Wer darf im Rat­haus ein­stel­len?

CDU kri­ti­siert Er­wei­te­rung der Be­fug­nis­se für den Bür­ger­meis­ter

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Region -

„Heim­lich, still und lei­se“, so kri­ti­siert die CDUS­tadt­rats­frak­ti­on, ha­be die Stadt Bram­sche die Ein­stel­lungs­be­fug­nis­se des Bür­ger­meis­ters er­wei­tert. Die Stadt­ver­wal­tung spricht von ei­nem ganz nor­ma­len Vor­gang, der auch dem Wett­be­werb um die bes­ten Köp­fe auch im Rat­haus Rech­nung trägt.

Von Hei­ner Bein­ke

BRAM­SCHE. Bür­ger­meis­ter Hei­ner Pahl­mann be­stä­tigt, dass der Ver­wal­tungs­aus­schuss, der grund­sätz­lich öf­fent­lich tagt, in ei­ner sei­ner letz­ten Sit­zun­gen die dies­be­züg­li­che Re­ge­lung ge­än­dert hat. „Das war in der letz­ten Wahl­pe­ri­ode durch die neue Mehr­heit ge­än­dert wor­den, jetzt ha­ben wir die al­te Re­ge­lung von vor­her wie­der ein­ge­führt.“Jetzt darf der Bür­ger­meis­ter bis Ent­gelt­stu­fe 11 al­lein ent­schei­den. Vor­her war es nur bis Ent­gelt­stu­fe 8.

Nach die­ser „An­he­bung um meh­re­re Ent­gelt­grup­pen“kön­ne der Bür­ger­meis­ter „zu­künf­tig bei fast al­len Per­so­nal­ent­schei­dun­gen al­lein ent­schei­den“, heißt es in ei­ner Pres­se­mit­tei­lung der CDU-Stadt­rats­frak­ti­on. Selbst bei der Ein­stel­lung ei­nes Wirt­schafts­för­de­rers müss­te nicht der Ver­wal­tungs­aus­schuss be­fragt wer­den, wird dort ein Bei­spiel ge­ge­ben.

„Es geht dar­um, schnell auf dem Markt re­agie­ren zu kön­nen“, ver­weist Hei­ner Pahl­mann auf den im­mer här­ter wer­den­den Wett­be­werb um das Per­so­nal auch zwi­schen den Kom­mu­nen. Ins­be­son­de­re im tech­ni­schen Be­reich sei es „gar nicht so leicht, Nach­wuchs zu be­kom­men“. Wenn es dann er­for­der­lich

sei, nicht nur den Per­so­nal­rat, son­dern auch noch den Ver­wal­tungs­aus­schuss zu be­fra­gen, kön­ne zu viel Zeit ver­ge­hen.

„Wenn es sein muss, ma­chen wir ei­ne Son­der­sit­zung. Im Hin­blick auf not­wen­di­ge Fris­ten durch die Be­tei­li­gung des Per­so­nal­ra­tes ist das kein Pro­blem“, hält der CDUFrak­ti­ons­vor­sit­zen­de Andre­as Qu­eb­be­mann da­ge­gen. Er ver­weist dar­auf, dass es in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren in den be­tref­fen­den Ent­gelt­grup­pen 22 Vor­la­gen ge­ge­ben ha­be. Da müs­se Po­li­tik

„mit­be­stim­men und an der ei­nen oder an­de­ren Stel­le kri­tisch hin­ter­fra­gen“dür­fen. „Letzt­lich ist nach­weis­lich kei­ne Ein­stel­lung an der ge­setz­li­chen Gre­mi­en­be­tei­li­gung ge­schei­tert.“

„Gang und gä­be“

Der Ers­te Stadt­rat Ul­rich Wil­lems weist dar­auf hin, dass die Über­tra­gung der Ein­stel­lungs­be­fug­nis auf den Bür­ger­meis­ter in den Kom­mu­nen „gang und gä­be“sei. Dass die­se Ent­schei­dung im nicht öf­fent­lich ta­gen­den Ver­wal­tungs­aus­schuss (VA)

ge­fal­len sei, sieht der Ver­wal­tungs­fach­mann als „tech­ni­schen Vor­gang“, der mit den Or­gan­kom­pe­ten­zen zu­sam­men­hän­ge. Die Be­tei­li­gung sei „aus­schließ­li­che Be­fug­nis“des VA und kön­ne da­her auch nur von dem ver­än­dert wer­den.

In der Sa­che kann Wil­lems die Auf­re­gung oh­ne­hin nicht ver­ste­hen: So be­sit­ze der VA schließ­lich kein ei­ge­nes Vor­schlags­recht, das lie­ge im­mer al­lei­ne beim Bür­ger­meis­ter. Da dem Bür­ger­meis­ter als Ver­wal­tungs­ober­haupt oh­ne­hin die Ge­schäfts­ver­tei­lung

ob­lie­ge, sei es auch nur lo­gisch, dass der weit­ge­hend die Per­so­nal­ver­ant­wor­tung ha­be.

Oh­ne die FDP beim Na­men zu nen­nen, kri­ti­siert die CDU in ih­rer Pres­se­mit­tei­lung we­ni­ger die „Bür­ger­meis­ter­par­tei“SPD, als viel­mehr Frak­tio­nen, die ih­re frü­he­re Po­si­ti­on als Teil der Neu­en Mehr­heit „ins Ge­gen­teil ver­kehrt“hät­ten. In der letz­ten Wahl­pe­ri­ode war die FDP al­ler­dings nicht im VA nicht ver­tre­ten, jetzt sitzt dort für die Li­be­ra­len das frü­he­re CDUMit­glied Jür­gen Kie­se­kamp.

Der Weg zum Ar­beits­platz im Rat­haus führt wie­der in den meis­ten Fäl­len di­rekt über den Bür­ger­meis­ter. Die Kom­pe­ten­zen des Ver­wal­tungs­aus­schus­ses wur­den im Ver­gleich zur vor­he­ri­gen Wahl­pe­ri­ode be­schränkt. Foto: Hei­ner Bein­ke

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