Maut-Än­de­run­gen be­schlos­sen

Är­ger in Nach­bar­län­dern – Kri­tik aus der Op­po­si­ti­on

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft -

Ver­kehrs­mi­nis­ter Do­brindt nimmt die nächs­te Hür­de im Rin­gen um die Pkw-Maut: Nach sei­ner Ver­stän­di­gung mit Brüs­sel seg­net das Ka­bi­nett ein ge­än­der­tes Mo­dell ab. Nicht nur von der Op­po­si­ti­on kommt Kri­tik. dpa BER­LIN/BRÜS­SEL. Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt (CSU) treibt die um­strit­te­ne Pk­wMaut ge­gen Pro­tes­te aus eu­ro­päi­schen Nach­bar­län­dern vor­an. Das Ka­bi­nett brach­te am Mitt­woch Än­de­run­gen der seit 2015 gel­ten­den Maut-Ge­set­ze auf den Weg, die deut­sche Au­to­fah­rer mit ab­gas­ar­men Wa­gen stär­ker von steu­er­li­chen Ent­las­tun­gen pro­fi­tie­ren las­sen. Die Nach­bes­se­run­gen set­zen ei­nen von Do­brindt mit der EU-Kom­mis­si­on ver­ein­bar­ten Kom­pro­miss um, mit dem Brüs­sel grü­nes Licht für die Maut ge­ben will. Auf Initia­ti­ve Ös­ter­reichs be­rie­ten meh­re­re deut­sche An­rai­ner über mög­li­che Ge­gen­re­ak­tio­nen.

Do­brindt be­kräf­tig­te: „Für in­län­di­sche Au­to­fah­rer gibt es kei­ne Mehr­be­las­tun­gen. Wer ein be­son­ders um­welt­freund­li­ches Eu­ro-6-Fahr­zeug fährt, zahlt un­term Strich so­gar we­ni­ger als bis­her.“Als Aus­gleich für Mau­tZah­lun­gen soll die Kfz-Steu­er für die­se Wa­gen um jähr­lich 100 Mil­lio­nen Eu­ro zu­sätz­lich im Ver­gleich zu den bis­he­ri­gen Plä­nen ge­senkt wer­den. Der Ent­wurf von Fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) sieht da­für in den ers­ten bei­den Jah­ren nach dem Start der Maut ei­nen Auf­schlag bei der ge­ne­rel­len Kfz-Steu­er-Sen­kung vor, die al­le in­län­di­schen Au­to­be­sit­zer min­des­tens in Hö­he ih­rer Maut be­kom­men sol­len. Ab dem drit­ten Jahr soll die­ser Auf­schlag ge­senkt wer­den.

Als zwei­te Än­de­rung be­schloss das Ka­bi­nett ei­ne stär­ke­re Sprei­zung der Kurz­zeit­ta­ri­fe, die nur Fah­rer aus dem Aus­land kau­fen kön­nen. So soll ei­ne Zehn-Ta­ge-Maut sechs Preis­stu­fen von 2,50 Eu­ro bis 25 Eu­ro be­kom­men, bis­her sind es drei Stu­fen von 5, 10 und 15 Eu­ro. Die neu­en Re­ge­lun­gen müs­sen noch durch Bun­des­tag und Bun­des­rat. Den kon­kre­ten Start der Maut er­war­tet Do­brindt mitt­ler­wei­le für 2019. Da­mit wer­de ein Sys­tem­wech­sel zu ei­ner stär­ke­ren Nut­zer­fi­nan­zie­rung voll­zo­gen. Das Mi­nis­te­ri­um er­war­tet nach Ab­zug der Kos­ten, dass 524 Mil­lio­nen Eu­ro pro Jahr zweck­ge­bun­den für Stra­ßen-In­ves­ti­tio­nen her­ein­kom­men.

CDU-Bun­des­vi­ze Ju­lia Klöck­ner kri­ti­sier­te die Maut als „ei­ne Ge­fahr für den klei­nen Grenz­ver­kehr. „Ent­lang der Gren­zen müs­sen Au­to­fah­rer maut­frei un­ter­wegs sein kön­nen“, sag­te die rhein­land-pfäl­zi­sche CDU-Lan­des­che­fin. Die saar­län­di­sche Mi­nis­ter­prä­si­den­tin An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er (CDU) pocht eben­falls auf Aus­nah­men. „Auf der fran­zö­si­schen Sei­te gibt es auch ei­nen grenz­na­hen Kor­ri­dor, der maut­frei ist“, sag­te sie der „Rhei­ni­schen Post“.

„Pres­ti­ge­pro­jekt“

Do­brindt lehn­te neue Son­der­re­geln ab. Da­für sei schon als Kom­pro­miss in die gel­ten­den Ge­set­ze auf­ge­nom­men wor­den, dass Fah­rer aus dem Aus­land nur auf Au­to­bah­nen, aber nicht auf Bun­des­stra­ßen Maut zah­len müs­sen. SPD-Frak­ti­ons­vi­ze Sö­ren Bar­tol for­der­te ein kla­res Si­gnal der CDU zur Maut. „Ein Dop­pel­spiel, bei dem die Uni­on Re­gie­rung und Op­po­si­ti­on gleich­zei­tig ist, wird die SPD nicht mit­ma­chen.“

Grü­nen-Frak­ti­ons­chef An­ton Ho­frei­ter kri­ti­sier­te: „Al­le be­rech­tig­ten Ein­wän­de wur­den aus­ge­blen­det, da­mit die CSU ihr teu­res Pres­ti­ge­pro­jekt be­kommt.“Die eu­ro­päi­sche Zu­sam­men­ar­beit dür­fe nicht für „so ei­nen Quatsch“be­las­tet wer­den. Der Ver­kehrs­ex­per­te der Lin­ken, Her­bert Beh­rens, kri­ti­sier­te: „Al­le se­riö­sen Be­rech­nun­gen ge­hen da­von aus, dass die Aus­län­der­maut bes­ten­falls ein Null­sum­men­spiel wird.“

Bei­spiel für ei­ne pri­va­te Maut­sta­ti­on: der War­now­tun­nel in Ros­tock. Fo­to: dpa

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