Si­zi­li­ens Stim­me der Hoff­nung

Song­wri­ter Pip­po Pol­li­na mit ak­tu­el­lem Al­bum auf Tour

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional -

Von Mar­cus Ta­cken­berg

OS­NA­BRÜCK. Es ist nicht ein­fach nur das 19. Al­bum, dass Pip­po Pol­li­na in sei­ner mehr als 30-jäh­ri­gen So­loKar­rie­re ver­öf­fent­licht. „Il so­le che ver­rà“setzt ein deut­li­ches Aus­ru­fe­zei­chen in ei­ner Zeit der Un­si­cher­heit – der si­zi­lia­ni­sche Song­wri­ter avan­ciert zum Phi­lo­so­phen, der uns Hoff­nung ge­ben will.

„Geh los! Am En­de des Tun­nels wirst du sie se­hen, die Stra­ße, die zum Meer führt. Geh schon! Nichts ist ver­geb­lich“, for­dert Pol­li­na sei­ne Zu­hö­rer im Re­frain von „A ma­ni bas­se“auf. Die Zei­len sind sym­pto­ma­tisch für sein ak­tu­el­les Werk, für das sich der in Pa­ler­mo auf­ge­wach­se­ne, aber seit mehr als zwei Jahr­zehn­ten in der Schweiz le­ben­de Can­t­au­to­re drei Jah­re Zeit ge­las­sen und so­gar ei­ne künst­le­ri­sche Pau­se ein­ge­legt hat.

„Ich ha­be in je­de Zei­le, in je­des Wort viel Zeit in­ves­tiert“, be­stä­tigt der 53-Jäh­ri­ge im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on. „Ein Text muss nicht im­mer gleich al­les of­fen­ba­ren, son­dern soll­te vie­le un­ge­ahn­te Räu­me be­reit­hal­ten, in de­nen nach und nach durch das mehr­ma­li­ge Le­sen und Hö­ren die Fens­ter auf­ge­hen.“

In sei­ner selbst ver­ord­ne­ten Aus­zeit ha­be er viel nach­ge­dacht – über sich selbst, die Zeit, das Le­ben und die Welt, sagt Pol­li­na. „Ich ha­be im Mo­ment kein gu­tes Ge­fühl“, gibt der Song­wri­ter zu. „Wir er­le­ben bru­ta­le Krie­ge, aber auch im­mer mehr sub­ti­le Kon­flik­te zwi­schen Arm und Reich, Dop­pel­mo­ral hier, Po­pu­lis­ten und Dik­ta­to­ren dort, ver­zwei­fel­te Mi­gran­ten und ein Mit­tel­meer, das zu ei­nem rie­si­gen Fried­hof ge­wor­den ist. Über al­lem thront der Pro­fit, das Geld, die Wirt­schaft.“

Was al­so tun? „In Zei­ten wie die­sen, in de­nen Re­li­gi­on und Po­li­tik kei­nen Halt mehr ge­ben, muss die Kunst wie­der Ver­ant­wor­tung über­neh­men, ei­ne wer­te­be­ton­te Ge­gen­be­we­gung bil­den, die uns Hoff­nung gibt“, sagt Pol­li­na. „Je­der kann und soll­te sich en­ga­gie­ren.“Geh los! Nichts ist ver­geb­lich!

Mu­si­ka­li­sche Gäs­te auf CD

Um sei­nem text­li­chen Tief­gang et­was mu­si­ka­lisch ähn­lich Sub­stan­zi­el­les ent­ge­gen­zu­set­zen, hat Pip­po Pol­li­na je­de Men­ge her­vor­ra­gen­de Mu­si­ker und Gäs­te für sein neu­es Al­bum ein­ge­spannt. Da­bei ver­zau­bern vor al­lem drei hüb­sche Da­men: die auch bei uns nicht un­be­kann­te nor­we­gi­sche Jaz­zSän­ge­rin Re­bek­ka Bak­ken, die bel­gi­sche So­pra­nis­tin Odi­lia Van­der­cruy­see (von der Baye­ri­schen Staats­oper) und die ar­gen­ti­ni­sche Tan­gound Mer­ce­des-So­sa-In­ter­pre­tin Ma­ri­li Macha­do. „Ich selbst bin auch in vie­len Gen­res zu Hau­se“, de­fi­niert Pol­li­na sei­ne akus­tisch ge­präg­te Mu­sik, die er „im Lau­fe der Jah­re ver­fei­nert und mit hand­werk­lich be­gab­ten Mu­si­kern per­fek­tio­niert“ha­be.

Im Zen­trum die­ses Mi­kro­kos­mos steht na­tür­lich der mal kraft­vol­le, mal sanf­te Ge­sang Pol­li­nas, der sich an Gi­tar­re, Kla­vier oder ein­fach nur am Tam­bou­rin be­glei­tet. Der fra­gi­le Song „An­dar­sene d’ es­ta­te“könn­te glatt als Hom­mage an den Stil des le­gen­dä­ren Fa­b­ri­zio De An­dré durch­ge­hen, in „Di­ver­ti­men­to latino“taucht Pol­li­na tief in die Rhyth­mik Süd­ame­ri­kas ein, und „Po­trò mai dir­ti“weckt mit sei­nem klas­si­schen Ge­sang und Chor gar Er­in­ne­run­gen an ita­lie­ni­sche Film­mu­sik à la Mor­ri­co­ne. Der Ti­tel des Al­bums „Il so­le che ver­rà“heißt üb­ri­gens „Die Son­ne, die wie­der­kommt“– ei­ne schö­ne Me­ta­pher für Hoff­nung.

Pip­po Pol­li­na li­ve: 1. Fe­bru­ar, 20 Uhr, Lu­ther­haus, VVK 29 Eu­ro, AK 32 Eu­ro, Kar­ten un­ter 05 41/2 00 18 31

Foto: jazz­h­aus­re­cor­ds

Nach­denk­lich: Pip­po Pol­li­na hat sich mit bri­san­ten The­men der Zeit phi­lo­so­phisch aus­ein­an­der­ge­setzt.

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