Blit­zen bald Pri­vat­fir­men?

Ver­kehrs­ge­richts­tag dis­ku­tiert über Ent­las­tung der Po­li­zei

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest -

Der Ruf nach mehr Ver­kehrs­kon­trol­len der Po­li­zei ist min­des­tens so alt wie der Ver­kehrs­ge­richts­tag (VGT), der seit 1963 in Gos­lar zu­sam­men­kommt. Jahr für Jahr ver­lan­gen die Ex­per­ten mehr Über­wa­chung, da­mit Ra­ser, Dräng­ler und Al­ko­hol­sün­der aus dem Ver­kehr ge­zo­gen wer­den. Doch für stän­di­ge Kon­trol­len feh­le es an Per­so­nal. „We­gen Über­las­tung der Po­li­zei wer­den wich­ti­ge Ver­kehrs­kon­trol­len ver­nach­läs­sigt“, be­män­gelt auch VGT-Prä­si­dent Kay Nehm. In Gos­lar wird des­halb dis­ku­tiert, ob Pri­vat­fir­men ein­sprin­gen kön­nen.

Für den ADAC ist der Fall klar: Um die Po­li­zei zu ent­las­ten, könn­ten auch pri­va­te Un­ter­neh­men den Stra­ßen­ver­kehr über­wa­chen, meint Deutsch­lands größ­ter Au­to­club. Grund­sätz­lich sei das zwar ei­ne ho­heit­li­che Auf­ga­be, sagt ADAC-Ju­rist Ste­phan Mil­ler. Sie kön­ne aber de­le­giert wer­den, wenn die Be­hör­de wei­ter „Her­rin des Ver­fah­rens“blei­be.

Man dür­fe aber kei­ne fal­schen An­rei­ze set­zen, meint der ADAC-Ex­per­te. Er­folgs­prä­mi­en dür­fe es nicht ge­ben. Und auch wenn Pri­vat­fir­men Tem­po­mes­sun­gen vor­näh­men, müs­se die Ver­kehrs­si­cher­heit im Vor­der­grund ste­hen, nicht das Er­zie­len ho­her Ein­nah­men.

Die Deut­sche Po­li­zei­ge­werk­schaft hält den Ein­satz von Pri­vat­un­ter­neh­men bei der Tem­po­über­wa­chung „für vor­stell­bar“. Die Ver­kehrs­ju­ris­ten des Deut­schen An­walt­ver­eins da­ge­gen (DAV) be­fürch­ten ei­ne „Ka­pi­tu­la­ti­on des Rechts­staa­tes“. Recht­li­che Be­den­ken macht auch VGT-Prä­si­dent Nehm gel­tend: „Ho­heit­li­ches Han­deln ge­hört in die Ver­ant­wor­tung der Ho­heits­trä­ger“, sagt der frü­he­re Ge­ne­ral­bun­des­an­walt. Ähn­lich wie Nehm sieht es der Au­to­mo­bil­club von Deutsch­land: Er lehnt pri­va­te Di­enst­leis­ter ab, weil staat­li­che Ho­heits­rech­te und die Zu­stän­dig­keit für Si­cher­heit und Ord­nung un­zu­läs­sig aus­ge­la­gert wür­den.

Fo­to: dpa

Noch blitzt die Po­li­zei – doch Ver­kehrs­ex­per­ten den­ken dar­über nach, die­se Auf­ga­be an Pri­vat­fir­men ab­zu­ge­ben.

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