Brü­der­paar muss für meh­re­re Jah­re ins Ge­fäng­nis

Sch­wa­ger aus Ra­che ver­prü­gelt und se­xu­ell miss­braucht – Schwes­ter wird schrei­end aus dem Ge­richts­ge­bäu­de ge­führt

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Zu Frei­heits­stra­fen von fünf­ein­halb be­zie­hungs­wei­se vier Jah­ren hat die Schwur­ge­richts­kam­mer des Land­ge­richts Os­na­brück ein sy­ri­sches Brü­der­paar ver­ur­teilt. Die Män­ner hat­ten ih­ren Sch­wa­ger ver­prü­gelt und mas­siv se­xu­ell miss­braucht.

We­gen der Ver­ge­wal­ti­gung ih­rer Schwes­ter, mit der er nach is­la­mi­schen Recht ver­hei­ra­tet war, hat­ten die 35 und 32 Jah­re al­ten Män­ner den Sch­wa­ger am 2. Mai des ver­gan­ge­nen Jah­res in des­sen Woh­nung in der Na­tru­per Stra­ße zur Re­de ge­stellt. Kurz zu­vor hat­ten die An­ge­klag­ten te­le­fo­nisch von der Schwan­ger­schaft der Schwes­ter er­fah­ren – und da­von, dass ihr Ehe­mann sie da­zu zwin­gen wol­le, das Kind ab­zu­trei­ben. An­sons­ten wer­de er Nackt­auf­nah­men der Frau im In­ter­net ver­öf­fent­li­chen und da­mit die Fa­mi­li­en­eh­re be­schmut­zen.

Die­se Vor­ge­schich­te stand am En­de ei­nes zu gro­ßen Tei­len un­ter Aus­schluss der Öf­fent­lich­keit ge­führ­ten Pro­zes­ses zur Über­zeu­gung des Ge­richts fest.

Zur Re­de ge­stellt, ha­be der Sch­wa­ger so­fort auf­brau­send re­agiert. „Er be­stritt, der Va­ter des Kin­des zu sein, und be­zeich­ne­te die Frau als Hu­re“, fass­te der Vor­sit­zen­de in sei­nem Ur­teil die Er­kennt­nis­se der Be­weis­auf­nah­me zu­sam­men. Es sei zu ei­nem Ger­an­gel ge­kom­men, in des­sen Fol­ge der Sch­wa­ger mit ei­ner Sche­re und ei­nem Holz­stock auf den 32-Jäh­ri­gen los­ge­gan­gen sei. Die­ser ha­be ihm die Ge­gen­stän­de al­ler­dings schnell ab­neh­men kön­nen.

Mit Faust­schlä­gen und durch Stö­ße ha­be der 32-Jäh­ri­ge sei­nen Sch­wa­ger dar­auf­hin sei­ner­seits im Flur­be­reich der Woh­nung zu Bo­den ge­wor­fen und sich dort auf ihn ge­setzt. Ge­mein­sam hät­ten sich die bei­den An­ge­klag­ten dann da­zu ent­schlos­sen, ih­ren Ver­wand­ten se­xu­ell zu de­mü­ti­gen und die Vor­gän­ge mit ei­ner Han­dy­ka­me­ra auf­zu­neh­men – als Druck­mit­tel, um den Mann zur Her­aus­ga­be der Nackt­auf­nah­men ih­rer Schwes­ter zu brin­gen.

Zei­chen der Schan­de

Da­zu hät­ten sie dem Mann im vor­de­ren Be­reich des Kop­fes die Haa­re ab­ge­schnit­ten, was in ih­rer Hei­mat als Zei­chen der Schan­de gilt. An­schlie­ßend hät­ten sie ih­rem Op­fer die Ho­se her­un­ter­ge­zo­gen, und es sei zu der schwe­ren se­xu­el­len De­mü­ti­gung ge­kom­men. Wäh­rend des Ge­sche­hens hät­ten die bei­den Män­ner ih­ren Sch­wa­ger au­ßer­dem da­zu ge­zwun­gen, ih­re Schu­he zu küs­sen. Der jün­ge­re der bei­den Brü­der ha­be dem Mann zu­sätz­lich mit ei­nem Ba­de­lat­schen ins Ge­sicht ge­schla­gen.

