…und was macht der Hackl-Schorsch?

Ant­wor­ten zum Ro­deln: Was ein Schlit­ten kos­tet und war­um der Sport so oft im TV läuft

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport -

Die deut­schen Rod­ler sind bei Welt­meis­ter­schaf­ten und Olym­pi­schen Spie­len seit Jah­ren Dau­er­sie­ger. Doch wer be­treibt den Sport in den we­ni­gen Eis­ka­nä­len die­ser Welt über­haupt? Und war­um wird er bei ARD und ZDF so oft ge­zeigt?

Von Patrick Reichardt und Ul­ri­ke John

INNSBRUCK/IGLS. Al­le Jah­re wie­der heim­sen die deut­schen Rod­ler ei­ne Flut an Me­dail­len bei wich­ti­gen Wett­kämp­fen ein. Am Wo­che­n­en­de ist es in Innsbruck/ Igls wie­der so weit: Die Deut­schen sind bei der Welt­meis­ter­schaft in je­dem Wett­be­werb fa­vo­ri­siert. Doch was macht die­se Sport­art aus? Und war­um wird sie so sehr von Deut­schen be­herrscht? Fra­gen und Ant­wor­ten zum Sport im Eis­ka­nal.

In wel­chen Län­dern wird über­haupt ge­ro­delt?

Für den Vol­ley­ball-Trai­ner Ste­li­an Mo­cu­les­cu ist das Feld in die­sem Sport nicht sehr breit auf­ge­stellt. „Beim Ro­deln zum Bei­spiel sind vor­ne drei, vier Deut­sche und dann kommt viel­leicht noch ei­ner aus Tan­sa­nia oder wo auch im­mer her“, sag­te der Na­tio­nal­coach Ös­ter­reichs einst in sei­nem Är­ger über die Win­ter­sport-Flut im deut­schen Fernsehen. „Kein Mensch ro­delt“, schimpf­te er.

Tat­säch­lich ha­ben al­lei­ne im Welt­cup der Män­ner in die­ser Sai­son 26 Na­tio­nen min­des­tens ein Ren­nen be­strit­ten, dar­un­ter Rod­ler aus Ar­gen­ti­ni­en, In­di­en oder Süd­ko­rea. Am meis­ten ver­brei­tet ist der Sport in Eu­ro­pa und Nord­ame­ri­ka. Ei­nen Rod­ler oder Mit­glieds­ver­band aus Afri­ka gibt es beim

Welt­ver­band FIL nicht, da­für mit Alex­an­der Fer­laz­zo ei­nen aus Aus­tra­li­en. „Afri­ka ist noch ein wei­ßer Fleck auf der FIL-Kar­te“, sagt ein Ver­bands­spre­cher.

War­um gewinnen die Deut­schen so oft?

Die Deut­schen ha­ben die bes­ten Trai­nings­be­din­gun­gen und durch gleich vier Heim­bah­nen (Al­ten­berg, Kö­nigs­see, Ober­hof und Win­ter­berg) ei­nen Wett­be­werbs­vor­teil. „Die vier Bah­nen, un­ser Nach­wuchs­sys­tem und vie­le gut aus­ge­bil­de­te Trai­ner sind we­sent­li­che Punk­te“, ur­teilt Bun­des­trai­ner Nor­bert Loch. Der Ma­te­ri­al­vor­teil ist hin­ge­gen nicht mehr so groß wie frü­her. „Die Schlit­ten­tech­nik hat sich bei den Na­tio­nen so an­ge­gli­chen, dass es nur noch um De­tails geht.“

War­um kommt Ro­deln so oft im Fernsehen?

Durch vie­le deut­schen Er­fol­ge hat Ro­deln auch ei­ne ho­he TV-Prä­senz er­langt und wird – wie an­de­re Win­ter­sport­ar­ten – qua­si je­des Wo­che­n­en­de über­tra­gen und in den Nach­rich­ten er­wähnt. „Die Fas­zi­na­ti­on des Win­ter­sports ist un­ge­bro­chen, es wird auf die­sem ho­hen Ni­veau blei­ben“, sagt ZDFS­port­chef Die­ter Gru­schwitz. Von den Dau­er-Über­tra­gun­gen pro­fi­tie­ren wie­der die ein­zel­nen Sport­ar­ten.

Was muss man als Rod­ler über­haupt gut kön­nen?

„Wich­tig sind men­ta­le Stär­ke und Ath­le­tik“, sagt Bun­des­trai­ner Loch. Für ei­ne schnel­le Fahrt gibt es drei Kri­te­ri­en: ei­nen gu­ten Start, ei­ne sta­bi­le Fahr­la­ge und bes­tens prä­pa­rier­tes Ma­te­ri­al. Ein gro­ßer Ath­let hat beim Start zwar bes­se­re He­bel­ver­hält­nis­se, bie­tet wäh­rend sei­ner Fahrt aber auch mehr Wi­der­stand

im Wind. So lässt sich auch er­klä­ren, dass die bei­den deut­schen Olym­pia­sie­ger Fe­lix Loch (1,91 Me­ter) und Ge­org Hackl (1,72) un­ter­schied­lich groß sind.

Frie­ren die Rod­ler in ih­ren wind­schnit­ti­gen An­zü­gen?

Die Sport­ler ver­su­chen, mög­lichst we­nig Zeit im Frei­en zu ver­brin­gen. Bis zu ih­rem Lauf hal­ten sie sich im Start­haus warm, nach dem Ziel­ein­lauf strei­fen sie sich war­me Kla­mot­ten über.

Was kos­ten die Schlit­ten und wie schwer sind sie?

Die Schlit­ten wie­gen bei den Ein­sit­zern 23 Ki­lo­gramm. Bei den Dop­pel­sit­zern ist ein Ge­wicht von 27 Ki­lo­gramm vor­ge­se­hen. Die Sport­ge­rä­te der Rod­ler be­ste­hen aus Ku­fen, Lauf­schie­nen so­wie dem ei­gent­li­chen Fahr­werk mit dem vor­de­ren und dem hin­te­ren Bock. Die Wan­ne, in der der Rod­ler liegt, wird in­di­vi­du­ell auf den Ath­le­ten ab­ge­stimmt. „20 000 Eu­ro ist ein un­ten an­ge­setz­ter Preis. Ten­den­zi­ell kos­tet so ein Schlit­ten eher mehr“, sagt Bun­des­trai­ner Loch.

Was macht ei­gent­lich Ge­org Hackl?

Der drei­ma­li­ge Olym­pia­sie­ger, als „Hackl-Schorsch“be­kannt, ist dem Ro­del-Sport noch im­mer eng ver­bun­den. Er küm­mert sich als Trai­ner im deut­schen Team um die Fahr- und Schlit­ten­tech­nik, auch bei der WM ist er vor Ort. Im Som­mer baut Hackl in sei­ner Werk­statt die Schlit­ten in en­ger Ab­stim­mung mit den Sport­lern zu­sam­men. Selbst die Bahn hin­un­ter­ro­deln will der 50-Jäh­ri­ge aber nicht mehr: „Renn­ro­deln ist kei­ne Brei­ten­sport­art.“Und was macht er sonst? „Das Le­ben ge­nie­ßen“, sagt er mit baye­ri­scher Ge­müt­lich­keit.

Do­mi­nanz im Eis­ka­nal: Renn­ro­deln wie hier am Kö­nigs­see ist deut­scher Pa­ra­de­sport. Fo­to: ima­go/GEPA pic­tu­res

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.