Fest­nah­men bei Raz­zia ge­gen Rechts­ex­tre­me

An­schlä­ge auf Asyl­be­wer­ber ge­plant? – Auch „Reichs­bür­ger“im Ver­dacht

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

Mu­ni­ti­on und Spreng­stoff hat­ten sie schon – ei­ne rech­te Ter­ror­grup­pe soll At­ten­ta­te auf Ju­den und Asyl­be­wer­ber ge­plant ha­ben. Zwei Män­ner wur­den fest­ge­nom­men.

KARLS­RU­HE/BER­LIN. Bei ei­ner bun­des­wei­ten Raz­zia ge­gen Rechts­ex­tre­mis­ten hat die Bun­des­an­walt­schaft zwei Ver­däch­ti­ge vor­läu­fig fest­neh­men las­sen. Dar­un­ter ist nach In­for­ma­tio­nen der Deut­schen Pres­se-Agen­tur ein 62 Jah­re al­ter Haupt­ver­däch­ti­ger aus Sch­wet­zin­gen na­he Hei­del­berg. Er soll der Be­we­gung der „Reichs­bür­ger“na­he­ste­hen. Die An­kla­ge­be­hör­de prüft ge­gen ihn und ei­nen wei­te­ren Mann Haft­be­feh­le we­gen Grün­dung ei­ner rechts­ex­tre­men Ter­ror­ver­ei­ni­gung.

Die Grup­pe soll An­schlä­ge auf Ju­den, Asyl­be­wer­ber und Po­li­zis­ten in Deutsch­land ge­plant ha­ben. Kon­kre­te An­schlags­plä­ne ge­be es je­doch nicht, teil­ten die Be­hör­den mit. Bei den Raz­zi­en am Mitt­woch wur­den laut Bun­des­an­walt­schaft di­ver­se Waf­fen, ei­ne gro­ße Men­ge an Mu­ni­ti­on so­wie Spreng­mit­tel si­cher­ge­stellt.

„Um was für ei­ne Art Spreng­stoff es sich han­delt, kön­nen wir noch nicht sa­gen“, sag­te die Spre­che­rin der Be­hör­de. Ob es Be­zü­ge der Grup­pe zu der Be­we­gung der „Reichs­bür­ger“gibt, wird noch ge­prüft. Dies müss­ten die wei­te­ren Er­mitt­lun­gen zei­gen. „Ei­ne ge­wis­se ideo­lo­gi­sche Nä­he ist zwei­fels­oh­ne zu er­ken­nen“, so die Spre­che­rin.

Die Bun­des­an­walt­schaft er­mit­telt ins­ge­samt ge­gen sechs Ver­däch­ti­ge im Al­ter zwi­schen 35 und 66 Jah­ren

we­gen Bil­dung ei­ner rech­ten Ter­ror­ver­ei­ni­gung. Ein wei­te­rer Mann soll die Grup­pe un­ter­stützt ha­ben. Die Ver­däch­ti­gen sol­len vor­wie­gend über so­zia­le Me­di­en mit­ein­an­der ver­netzt ge­we­sen sein und seit Früh­jahr 2016 An­grif­fe ge­plant ha­ben.

Si­cher­heits­krei­se be­stä­tig­ten Me­dien­be­rich­te, wo­nach der Haupt­ver­däch­ti­ge sich als „kel­ti­scher Drui­de“be­zeich­net. Un­klar war zu­nächst, ob noch wei­te­re „Reichs­bür­ger“un­ter den Ver­däch­ti­gen sind. So­ge­nann­te

Reichs­bür­ger er­ken­nen die Bun­des­re­pu­blik nicht an. Sie be­haup­ten, das Deut­sche Reich be­ste­he bis heu­te fort. Die Be­we­gung wird bun­des­weit vom Ver­fas­sungs­schutz be­ob­ach­tet. Vie­le Ak­teu­re sind nach Ein­schät­zung der Be­hör­den in der rechts­ex­tre­men Sze­ne ak­tiv.

Die Durch­su­chun­gen hat­ten am Mitt­woch­mor­gen in Woh­nun­gen und wei­te­ren Räu­men in Ba­den-Würt­tem­berg, Ber­lin, Bran­den­burg, Nie­der­sach­sen, Rhein­lan­dP­falz und Sach­sen-An­halt be­gon­nen. An dem Ein­satz wa­ren et­wa 200 Po­li­zei­be­am­te be­tei­ligt. Ziel sei ge­we­sen, wei­te­re Be­weis­mit­tel für das tat­säch­li­che Be­ste­hen ei­ner Ver­ei­ni­gungs­struk­tur so­wie zu mög­li­chen ge­plan­ten Straf­ta­ten zu gewinnen.

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) be­ton­te die Wich­tig­keit des Kamp­fes ge­gen Ver­fas­sungs­fein­de. Et­wai­ger ent­ste­hen­der Rechts­ter­ro­ris­mus wer­de von den Si­cher­heits­be­hör­den im Keim er­stickt. Das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um hält die rech­te „Reichs­bür­ger“Grup­pie­rung für ei­ne erns­te ex­tre­mis­ti­sche Ge­fahr.

Der Ver­fas­sungs­schutz warnt vor wach­sen­den Ge­fah­ren. „Wir rech­nen der­zeit rund 10 000 Per­so­nen der Reichs­bür­ger-Sze­ne zu“, sag­te der Prä­si­dent des Bun­des­am­tes für Ver­fas­sungs­schutz (BfV), Hans-Ge­org Maa­ßen, in Ber­lin. Bei 500 bis 600 Per­so­nen da­von han­de­le es sich um Rechts­ex­tre­mis­ten. Im Ok­to­ber hat­te ein „Reichs­bür­ger“in Ge­or­gens­g­münd bei Nürn­berg ei­nen Po­li­zis­ten er­schos­sen und drei wei­te­re Be­am­te zum Teil schwer ver­letzt. Im­mer wie­der be­ge­hen An­hän­ger der Sze­ne Straf­ta­ten.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.