„Sen­kung der Kreis­um­la­ge nicht mög­lich“

Kreis­käm­me­rer er­klärt Fi­nanz­la­ge

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrücker Land - Von Je­an-Charles Fays

Kreis­käm­me­rer Ste­fan Muh­le er­klärt im In­ter­view, war­um er kei­nen Spiel­raum zur Sen­kung zur Kreis­um­la­ge sieht und er ei­ne am Be­darf der Kom­mu­nen ori­en­tier­te fle­xi­ble Rück­er­stat­tung an die Städ­te und Ge­mein­den im Land­kreis für sinn­vol­ler hält.

Die Bür­ger­meis­ter wer­fen dem Land­kreis vor, dass das Ge­samt­auf­kom­men der Kreis­um­la­ge seit 2011 um mehr als 40 Mil­lio­nen Eu­ro ge­stie­gen ist, die Kreis­um­la­ge aber kon­stant blieb. War­um hat der Land­kreis die Kreis­um­la­ge den­noch nicht ge­senkt? Das Vo­lu­men der Kreis­um­la­ge ist des­halb ge­stie­gen, weil die Ein­nah­men der Städ­te und Ge­mein­den sich ent­spre­chend po­si­tiv ent­wi­ckelt ha­ben. Die Kom­mu­nen ver­zeich­nen in den letz­ten Jah­ren ein aus­ge­spro­chen ho­hes Auf­kom­men bei den Steu­ern und den Ein­nah­men aus dem Fi­nanz­aus­gleich. Das ist die Be­mes­sungs­grund­la­ge für die Kreis­um­la­ge. Wenn es den Städ­ten und Ge­mein­den gut geht, geht es auch dem Land­kreis gut.

War­um wur­de die Kreis­um­la­ge nicht ge­senkt?

Die Kreis­um­la­ge wur­de nicht ge­senkt, weil wir ent­spre­chen­de Stei­ge­run­gen in den Aus­ga­ben ha­ben. Man kann das in den Haus­hal­ten der letz­ten Jah­re nach­voll­zie­hen. Ins­be­son­de­re bei den ganz gro­ßen Bud­gets, die oh­ne grö­ße­ren Ein­fluss von uns sind, zum Bei­spiel im So­zi­al­be­reich und im Be­reich der Ju­gend­hil­fe, sind die Stei­ge­run­gen so hoch, dass wir die Er­trä­ge auch brau­chen. Denn die Kreis­um­la­ge ist das größ­te Ein­nah­me­in­stru­ment, das der Kreis zur Ver­fü­gung hat.

Sind dem­zu­fol­ge auch die Aus­ga­ben seit 2011 um mehr als 40 Mil­lio­nen Eu­ro ge­stie­gen?

Ge­nau. Sie sind prak­tisch in der glei­chen Grö­ßen­ord­nung ge­stie­gen. Es gibt bis heu­te kei­nen Spiel­raum, die Kreis­um­la­ge zu sen­ken.

Im Jahr 2015 et­wa hat der Land­kreis ei­nen Über­schuss von 18 Mil­lio­nen Eu­ro ge­macht. Das spricht nicht für Aus­ga­ben in der glei­chen Grö­ßen­ord­nung wie die Ein­nah­men. Al­lein durch die Grö­ße des Kreis­haus­halts mit rund 550 Mil­lio­nen Eu­ro kann man am An­fang je­des Jah­res in den we­sent­li­chen Pla­nungs­zah­len nur Vor­her­sa­gen tref­fen. Wir ha­ben An­fang ei­nes Jah­res in den ver­gan­ge­nen Jah­ren im­mer nur mit ei­nem aus­ge­gli­che­nen Haus­halt rech­nen kön­nen. Aus un­ter­schied­li­chen Grün­den hat es sich dann un­ter­jäh­rig po­si­ti­ver ent­wi­ckelt. Zum ei­nen ar­bei­ten wir in­ner­halb der Kreis­ver­wal­tung sehr kos­ten­be­wusst, an­de­rer­seits pro­fi­tie­ren wir von der gu­ten wirt­schaft­li­chen Ge­samt­la­ge.

An­fang 2015 hat­te der Land­kreis ei­nen Über­schuss von knapp 2 Mil­lio­nen Eu­ro er­war­tet. Könn­ten Sie er­läu­tern, aus wel­chen Grün­den die tat­säch­li­chen Ein­nah­men die Er­war­tun­gen so stark über­stie­gen?

2015 wa­ren es ins­be­son­de­re im So­zi­al- und Ju­gend­hil­fe­be­reich po­si­ti­ve Ent­wick­lun­gen. Das heißt, wir ha­ben durch ent­spre­chen­de prä­ven­ti­ve Maß­nah­men, die wir schon vor vie­len Jah­ren im Be­reich der Ju­gend­hil­fe ein­ge­rich­tet ha­ben, kei­ne Fall­zahl­stei­ge­run­gen wie sonst ge­habt. Da­mit ha­ben wir dort po­si­ti­ve Ent­wick­lun­gen, die sich dann zu­sam­men mit der gu­ten Ein­nah­me­si­tua­ti­on, über­ra­schend po­si­tiv auf das Jah­res­er­geb­nis aus­ge­wirkt ha­ben.

