Ga­b­ri­els Ab­gang als Hy­po­thek

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Einblicke - Von Burk­hard Ewert b.ewert@noz.de

Am Tag nach Sig­mar Ga­b­ri­els spek­ta­ku­lä­rem Ab­tritt lich­tet sich der Ne­bel. Zu­rück bleibt: ein Noch-Vor­sit­zen­der der SPD, wie man ihn kennt. Aber­mals hat­te er mit sei­ner Ent­schei­dung Klug­heit be­wie­sen, aber auch Un­be­re­chen­bar­keit, ge­paart mit ei­nem Hang zur un­glück­li­chen Ins­ze­nie­rung.

Es fin­det sich fer­ner ei­ne An­ge­la Mer­kel, der ihr künf­ti­ger Au­ßen­mi­nis­ter in der Flücht­lings­po­li­tik Nai­vi­tät

vor­wirft und sie als Ver­ant­wort­li­che für ei­nen eu­ro­päi­schen Scher­ben­hau­fen be­zeich­net. Bei­des mag stim­men, doch hat die SPD in wei­ten Tei­len stets stramm an ih­rer Sei­te ge­stan­den. Ihr jetzt in den Rü­cken zu fal­len ist schlech­ter Stil.

Dann ist da Mar­tin Schulz, dem Kon­ser­va­ti­ve an sei­nem ers­ten Tag als Kan­di­dat mit Won­ne vor­hiel­ten, dass er, der neu­lich noch ei­ne eu­ro­päi­sche Re­gie­rung woll­te, nun kar­rie­ris­tisch ins Kanz­ler­amt stre­be, seit die Luft in Brüs­sel dün­ner ge­wor­den ist.

Und dann ist da noch NRW-Lan­des­che­fin Han­ne­lo­re Kraft. Sie be­teu­ert, der Ver­zicht ih­res Ver­trau­ten sei kei­nes­wegs ein Hin­weis auf ih­ren sin­ken­den Ein­fluss in der SPD, viel­mehr sei sie in die Ent­schei­dungs­fin­dung ein­ge­bun­den ge­we­sen. Letz­te­res geht auch aus dem le­sens­wer­ten Ga­b­ri­el-In­ter­view im „Stern“her­vor. Dass Kraft es so sehr be­tont, nährt al­ler­dings den Ein­druck, dass viel­leicht doch das stimmt, was sie zu­rück­weist.

Ein glück­li­cher Start in ein Wahl­jahr sieht an­ders aus.

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