Wälzt Trumps TPP-Ab­sa­ge Welt­han­del um?

Chi­na plant längst ei­ge­ne Ab­kom­men

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft -

USPrä­si­dent Do­nald Trump kün­digt mit dem transpa­zi­fi­schen Ab­kom­men TPP das ers­te gro­ße Frei­han­dels­pro­jekt auf. Aber schnei­den sich die USA da­mit nicht ins ei­ge­ne Fleisch? Und wer füllt die Lü­cke, die Washington rei­ßen wird? Ein Über­blick:

Wel­che Zie­le ha­ben TPP und an­de­re Frei­han­dels­ab­kom­men? Die Grund­idee ist, dass die teil­neh­men­den Staa­ten die Vor­tei­le aus in­ter­na­tio­na­ler Spe­zia­li­sie­rung bes­ser nut­zen kön­nen. Dies soll et­wa über die Ab­sen­kung oder Ab­schaf­fung von Zöl­len („ta­ri­fä­re Hemm­nis­se“) im Han­del und ge­gen­sei­ti­ge An­er­ken­nung tech­ni­scher („nicht­ta­ri­fä­rer“) Stan­dards ge­lin­gen, die sonst teu­re Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren er­for­dern.

Was be­deu­tet das TPPAus­schei­den der USA? Vor al­lem Chi­na dürf­te sich ins Fäust­chen la­chen. Das Land gilt mit­tel­fris­tig oh­ne­hin als Nach­fol­ger des „He­ge­mons“USA, der seit En­de des Zwei­ten Welt­kriegs die Welt­wirt­schafts­ord­nung do­mi­niert. Lan­ge ge­fa­ckelt hat Pe­king nach Trumps An­kün­di­gung auch nicht: Chi­na kün­dig­te an, dass man die Ver­hand­lun­gen für ein ei­ge­nes Ab­kom­men nun schnell vor­an­brin­ge. Aus­tra­li­en brach­te ein Sze­na­rio ins Spiel, bei dem Chi­na die USA in TPP er­set­zen könn­te.

Ist ein Han­dels­krieg zwi­schen Chi­na und den USA denk­bar? Aus­zu­schlie­ßen ist das nicht. Oft re­agie­ren Staa­ten auf das Ver­hän­gen ho­her Zöl­le mit ei­ge­nen Stra­f­abga­ben oder in­dem sie ei­ge­ne Ex­por­te über ei­nen nied­ri­gen Wech­sel­kurs künst­lich för­dern. Ei­ne Ab­wärts­spi­ra­le im­mer neu­er Sank­tio­nen kann fol­gen.

Wel­che Fol­gen könn­te ein TPP-Aus für die glo­ba­le Wirt­schaft ha­ben? Man­cher glaubt, dass Trump sich selbst scha­det. „Der Er­folg wird maß­geb­lich au­ßer­halb der USA be­stimmt, und zwar in Chi­na und Eu­ro­pa“, sagt Hen­ning Vö­pel, Di­rek­tor des Ham­bur­gi­schen Welt­wirt­schafts­in­sti­tuts. Ab­schot­tung in ei­ner ver­netz­ten, ar­beits­tei­li­gen Welt funk­tio­nie­re zur ver­meint­li­chen Stär­kung der ei­ge­nen Wirt­schaft nicht mehr.

Was plant Pe­king nun? Ne­ben den USA und Ja­pan soll­ten TPP auch Aus­tra­li­en, Bru­nei, Ka­na­da, Chi­le, Me­xi­ko, Neu­see­land, Pe­ru, Ma­lay­sia, Singapur und Viet­nam an­ge­hö­ren – nicht je­doch Chi­na. Da­mit soll­te auch er­reicht wer­den, dass die mit Ab­stand größ­te Volks­wirt­schaft Asi­ens nicht noch mehr Ein­fluss auf ih­re Nach­barn ge­winnt. Doch Pe­king hat längst ei­ge­ne Plä­ne. Das so­ge­nann­te FTAAPF­rei­han­dels­ab­kom­men et­wa sä­he ei­nen Bund von 21 Län­dern vor – oh­ne die USA. Da­ne­ben dis­ku­tiert Pe­king un­ter an­de­rem ein Kon­strukt na­mens RCEP, das auch oh­ne die Ver­ei­nig­ten Staa­ten aus­kä­me, da­für je­doch aus den zehn Län­dern Süd­ost­asi­ens so­wie Chi­na, Ja­pan, In­di­en, Süd­ko­rea, Aus­tra­li­en und Neu­see­land be­ste­hen wür­de.

Was geht durch ein TPP oh­ne die USA ver­lo­ren? Der ur­sprüng­li­che Plan für die rie­si­ge Frei­han­dels­zo­ne rund um den Pa­zi­fik war ehr­gei­zig: TPP, bis­her nur von Ja­pan ra­ti­fi­ziert, soll­te 40 Pro­zent der glo­ba­len Wirt­schafts­leis­tung ab­de­cken. Die USA hät­ten da­bei rund 60 Pro­zent der Leis­tung al­ler Un­ter­zeich­ner aus­ge­macht. Ge­lingt es Chi­na oder an­de­ren, die­se Lü­cke zum Teil zu fül­len, könn­te sich Ame­ri­kas Iso­la­ti­on ver­stär­ken.

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