De­fi­zi­te im Dia­log zwi­schen Mus­li­men und Ju­den

Theo­lo­gen und Po­li­ti­ker dis­ku­tie­ren im In­sti­tut für Is­la­mi­sche Theo­lo­gie über In­te­gra­ti­on und To­le­ranz

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Noch vor we­ni­gen Jahr­zehn­ten nah­men sich Pro­tes­tan­ten und Ka­tho­li­ken zu­wei­len als grund­ver­schie­den wahr, heu­te rich­tet sich der Arg­wohn oft­mals ge­gen den Is­lam. Mo­de­riert von Ro­man Sin­gen­donk, dis­ku­tier­ten drei Theo­lo­gen und zwei Po­li­ti­ker im In­sti­tut für Is­la­mi­sche Theo­lo­gie über die Rol­le des in­ter­re­li­giö­sen Dia­logs.

Von Rai­ner Lah­mann-Lam­mert

Ex­tre­mis­ten und Fun­da­men­ta­lis­ten ge­be es auf al­len Sei­ten, mein­te der is­la­mi­sche Re­li­gi­ons­wis­sen­schaft­ler Bü­lent Ucar. Das tra­di­tio­nel­le Fröm­mig­keits­mi­lieu schwin­de durch Sä­ku­la­ri­sie­rung und Plu­ra­li­sie­rung, und das sei auch in vie­len mus­li­mi­schen Fa­mi­li­en der Fall. Ucar äu­ßer­te die Über­zeu­gung, „dass wir in die­ser Stadt ei­ne Kul­tur des ge­gen­sei­ti­gen Re­spekts ha­ben“. Nach sei­ner Er­fah­rung funk­tio­nie­re der in­ter­re­li­giö­se Dis­kurs mit den gro­ßen christ­li­chen Glau­bens­ge­mein­schaf­ten sehr gut. De­fi­zi­te Is­lam, Ju­den­tum und Chris­ten­tum im Dia­log: An der Po­di­ums­dis­kus­si­on nah­men teil (von links): Bü­lent Ucar, Burk­hard Jas­per, Av­ra­ham Rad­bil, Ro­man Sin­gen­donk, Mar­ti­na Blas­berg-Kuhn­ke und Vol­ker Ba­jus.

ge­be es je­doch beim Dia­log zwi­schen Mus­li­men und Ju­den in Deutsch­land. Er­schwe­rend wir­ke sich da­bei der Nah­ost­kon­flikt aus, ver­merk­te der In­sti­tuts­lei­ter.

Ähn­lich be­wer­te­te Av­ra­ham Rad­bil die Si­tua­ti­on. Der Rab­bi­ner der Jü­di­schen Ge­mein­de Os­na­brück be­rich­te­te,

er wer­de im­mer wie­der auf die is­rae­li­sche Pa­läs­ti­nen­ser­po­li­tik an­ge­spro­chen. Auch er be­kann­te sich zum Dia­log der Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten, be­zeich­ne­te es aber als schwie­rig, „wie wir den Dia­log an ein­fa­che Men­schen brin­gen“. Auf­ga­be der Theo­lo­gen sei es, den Leu­ten

die Ängs­te zu neh­men und auf Ge­mein­sam­kei­ten hin­zu­wei­sen.

Sich ge­gen­sei­tig zu be­su­chen, Fes­te zu fei­ern und ge­mein­sam zu es­sen – das sei der bes­te Weg, um mit­ein­an­der um­zu­ge­hen, mein­te die ka­tho­li­sche Theo­lo­gin Mar­ti­na Blas­berg-Kuhn­ke. Wich­tig

sei aber auch, schon mit Kin­dern zu the­ma­ti­sie­ren, „dass an­de­re in ih­rer An­ders­ar­tig­keit blei­ben kön­nen“. Die Pro­fes­so­rin wand­te sich zu­gleich ge­gen po­pu­lis­ti­sche Tö­ne in der ge­sell­schaft­li­chen Dis­kus­si­on. Schlich­tes Den­ken, An­fein­dun­gen und die Si­tua­ti­on in der Tür­kei

könn­ten kein Maß­stab für die wis­sen­schaft­li­che Ar­beit sein: „Wir sind hier an der Uni­ver­si­tät, nicht am Stamm­tisch!“, ver­merk­te sie.

Die Po­li­tik kön­ne nur die Rah­men­be­din­gun­gen schaf­fen, aber nicht ei­nen in­ter­re­li­giö­sen Dia­log ver­ord­nen, er­klär­te der CDU-Rats­herr und Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Burk­hard Jas­per. Der von sei­ner Par­tei an­ge­sto­ße­ne Is­lam­ver­trag wer­de wohl erst nach der Land­tags­wahl 2018 wei­ter­ver­folgt, weil sich mo­men­tan kein gu­tes Er­geb­nis er­zie­len las­se. Jas­per mach­te zu­gleich deut­lich: „Wenn In­te­gra­ti­on ge­lingt, heißt das nicht, dass es kei­ne Kon­flik­te gibt.“

Der Is­lam­ver­trag sei kei­ne par­tei­po­li­ti­sche An­ge­le­gen­heit, mein­te der Grü­nen­Rats­herr und Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Vol­ker Ba­jus. Die rot-grü­ne Lan­des­re­gie­rung stre­be da­für ei­ne brei­te po­li­ti­sche Mehr­heit an.

Ba­jus ging auf die Kon­flik­te in­ner­halb der tür­ki­schen Com­mu­ni­ty und auf die Be­spit­ze­lun­gen durch die vom tür­ki­schen Staat ent­sand­ten Ima­me ein. Ge­ra­de in ei­ner so auf­ge­la­de­nen Stim­mung müs­se es Auf­ga­be der Po­li­tik sein, den mus­li­mi­schen Ge­mein­den zu hel­fen, ei­nen auf­ge­klär­ten Is­lam zu le­ben, mein­te er.

Os­na­brück und die Ein­wan­de­rung:, Hin­ter­grün­de und Ana­ly­sen le­sen Sie im In­ter­net auf www.noz.de

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