Wo die Fett­näpf­chen lau­ern

Ga­b­ri­els Au­ßen­po­li­tik zeig­te bis­lang vie­le Ecken und Kan­ten

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Einblicke -

Von Micha­el Fi­scher

Sig­mar Ga­b­ri­el wirkt nicht so, als wenn er mit dem Amt des Au­ßen­mi­nis­ters nun sei­nen Traum­job ge­fun­den hät­te. Die­se Lö­sung ha­be sich an­ge­bo­ten, weil er nun mal die größ­te in­ter­na­tio­na­le Er­fah­rung in der SPD ha­be, sagt er. . Ga­b­ri­el hat als Wirt­schafts­mi­nis­ter zwar nicht ganz so vie­le Län­der be­reist wie Au­ßen­mi­nis­ter Fran­kWal­ter St­ein­mei­er, aber si­cher mehr als die meis­ten an­de­ren Ka­bi­netts­kol­le­gen. Da­bei ist er in so man­ches Fett­näpf­chen ge­tre­ten – und re­gel­mä­ßig beim Ko­ali­ti­ons­part­ner Uni­on an­ge­eckt. Ei­ni­ge Bei­spie­le für Ga­b­ri­els Au­ßen­po­li­tik mit Ecken und Kan­ten:

Russ­land: In der Uni­on ist Ga­b­ri­el als Russ­land-Freund und Pu­tin-Ver­ste­her ver­schrien. Die Krim-Kri­se hielt ihn nicht da­von ab, den rus­si­schen Prä­si­den­ten zu be­su­chen – zu­letzt im Sep­tem­ber, zu Zei­ten mas­si­ver rus­si­scher Bom­bar­de­ments in Sy­ri­en. Beim Ko­ali­ti­ons­part­ner hat sich Ga­b­ri­el vor al­lem mit sei­ner Sig­mar Ga­b­ri­el

For­de­rung nach ei­ner schritt­wei­sen Auf­he­bung der Sank­tio­nen un­be­liebt ge­macht.

USA: Der Vi­ze­kanz­ler hat sich nach der Amts­ein­füh­rung von US-Prä­si­dent Do­nald Trump so scharf wie kein an­de­res Re­gie­rungs­mit­glied zu des­sen An­tritts­re­de ge­äu­ßert. Er warf Trump „hoch­na­tio­na­lis­ti­sche Tö­ne“vor. „Es feh­len ei­gent­lich nur noch so Be­grif­fe, wie das Par­la­ment als ‚Quas­sel­bu­de‘ zu be­zeich­nen, oder von ‚Sys­tem­par­tei­en‘ zu re­den. Dann sind sie in der po­li­ti­schen Rhe­to­rik der Kon­ser­va­ti­ven und Re­ak­tio­nä­re der 20er-Jah­re des 20. Jahr­hun­derts.“Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel hat da­ge­gen die Li­nie aus­ge­ge­ben, kon­struk­tiv mit Trump um­zu­ge­hen.

Iran: Ga­b­ri­el reis­te im Ju­li 2015 als ers­ter eu­ro­päi­scher Spit­zen­po­li­ti­ker nach der Atom-Ei­ni­gung mit dem Iran nach Te­he­ran, um Deutsch­land im Wett­ren­nen um die bes­ten Wirt­schafts­ver­trä­ge in die Pole­po­si­tion zu brin­gen. Mer­kel, aber auch St­ein­mei­er sa­hen das skep­tisch. In Is­ra­el war man re­gel­recht ver­är­gert. In­zwi­schen ist die deutsch-ira­ni­sche Freund­schaft wie­der ab­ge­kühlt. Ga­b­ri­els zwei­te Rei­se im Ok­to­ber en­de­te mit ei­nem Eklat: Par­la­ments­prä­si­dent Ali La­ri­dscha­ni ließ ihn ab­blit­zen und sag­te ei­nen Ge­sprächs­ter­min mit ihm kurz­fris­tig oh­ne Be­grün­dung ab.

Chi­na: Bei den Chi­na-Rei­sen Ga­b­ri­els ging es nicht nur um wirt­schaft­li­che In­ter­es­sen, son­dern auch um Men­schen­rech­te. Gleich bei sei­ner ers­ten Pe­king-Rei­se 2014 ging er aber di­plo­ma­tisch un­ge­schickt vor. Er kün­dig­te ein Tref­fen mit Men­schen­rechts­ak­ti­vis­ten vor­ab an – und ver­hin­der­te es da­mit. Der Si­cher­heits­dienst wur­de bei sei­nen Ge­sprächs­part­nern vor­stel­lig und ver­bot ih­nen die Teil­nah­me.

Fo­to: dpa

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