Ge­schäfts­mo­dell Schein-Iden­ti­tät

So­zi­al­be­trug in Braun­schweig: In­nen­mi­nis­ter Pis­to­ri­us weist Vor­wurf der Ver­tu­schung zu­rück

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest -

Von Klaus Wie­sche­mey­er

Am Mitt­woch ging In­nen­mi­nis­ter Bo­ris Pis­to­ri­us (SPD) in die Of­fen­si­ve: Es ha­be nach heu­ti­ger Kennt­nis kei­ne Ver­tu­schung von So­zi­al­be­trug an der Lan­des­auf­nah­me­be­hör­de (LAB) Braun­schweig ge­ge­ben, er­klär­te er.

Zu­vor hat­ten die Vor­wür­fe ei­ner frü­he­ren LAB-Mit­ar­bei­te­rin ge­gen die Be­hör­de für Auf­re­gung ge­sorgt: Die frü­he­re Zeit­ar­bei­te­rin hat­te die LAB be­schul­digt, das The­ma schlei­fen ge­las­sen zu ha­ben. Zu­sam­men mit ei­ner Kol­le­gin mit ei­nem fo­to­gra­fi­schen Ge­dächt­nis ha­be sie vor­her Per­so­nen ge­sam­melt, die sich mehr­fach un­ter ver­schie­de­nen Iden­ti­tä­ten als Flücht­lin­ge hät­ten re­gis­trie­ren las­sen. Da­zu war die LAB-Mit­ar­bei­te­rin aber nicht au­to­ri­siert ge­we­sen. Als sie dann auch noch an der Be­hör­den­lei­tung vor­bei di­rekt die Po­li­zei über Hun­der­te Ver­dachts­fäl­le in­for­mier­te, wur­de die Mit­ar­bei­te­rin En­de Mai frei­ge­stellt – ihr Ver­trag en­de­te im Ju­ni.

„Sie be­fürch­te­te wohl, dass in der Sa­che nichts ver­an­lasst wur­de“, sag­te Pis­to­ri­us am Mitt­woch. Nicht ganz grund­los, denn ei­ne Mel­dung En­de Ja­nu­ar an die Stand­ort­lei­tung blieb fol­gen­los. In Han­no­ver wur­de der Vor­fall laut Mi­nis­te­ri­um erst im De­zem­ber 2016 be­kannt, als sich die Ex-Mit­ar­bei­te­rin bei der Be­schwer­de­stel­le mel­de­te. In­zwi­schen hat der Bund der Steu­er­zah­ler Straf­an­zei­ge we­gen des Ver­dachts der Straf­ver­ei­te­lung im Amt ge­gen die LAB ge­stellt.

Der Mi­nis­ter warb um Ver­ständ­nis: En­de 2015 und An­fang 2016 sei­en die Be­hör­den we­gen der Flücht­lings­kri­se im Aus­nah­me­zu­stand ge­we­sen. An­fangs sei­en Neu­an­kömm­lin­ge le­dig­lich fo­to­gra­fiert wor­den – Fin­ger­ab­drü­cke wur­den erst spä­ter ge­nom­men.

Dies er­öff­ne­te Kri­mi­nel­len, die sich un­ter die Flüch­ti­gen misch­ten, of­fen­bar Chan­cen: Sie mel­de­ten sich un­ter ver­schie­de­nen Na­men an ver­schie­de­nen Or­ten an. Die Kri­mi­nal­sta­tis­tik zählt für das ver­gan­ge­ne Jahr 487 Fäl­le von So­zi­al­be­trug durch Flücht­lin­ge. In et­wa der Hälf­te der Fäl­le hand­le es sich um Men­schen, die ei­ge­nen An­ga­ben zu­fol­ge aus dem Su­dan stam­men. Ulf Küch von der Po­li­zei Braun­schweig spricht von ei­nem „Ge­schäfts­mo­dell“von Kri­mi­nel­len. Man­che Ver­däch­ti­gen hät­ten zwölf oder mehr Iden­ti­tä­ten.

Pis­to­ri­us stell­te am Mitt­woch klar, dass Nie­der­sach­sen kei­nen Grund ha­be, mög­li­che Straf­ta­ten klein­zu­re­den. Man ha­be in Bram­sche be­reits En­de Ok­to­ber 2015 Fin­ger­ab­drü­cke ge­nom­men, als das zu­stän­di­ge Bun­des­amt für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge (Bamf ) noch weit von ei­ner sol­chen Er­fas­sung ent­fernt ge­we­sen sei.

Der Op­po­si­ti­on reicht das nicht: CDU-Frak­ti­ons­vi­ze Edi­tha Lor­berg sprach am Mitt­woch­abend von ei­nem „Of­fen­ba­rungs­eid“des Mi­nis­ters. Man er­war­te für den In­nen­aus­schuss am mor­gi­gen Frei­tag ei­ne „lü­cken­lo­se Auf­klä­rung“durch Pis­to­ri­us, sag­te sie.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.