maut-Plä­nen nie um ei­ne fai­re Fi­nan­zie­rung der deut­schen In­fra­struk­tur, son­dern vor al­lem um das Schü­ren aus­län­der­feind­li­cher Res­sen­ti­ments.“

Der Mi­nis­ter ha­be bei den Plä­nen of­fen­bar vor al­lem sein Hei­mat­bun­des­land Bay­ern im Blick ge­habt, in dem im­mer wie­der Stim­men ge­gen die ös­ter­rei­chi­schen „Pi­ckerl“laut wür­den. „Weil sich die Bay­ern über die ös­ter­rei­chi­sche Maut är­gern, soll­te es im Ge­gen­zug ei­ne deut­sche Maut ge­ben, die nur Aus­län­der, aber nicht die Deut­schen trifft. Das ist dis­kri­mi­nie­rend, un­so­zi­al und an­ti-eu­ro­pä­isch“, kri­ti­siert Cra­mer.

Soll­te die von Deutsch­land ge­plan­te Pkw-Maut ein­ge­führt wer­den, könn­te sie aus Sicht der Bot­schaf­te­rin der Nie­der­lan­de in Berlin, Mo­ni­que van Daa­len, zu ei­ner un­ge­woll­ten Bar­rie­re im deutsch-nie­der­län­di­schen Grenz­ge­biet füh­ren. In ei­nem Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on sag­te van Daa­len: „Wir er­war­ten Pro­ble­me im Grenz­ge­biet, zum Bei­spiel, dass der Be­such von Freun­den oder Fa­mi­lie durch die Maut zu­sätz­li­ches Geld kos­tet.“Glei­ches gäl­te für das Ein­kau­fen im Grenz­ge­biet, so die Bot­schaf­te­rin.

Das Ver­hält­nis der Nach­bar­staa­ten sei trotz des Streits um die Maut sehr gut, be­ton­te Bot­schaf­te­rin van Daa­len: „Deutsch­land und die Nie­der­lan­de ha­ben aus­ge­zeich­ne­te Be­zie­hun­gen. Die Ver­kehrs­mi­nis­ter Schultz und Do­brindt ha­ben ein gu­tes Ver­hält­nis und re­gel­mä­ßi­gen Kon­takt. Be­züg­lich der Maut ha­ben sie un­ter­schied­li­che An­sich­ten.“Die Nie­der­lan­de sei­en ge­gen ei­ne Maut in Deutsch­land, weil die­se „ein Hin­der­nis für den frei­en Ver­kehr von Gü­tern und Men­schen“dar­stel­le, er­klär­te van Daa­len.

An die­sem Mitt­woch tref­fen sich in Brüs­sel Ver­tre­ter meh­re­rer An­rai­ner­staa­ten Deutsch­lands, die die Pk­wMaut ver­hin­dern wol­len.

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