Fall Am­ri: Kraft un­ter Druck

Gut­ach­ter soll Feh­ler auf­spü­ren – Pan­ne bei LKA?

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

Nord­rhein-West­fa­lens Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Han­ne­lo­re Kraft (SPD) hat im Ter­ror­fall Am­ri Feh­ler ein­ge­räumt und recht­li­che Kon­se­quen­zen ge­for­dert. Zu­gleich kün­dig­te sie am Mitt­woch im Düs­sel­dor­fer Land­tag ei­nen un­ab­hän­gi­gen Son­der­be­auf­trag­ten an, der im März Er­geb­nis­se sei­ner Un­ter­su­chun­gen vor­le­gen soll. Man wer­de „gründ­lich und schnell“auf­klä­ren, wie der An­schlag des is­la­mis­ti­schen Ge­fähr­ders mög­lich wer­den konn­te.

Kraft be­ton­te in Rich­tung Op­po­si­ti­on, die Au­f­ar­bei­tung sol­le „hart in der Sa­che“, aber „ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ter im Ton“er­fol­gen. Der Gie­ße­ner Straf­rechts­pro­fes­sor Bern­hard Kret­sch­mer wer­de mög­li­che Feh­ler der NRWBe­hör­den her­aus­ar­bei­ten. Als „re­gie­rungs­par­tei­un­ab­hän­gi­ger“Son­der­be­auf­trag­ter wer­de er Zu­gang zu al­len Un­ter­la­gen er­hal­ten und „völ­lig aut­ark ar­bei­ten“.

Kraft be­kräf­tig­te: „Es hat im Fall Am­ri Feh­ler ge­ge­ben.“Sei­ne Be­ob­ach­tung hät­te nicht ein­ge­stellt wer­den dür­fen, die Ge­fähr­lich­keit des Man­nes sei vom ge­mein­sa­men Ter­ror­ab­wehr­zen­trum (GTAZ) mit 40 Be­hör­den von Bund und Län­dern un­ter­schätzt wor­den. In­nen­mi­nis­ter Ralf Jä­ger (SPD) un­ter­strich er­neut, die recht­li­chen Mög­lich­kei­ten hät­ten nicht aus­ge­reicht, um den aus­rei­se­pflich­ti­gen Tu­ne­si­er aus dem Ver­kehr zu zie­hen.

Kraft und Jä­ger ver­lang­ten, die Ab­schie­be­haft für

ter­ror­be­rei­te Ge­fähr­der sol­le er­leich­tert wer­den. Die recht­li­chen Hür­den sei­en zu hoch ge­we­sen, um Am­ri in Ab­schie­be­haft zu neh­men. Die Op­po­si­ti­on sprach da­ge­gen von zahl­rei­chen ekla­tan­ten Feh­lern in NRW. CDU, FDP und Pi­ra­ten hiel­ten sich of­fen, ei­nen Un­ter­su­chungs­aus­schuss zu be­an­tra­gen.

Der CDU-Vor­sit­zen­de Ar­min La­schet griff vor al­lem Jä­ger er­neut scharf an. Sei­ne Aus­sa­ge, man sei bei Am­ri bis an die Gren­zen des Rechts­staa­tes ge­gan­gen, sei falsch und wi­der­legt. Auch von Kraft for­der­te er „mehr Trans­pa­renz“. FDP-Vi­ze­frak­ti­ons­chef Joa­chim Stamp ver­lang­te Jä­gers Ab­lö­sung. Die aus­län­der­recht­li­che Fe­der­füh­rung für Am­ri lag in NRW, sei­ne In­haf­tie­rung wä­re mög­lich ge­we­sen, sag­te Stamp.

Am­ri war am 19. De­zem­ber mit ei­nem Lkw auf ei­nen Weih­nachts­markt in Ber­lin ge­rast und hat­te zwölf Men­schen ge­tö­tet. Der Tu­ne­si­er, der 14 Iden­ti­tä­ten nutz­te, hat­te auch in NRW ge­lebt. Der ab­ge­lehn­te Asyl­be­wer­ber war in NRW ge­mel­det, die Be­hör­den dort wa­ren für sei­ne Ab­schie­bung zu­stän­dig.

Feh­ler soll auch das Ber­li­ner Lan­des­kri­mi­nal­amt (LKA) ge­macht ha­ben. Wie „Die Welt“un­ter Be­ru­fung auf Si­cher­heits­krei­se be­rich­tet, hät­ten die Er­mitt­ler die Fahn­dung nach ihm erst acht St­un­den nach ers­ten Hin­wei­sen auf sei­ne Be­tei­li­gung am An­schlag her­aus­ge­ge­ben.

„Es hat im Fall Am­ri Feh­ler ge­ge­ben“Han­ne­lo­re Kraft (SPD), NRW-Mi­nis­ter­prä­si­den­tin

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.