Auch 2016 konn­te der Land­kreis trotz der 6,5 Mil­lio­nen Eu­ro, die im De­zem­ber an die Kom­mu­nen wei­ter­ge­lei­tet wur­den, acht Mil­lio­nen Eu­ro Über­schuss ma­chen. Wie ist das zu er­klä­ren?

Im letz­ten Jahr ist die pro­gnos­ti­zier­te Flücht­lings­zahl so nicht ein­ge­tre­ten. Wir ha­ben mit deut­lich ge­rin­ge­ren Ein­nah­men kal­ku­liert, als es sie am En­de ge­ge­ben hat, weil die Lan­des­re­gie­rung die will Kom­mu­nen lie­ber ge­zielt ent­las­ten, als ge­ne­rell die Kreis­um­la­ge zu sen­ken.

Be­rech­nungs­grund­la­gen po­si­tiv ver­än­dert hat. Zu­dem hat­ten wir deut­lich ge­rin­ge­re Aus­ga­ben, als wir pro­gnos­ti­ziert ha­ben, weil die Flücht­lings­zah­len so nicht ein­ge­tre­ten sind. Al­lein das hat schon ei­nen Groß­teil des Über­schus­ses aus­ge­macht.

Der Lin­ken-Frak­ti­ons­chef spricht da­von, dass die Kreis­kom­mu­nen mit 300 Mil­lio­nen Eu­ro ver­schul­det sind und sich der Land­kreis über die Kreis­um­la­ge den­noch auf Kos­ten der Kom­mu­nen ent­schul­det. Hat er recht?

Er hat nicht recht. Als Kreis­käm­me­rer ist es mei­ne Auf­ga­be, dass die Kreis­kas­se stimmt und nach Mög­lich­keit En­de des Jah­res mit ei­nem Über­schuss ab­schließt. Es ist uns ge­lun­gen, in den letz­ten Jah­ren durch ak­ti­ve Steue­rung und durch Aus­ga­ben­kon­trol­le ent­spre­chen­de Er­geb­nis­se zu er­wirt­schaf­ten. Dar­über hin­aus ist es ge­mein­sa­mes Ziel von Po­li­tik und Ver­wal­tung im Land­kreis Osnabrück, den Kreis zu ent­schul­den. Da sind wir auf ei­nem gu­ten Weg. 2011

lag die Ver­schul­dung des Land­krei­ses bei rund 80 Mil­lio­nen Eu­ro und wird am En­de des Jah­res bei rund 34 Mil­lio­nen Eu­ro lie­gen. Das ist kei­ne Ent­schul­dung zu­las­ten der Städ­te und Ge­mein­den, weil auch die­se in den letz­ten Jah­ren ih­re Haus­hal­te in der über­wie­gen­den Zahl aus­glei­chen und Über­schüs­se er­wirt­schaf­ten konn­ten. Bei der Ver­schul­dung gibt es ei­ne an­de­re Ent­wick­lung. In der Tat ha­ben sich die Städ­te und Ge­mein­den in ih­rer Ge­samt­heit ins­ge­samt wei­ter ver­schul­det, ha­ben da­für aber auch durch In­ves­ti­tio­nen in Ge­bäu­de und in die In­fra­struk­tur Wer­te ge­schaf­fen. Die Ver­mö­gens­ent­wick­lung der Städ­te und Ge­mein­den ist da­her po­si­tiv und die Haus­hal­te aus­ge­gli­chen.

Die Op­po­si­ti­on im Kreis­tag will die Kreis­um­la­ge dau­er­haft sen­ken, wäh­rend die bei­den gro­ßen Grup­pen CDU/FDP/CDW und SPD/UWG die Kom­mu­nen mit ei­ner Rück­zah­lung in Hö­he von 10 Mil­lio­nen Eu­ro in 2017 be­sänf­ti­gen wol­len. Was spricht aus Ih­rer

Sicht für ei­ne fle­xi­ble Rück­er­stat­tung, was für ei­ne dau­er­haf­te Sen­kung? Ei­ne dau­er­haf­te Sen­kung der Kreis­um­la­ge kön­nen wir uns mit Blick auf die mit­tel­fris­ti­ge Fi­nanz­pla­nung nicht er­lau­ben. Es spricht viel da­für, punk­tu­ell bei Kos­ten­stei­ge­run­gen der Städ­te und Ge­mein­den wie et­wa bei Krip­pe und Ki­ta zu ent­las­ten. Da ha­ben wir für die nächs­ten Wo­chen Ge­sprä­che mit den Bür­ger­meis­te­rin­nen und Bür­ger­meis­tern ver­ab­re­det, wie kon­kret die ver­trag­li­che Gestal­tung sein soll. Dar­über hin­aus dis­ku­tie­ren wir den Ver­trag für die Schul­sach­kos­ten neu. Es macht mehr Sinn, ge­zielt zu ent­las­ten, als ge­ne­rell die Kreis­um­la­ge zu sen­ken. Die Kreis­um­la­ge wird im Land­kreis Osnabrück tra­di­tio­nell dann an­ge­passt, wenn es grö­ße­re Auf­ga­ben­ver­schie­bun­gen von der ei­nen zur an­de­ren Sei­te gibt. Das ist ak­tu­ell nicht der Fall.

Das In­ter­view mit dem Kreis­käm­me­rer in vol­ler Län­ge le­sen Sie im In­ter­net auf www.noz.de/ os­nabru­eck

Kreis­käm­me­rer Ste­fan Muh­le Fo­to: Jörn Mar­tens

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