Als der 32-Jäh­ri­ge das Mar­tins­horn der Po­li­zei hör­te, die be­un­ru­hig­te Nach­barn alar­miert hat­ten, schlug er der Schil­de­rung der Rich­ter zu­fol­ge mit dem Holz­stock noch min­des­tens zwei­mal ge­gen den Kopf des Sch­wa­gers. Den Stock leg­te der Mann dem­nach erst zur Seite, als die Po­li­zei ge­walt­sam in die Woh­nung ein­drang.

„Der Vor­wurf des ver­such­ten Tö­tungs­de­likts konn­te nicht fest­ge­stellt wer­den“, be­ton­te der Vor­sit­zen­de mit Blick auf den ur­sprüng­li­chen An­kla­ge­vor­wurf. Da­für wä­ren le­dig­lich die bei­den Stock­schlä­ge in­fra­ge ge­kom­men. Doch über de­ren In­ten­si­tät konn­te das Ge­richt auch auf dem Han­dy­vi­deo, das als wich­tigs­tes Be­weis­ma­te­ri­al dien­te, kei­ne be­last­ba­re Aus­sa­ge tref­fen. We­gen sei­ner Ver­let­zun­gen am Kopf hat­te der Mann sta­tio­när im Kran­ken­haus be­han­delt wer­den müs­sen.

Der 35-Jäh­ri­ge ha­be sich ei­ner schwe­ren Ver­ge­wal­ti­gung schul­dig ge­macht, bi­lan­zier­te das Ge­richt. Sei­nen Bru­der, der da­zu kei­nen ak­ti­ven Bei­trag ge­leis­tet ha­be, ver­ur­teil­ten die Rich­ter we­gen schwe­rer se­xu­el­ler Nö­ti­gung. Bei­de An­ge­klag­te sei­en zu­dem tat­ein­heit­lich der ge­fähr­li­chen Kör­per­ver­let­zung und der ver­such­ten Nö­ti­gung schul­dig.

Schmer­zens­geld ge­zahlt

Als straf­mil­dernd wer­te­te das Ge­richt, dass die An­ge­klag­ten sich aus der Haft her­aus um Ver­söh­nung mit ih­rem Sch­wa­ger be­müht und sich mit ihm auf ei­ne Geld­zah­lung von 8000 Eu­ro ge­ei­nigt hat­ten. „Das stellt bei wer­ten­der Be­trach­tung ei­ne Schmer­zens­geld­zah­lung in an­ge­mes­se­ner Hö­he dar“, so der Vor­sit­zen­de. Der Sch­wa­ger trat wäh­rend des Pro­zes­ses nicht in Er­schei­nung. Er hält sich ver­mut­lich in der Tür­kei auf.

Dem 32-Jäh­ri­gen kam noch ein wei­te­rer Straf­mil­de­rungs­grund zu­gu­te: Auf­grund ei­ner aku­ten Krank­heits­epi­so­de des an ei­ner Schi­zo­phre­nie er­krank­ten Man­nes gin­gen die Rich­ter von „ei­ner er­heb­lich ver­min­der­ten Schuld­fä­hig­keit“aus. Mit der Be­grün­dung der Flucht­ge­fahr hielt das Ge­richt die Haft­be­feh­le ge­gen die bei­den Män­ner auf­recht.

Un­mit­tel­bar vor der Ver­kün­dung des Ur­teils er­litt die Schwes­ter der bei­den An­ge­klag­ten, die im Zu­schau­er­raum ge­ses­sen hat­te, ei­nen hys­te­ri­schen An­fall und wur­de von An­ge­hö­ri­gen aus dem Raum ge­führt. Nach dem En­de der Sit­zung warf sich die Frau vor dem Ge­richts­saal laut schrei­end zu Bo­den. Da die Frau sich nicht be­ru­hig­te, muss­ten Jus­tiz­wacht­meis­ter sie schließ­lich aus dem Ge­bäu­de füh­ren.

Das Ur­teil ist noch nicht rechts­kräf­tig.

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