Re­spekt für Ga­b­ri­el, Vor­freu­de auf Schulz

Wie re­agiert die so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Ba­sis auf den Pau­ken­schlag an der Par­tei­spit­ze?

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Westfälische Tagespost - Sie auf noz.de. le­sen

Sig­mar Ga­b­ri­el zieht sich zu­rück, und Mar­tin Schulz wird Kanz­ler­kan­di­dat: Die­se Nach­richt sorg­te am Di­ens­tag für ei­nen Pau­ken­schlag bei den So­zi­al­de­mo­kra­ten. Wie ha­ben SPD-Mit­glie­der vor Ort re­agiert? Un­se­re Re­dak­ti­on hat nach­ge­fragt.

Von Frank Klaus­mey­er und Vol­ker Po­ersch­ke

Auch wenn die so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Ba­sis eben­so wie manch Spit­zen­ver­tre­ter vor voll­ende­te Tat­sa­chen ge­stellt wur­de, stößt die Lö­sung so­wohl bei den Lot­ter als auch bei den Wes­ter­kap­pel­ner SPD-Ge­nos­sen und im Kreis St­ein­furt auf Wohl­wol­len.

Die Lot­ter SPD-Par­tei­vor­sit­zen­de Hei­ke La­ters re­agiert po­si­tiv auf Mar­tin Schulz: „Schulz strahlt Zu­ver­sicht aus und wirkt sehr ver­trau­ens­wür­dig. Er steht wie­der mehr für die ur­ei­gens­ten Wer­te der So­zi­al­de­mo­kra­tie, für die so­zia­le Kom­pe­tenz, die der Par­tei in den ver­gan­ge­nen Jah­ren et­was ver­lo­ren ge­gan­gen war. Schulz kann die­ses so­zia­le Pro­fil der SPD si­cher­lich wie­der schär­fen. Ich hof­fe, dass er fri­schen Wind in die Par­tei bringt.“Sig­mar Ga­b­ri­el fand sie auch gut, rech­net Schulz al­ler­dings – wie Ga­b­ri­el selbst – bes­se­re Chan­cen ge­gen Schulz statt Ga­b­ri­el – was denkt die SPD-Par­tei­ba­sis in der Re­gi­on dar­über? Stel­lung neh­men un­ter an­de­ren Lot­tes SPDPar­tei­vor­sit­zen­de Hei­ke La­ters (5. von links) und der SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te und Par­tei­vor­sit­zen­de im Kreis St­ein­furt, Jür­gen Co­ße.

An­ge­la Mer­kel aus, „weil Schulz un­ver­braucht ist in der Bun­des­po­li­tik“.

Der SPD-Vor­sit­zen­de im Kreis St­ein­furt und Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Jür­gen Co­ße re­agier­te be­reits am Di­ens­tag un­mit­tel­bar nach Be­kannt­wer­den der Ent­schei­dung Ga­b­ri­els, auf die Kanz­ler­kan­di­da­tur zu ver­zich­ten: „Ich hal­te Mar­tin Schulz für ei­nen ex­zel­len­ten Po­li­ti­ker und ge­eig­ne­ten Kanz­ler­kan­di­da­ten. Vor Ga­b­ri­els Ent­schei­dung, die Kanz­ler­kan­di­da­tur

Mar­tin Schulz zu über­las­sen, ha­be ich gro­ßen Re­spekt und ste­he voll und ganz da­hin­ter. Er hat sich zum Wohl der Par­tei ent­schie­den und sei­ne ei­ge­nen In­ter­es­sen hint­an­ge­stellt.“

Dass Ga­b­ri­el die­sen Weg so ge­gan­gen sei, sei mu­tig, sagt Ul­la Kropf, Vor­sit­zen­de des SPD-Orts­ver­eins Wes­ter­kap­peln, auf Nach­fra­ge. „Ich bin über­zeugt, dass Mar­tin Schulz ein gu­ter Kan­di­dat ist.“Schulz über­zeu­ge sie durch sei­ne Kom­pe­tenz und

Sach­lich­keit. In­wie­weit der Kan­di­dat im Wahl­kampf ge­gen Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel auf Atta­cke ge­hen wer­de oder soll­te, wol­le „das klei­ne Wes­ter­kap­peln“der­zeit aber nicht be­ur­tei­len. Schließ­lich müs­se die Per­so­na­lie ja noch von den Gre­mi­en be­stä­tigt wer­den. Auf ei­ne Prä­fe­renz für ei­ne Fort­set­zung der Gro­ßen Ko­ali­ti­on oder ein an­de­res Bünd­nis wie Rot-Ro­tG­rün möch­te Kropf sich mo­men­tan eben­so nicht fest­le­gen. „Das hängt auch da­von

ab, wie sich die Lin­ke po­si­tio­niert.“Mit Mar­tin Schulz als Kan­di­da­ten hält es Ul­la Kropf je­den­falls für mög­lich, dass seit zwölf Jah­ren wie­der ein So­zi­al­de­mo­krat ins Bun­des­kanz­ler­amt ein­zieht.

Auch Frank Sun­der­mann, Vor­sit­zen­der der SPD-Rats­frak­ti­on und Ab­ge­ord­ne­ter des Nord­rhein-West­fä­li­schen Land­tags, fin­det die Ent­schei­dung gut. Schulz ken­ne er aus ei­ni­gen Ver­an­stal­tun­gen per­sön­lich. „Das ist ein su­per Rhe­to­ri­ker und ein po­li­tisch sehr er­fah­re­ner Mensch.“Über­dies ha­be Mar­tin Schulz mehr­fach be­wie­sen, bei­spiels­wei­se in ei­nem Streit mit dem frü­he­ren ita­lie­ni­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Ber­lus­co­ni oder sei­nen Aus­sa­gen zur La­ge in der Tür­kei, „dass er auch kla­re Kan­te kann“. Po­si­tiv sei viel­leicht auch, „dass er durch das Ber­li­ner Esta­blish­ment noch nicht so ver­saut ist“, meint Sun­der­mann. Da­durch ha­be Schulz si­cher ei­nen an­de­ren Blick auf die Bun­des­po­li­tik. Schließ­lich kom­me der po­ten­zi­el­le Kanz­ler­kan­di­dat mög­li­cher­wei­se gut bei den Wäh­lern an, weil er aus sei­ner ge­bro­che­nen Bio­gra­fie kei­nen Hehl ma­che. Schulz hat­te frü­her Al­ko­hol­pro­ble­me, die­se aber über­wun­den und po­li­tisch Kar­rie­re ge­macht. „Wich­tig ist, dass wir jetzt ei­ne gu­te Per­for­mance auf die Stra­ße krie­gen“, sagt Sun­der­mann zum be­vor­ste­hen­den Bun­des­tags­wahl­kampf. Dann sei­en die Wahl­chan­cen im Sep­tem­ber „ganz gut“. Den Ver­zicht von Sig­mar Ga­b­ri­el auf die Kanz­ler­kan­di­da­tur und des­sen Rück­zug von der Par­tei­spit­ze nennt Sun­der­mann ei­ne ho­no­ri­ge Ent­schei­dung – „ge­gen­über der Par­tei und auch sei­ner Fa­mi­lie“, be­tont der Land­tags­ab­ge­ord­ne­te.

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