Folgt jetzt die In­ter­net­zen­sur?

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Dialog -

Zum Ar­ti­kel „Face­book will Fal­sch­mel­dun­gen mar­kie­ren“(Aus­ga­be vom 16. Ja­nu­ar).

„Na­tür­lich soll­te je­der im In­ter­net die Frei­heit ha­ben zu be­haup­ten, die Er­de sei ei­ne Schei­be. Für Schlim­me­res gibt es das Straf­recht! Selbst­ver­ständ­lich hat das un­zen­sier­te In­ter­net zu ei­ner ,Quatsch­ex­plo­si­on‘ ge­führt, wie der Nes­tor der Com­pu­ter­re­vo­lu­ti­on, Jo­sef Wei­zen­baum vom Mas­sa­chu­setts In­sti­tu­te of Tech­no­lo­gy (MIT), es ein­mal for­mu­lier­te.

In län­ge­ren Ge­sprä­chen wies er auf ganz an­de­re Ge­fah­ren hin: näm­lich, dass wir un­se­re Kin­der viel zu früh die­ser süch­tig ma­chen­den Tech­no­lo­gie aus­lie­fern. Er warn­te vor dem Ver­lust der Rea­li­täts­wahr­neh­mung und des Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­seins. Denn vir­tu­el­le Pflan­zen, Tie­re, Men­schen brau­chen kei­ne Pfle­ge. Bes­ser wä­re ein wirk­li­cher Gar­ten oder ein re­al exis­tie­ren­der Hams­ter.

Wei­zen­baum ver­trat auch ei­ne mich be­ein­dru­cken­de ra­di­ka­le Form der Frei­heit des Wor­tes. Al­len Ver­su­chen, die Le­ser­brie­fe sind Mei­nungs­äu­ße­run­gen un­se­rer Le­ser. Ih­re Bei­trä­ge kön­nen Sie per E-Mail an le­ser­brie­fe@noz.de schi­cken. Oder pos­ta­lisch an: Neue Os­na­brü­cker Zei­tung, Le­ser­brie­fe, Brei­ter Gang 10–16, 49074 Osnabrück. Die Re­dak­ti­on be­hält sich Kür­zun­gen vor.

Mei­nungs­frei­heit ein­zu­schrän­ken, selbst für na­tio­na­lis­ti­sche Kund­ge­bun­gen, wür­de er sich ent­ge­gen­stel­len. Ein er­staun­li­ches Wort von je­man­dem, der vor den Na­zis nach Ame­ri­ka ge­flüch­tet war und des­sen Fa­mi­lie in den KZ um­ge­bracht wor­den ist.

Was wird in der Fa­ke-NewsDis­kus­si­on nicht al­les zu­sam­men­ge­rührt! Folgt jetzt nach der be­reits exis­tie­ren­den to­ta­len Über­wa­chung durch Ge­heim­diens­te ei­ne In­ter­net­zen­sur? Wird da nicht der Teu­fel mit dem Beel­ze­bub aus­ge­trie­ben? Mit wo­mög­lich zwei­fel­haf­tem Er­folg. Ha­ben wir denn ver­ges­sen, dass es bei­spiels­wei­se nicht Hass­pre­di­ger im In­ter­net, son­dern Jour­na­lis­ten der ,Qua­li­täts­me­di­en‘ wa­ren, die durch ei­ne Fa­keNews-Kam­pa­gne ei­nen un­be­schol­te­nen am­tie­ren­den Bun­des­prä­si­den­ten (Wul­ff) in­ner­halb von Ta­gen stür­zen konn­ten? Vom Um­schal­ten auf den Pro­pa­gan­da­mo­dus des Kal­ten Krie­ges un­se­rer Me­di­en am Bei­spiel Sy­ri­en und Ukrai­ne gar nicht zu re­den.

Auf der an­de­ren Sei­te: Ist es nicht ge­ra­de den Ha­cker­an­grif­fen im jüngs­ten US-Prä­si­dent­schafts­wahl­kampf zu ver­dan­ken, dass trans­pa­rent wur­de, wie durch ein par­tei­in­ter­nes In­tri­gen­spiel des Cl­in­ton-Netz­wer­kes in­ner­halb der De­mo­kra­ti­schen Par­tei der chan­cen­rei­che Kan­di­dat Ber­nie San­ders letzt­lich aus­ge­trickst wur­de – kein Fa­ke News?!

Des­halb: Die De­mo­kra­tie ist durch Mut und bes­se­re Ar­gu­men­te zu er­hal­ten, die Hoff­nung auf ein Wahr­heits­mi­nis­te­ri­um (‚1984‘ ) da­ge­gen fa­tal und der Weg zur Reichs­schrift­tums­kam­mer ver­bo­ten.“

Dr. Jo­han­nes F. Hart­ke­mey­er Bram­sche

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