Ga­b­ri­el nennt Mer­kel na­iv

Schar­fe Abrech­nung des Vi­ze­kanz­lers mit der „Che­fin“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Einblicke -

Von Bea­te Ten­fel­de

Ein Ab­gang mit schar­fer Abrech­nung: Der schei­den­de Wirt­schafts­mi­nis­ter und SPD-Chef Sig­mar Ga­b­ri­el geht mit har­ter Kri­tik an Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU). Die CDU-Che­fin ha­be Eu­ro­pa „in ei­ne Sack­gas­se ge­führt“, sagt Ga­b­ri­el in dem „Stern“-In­ter­view, in dem er sei­nen Rück­zug als Kanz­ler­kan­di­dat und Par­tei­chef an­ge­kün­digt hat.

CDU-Ge­ne­ral­se­kre­tär Pe­ter Tau­ber wies die An­grif­fe auf die Eu­ro­pa- und Flücht­lings­po­li­tik Mer­kels zu­rück. „Die ge­mein­sa­men Er­fol­ge schlecht­zu­re­den und Op­po­si­ti­on in der Re­gie­rung zu spie­len – mit die­ser Stra­te­gie ist die SPD schon öf­ter ge­schei­tert. Das soll­te der Noch-Par­tei­chef ei­gent­lich wis­sen“, sag­te Tau­ber un­se­rer Re­dak­ti­on.

Ga­b­ri­el hat­te im „Stern“-In­ter­view er­klärt, nach knapp zwölf Jah­ren Füh­rung durch Mer­kel und ih­ren Fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) sei Eu­ro­pa „so tief ge­spal­ten wie noch nie“. Scharf kri­ti­sier­te der Mi­nis­ter auch die Flücht­lings­po­li­tik der Kanz­le­rin. Es sei „ein­fach na­iv“, bei der un­kon­trol­lier­ten Grenz­öff­nung „kei­nen zu fra­gen, aber hin­ter­her von al­len So­li­da­ri­tät zu ver­lan­gen“.

„Eu­ro­pa ge­spal­ten“

Nach knapp zwölf Jah­ren Füh­rung durch Mer­kel und ih­ren Fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) sei Eu­ro­pa „so tief ge­spal­ten wie noch nie“. Es ste­he vor der „aku­ten Ge­fahr“zu­sam­men­zu­bre­chen, warnt Ga­b­ri­el. Er wirft Mer­kel vor, sich der Ver­ant­wor­tung zu ent­zie­hen. „Ei­nes geht nicht: In die­sen gan­zen zwölf Jah­ren im­mer den An­spruch zu er­he­ben, dass die CDU-Kanz­le­rin auch führt. Und dann die Ver­ant­wor­tung für die Er­geb­nis­se ab­leh­nen.“

Nach An­sicht der NochPar­tei­chefs steht als Fol­ge von Mer­kels Eu­ro­pa-Po­li­tik „die Auf­bau­ar­beit von zwei Ge­ne­ra­tio­nen nach dem Zwei­ten Welt­krieg vor der er­neu­ten Zer­stö­rung“. Die Ar­beits­lo­sig­keit, vor al­lem un­ter jun­gen Leu­ten, sei ge­wach­sen. Ga­b­ri­el hält der Kanz­le­rin fer­ner vor: „Der Spar­zwang treibt die Men­schen den rechts­ra­di­ka­len Par­tei­en zu – gleich­zei­tig er­hal­ten die Ban­ken Mil­li­ar­den­be­trä­ge.“Zur Öff­nung der Gren­zen meint der 57-Jäh­ri­ge: „Nie­mals“hät­ten an­de­re Kanz­ler sol­che Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen, „oh­ne we­nigs­tens ein­mal mit un­se­ren Nach­barn zu spre­chen“. Es sei „ein­fach na­iv“, bei der un­kon­trol­lier­ten Grenz­öff­nung „kei­nen zu fra­gen, aber hin­ter­her von al­len So­li­da­ri­tät zu ver­lan­gen“. Nun stün­den Mer­kel und Schäu­b­le vor ei­nem „Scher­ben­hau­fen“.

Zum Ein­wand des In­ter­view­ers, wo­nach die SPD doch al­lem zu­ge­stimmt ha­be, be­tont Ga­b­ri­el: „Ei­nes stimmt: Wir Deut­schen ha­ben ei­ne groß­ar­ti­ge hu­ma­ni­tä­re Leis­tung mit der Auf­nah­me von knapp ei­ner Mil­li­on Flücht­lin­gen voll­bracht.“Da­zu stün­den die So­zi­al­de­mo­kra­ten auch. Mer­kel ha­be sich gro­ße Ver­diens­te er­wor­ben, aber die „Nai­vi­tät oder viel­leicht auch der Über­mut“, mit der al­les er­folgt sei, ha­be er „nie für rich­tig er­klärt“.

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