Köl­mel ist wie­der da – am Aa­che­ner Ti­vo­li

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport - Von Udo Mu­ras

Die Bun­des­li­ga ist als Ers­te aus dem Win­ter­schlaf er­wacht, am Wo­che­n­en­de zie­hen die 2. und 3. Li­ga nach. Doch es gibt nicht we­ni­ge Fans, die schwö­ren, die in­ter­es­san­tes­te Li­ga auf deut­schem Bo­den star­te erst am 18. Fe­bru­ar. In der Re­gio­nal­li­ga West tum­meln sich fünf Ex-Bun­des­li­gis­ten, vier Ex-Zweit­li­gis­ten und fünf U23-Teams der Bun­des­li­ga. Rot-Weiß Es­sen ge­gen Wup­per­tal, Ale­man­nia Aa­chen ge­gen Vik­to­ria Köln, Wat­ten­scheid ge­gen RW Ober­hau­sen – die­se Du­el­le ha­ben den Charme des Mor­bi­den und fül­len die Rän­ge von Sta­di­en, die schon bes­se­re Ta­ge ge­se­hen ha­ben.

Und sie üben auf den Leip­zi­ger Fil­me­händ­ler Dr. Micha­el Köl­mel ei­nen un­wi­der­steh­li­chen Reiz aus. Der Mann sorg­te En­de der Neun­zi­ger für Auf­re­gung in der Bran­che, als er et­li­che in die Dritt­klas­sig­keit ab­ge­rutsch­te Tra­di­ti­ons­ver­ei­ne auf ei­nen Schlag ent­schul­de­te und ih­nen im Ge­gen­zug die Rech­te an künf­ti­gen Fern­seh­ein­nah­men ab­rang. Nicht al­le, aber den Groß­teil. Der Plan war der: Wer­det erst mal ge­sund, dann steigt schön auf, und wenn dann die Zen­tral­ver­mark­tung im Pro­fi­fuß­ball fällt, dann tei­len wir uns den gro­ßen Rei­bach. Doch bis heu­te darf we­der Bay­ern Mün­chen noch Dy­na­mo Dres­den (ei­ner von fünf Köl­mel-Zweit­li­gis­ten) sei­ne Live­über­tra­gun­gen selbst an die Sen­der ver­scha­chern. Das Pro­jekt ging erst mal schief, sei­ne Fir­ma „Sport­welt“muss­te vor­über­ge­hend In­sol­venz an­mel­den.

Köl­mel muss­te wie­der klein an­fan­gen, hat­te aber noch ge­nug Geld, das Leip­zi­ger WM-Sta­di­on zu bau­en, das er vor we­ni­gen Wo­chen mit Ge­winn an die Ro­ten Bul­len ver­kauf­te. Und er tum­melt sich wei­ter­hin im Fuß­ball, trotz schlech­ter Er­fah­run­gen mit di­ver­sen ver­trags­brü­chi­gen Part­nern. Auch mit Ale­man­nia Aa­chen war er 2013 bis vors Ober­lan­des­ge­richt Köln ge­zo­gen, um sein ihm zu­ste­hen­des Geld von 1,3 Mil­lio­nen Eu­ro zu be­kom­men. Er ge­wann, doch Aa­chen konn­te nicht zah­len. Dar­auf­hin ging er mit der Ale­man­nia ei­ne Art Wet­te ein: Er ließ ihr zwölf Jah­re Zeit, auf­zu­stei­gen und Geld zu ver­die­nen. Da­für er­hält er 15 Pro­zent der TV-Ein­nah­men, die Ale­man­nia ab der 3. Li­ga er­zielt. Egal, wie viel es ist. Er kann Ge­winn oder Ver­lust ma­chen. Ty­pisch Köl­mel. Der Ma­the­ma­ti­ker hat schon im­mer gern spe­ku­liert. Man­che Rech­nung ging auf, man­che nicht. Un­ter dem Strich ha­be er mit Fuß­ball Plus ge­macht, ver­si­chert er, die fünf Zweit­li­gis­ten aus sei­nem Port­fo­lio fül­len wei­ter die Kas­sen, auch wenn sie sich nun all­mäh­lich von ihm tren­nen wie Dres­den (zum 1. Ju­li 2017). Da­mit auch die Ale­man­nia wie­der auf die Bei­ne kommt und Köl­mel schnel­ler an sein Geld, er­schien er kurz vor Weih­nach­ten am Ti­vo­li – mit ei­nem wei­te­ren In­ves­tor und dem frü­he­ren Li­ga-Se­kre­tär Wolf­gang Holz­häu­ser, um dem Auf­tritt mehr Kom­pe­tenz zu ver­lei­hen. Sie wol­len Ale­man­nia vier Mil­lio­nen Eu­ro ge­ben – auf vier Jah­re ver­teilt – und da­für 49 Pro­zent der An­tei­le der Fuß­bal­lGm­bH. Was sie nicht wol­len: den Klub ent­schul­den (un­ter zwei Mil­lio­nen Eu­ro), das müs­se er vor­her selbst hin­be­kom­men. Seit vier Wo­chen grü­beln sie am Ti­vo­li nun schon, ob sie die Hand des Ret­ters, mit dem sie noch vor drei Jah­ren vor Ge­richt stan­den, an­neh­men sol­len. Ei­ne Mit­glie­der­ver­samm­lung soll und muss laut Sta­tut Klar­heit brin­gen, sie brau­chen ei­ne Drei-Vier­tel-Mehr­heit, um den Ein­stieg ei­nes In­ves­tors zu er­lau­ben. Köl­mel hat schon ver­si­chert, we­der Wap­pen noch Far­ben, ge­schwei­ge denn den Ver­eins­na­men an­tas­ten zu wol­len. Denn das ist es ja, was ihn reizt – Tra­di­ti­on er­hal­ten und in neu­em Glanz er­schei­nen zu las­sen.

Fo­to: ima­go/Mat­thi­as Koch

Wie­der im Fuß­ball­ge­schäft: Film- und Rech­te­händ­ler Micha­el Köl­mel.

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