„Ein neu­es frei­es Me­di­um“

Jour­na­list im Exil und Re­cher­che­bü­ro star­ten deutsch-tür­ki­sche On­li­ne-Zei­tung

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Medien / Fernsehen - „Öz­gü­r­üz“im In­ter­net: oz­guruz.org

„Öz­gü­r­üz“ist ein neu­es On­li­ne-Me­di­um für Le­ser in Deutsch­land und in der Tür­kei und be­rich­tet auf Deutsch und auf Tür­kisch. Mit von der Par­tie ist der frü­he­re „Cumhu­riy­et“-Chef­re­dak­teur Can Dündar.

BER­LIN. Das zwei­spra­chi­ge On­li­ne-Me­di­um „Öz­gü­r­üz“ist ge­star­tet. Für das Pro­jekt mit Tex­ten und Vi­de­os auf Deutsch und Tür­kisch ar­bei­tet das ge­mein­nüt­zi­ge Re­cher­che­zen­trum Cor­rec­tiv mit den tür­ki­schen Jour­na­lis­ten Can Dündar und Hay­ko Bag­dat zu­sam­men. „Öz­gü­r­üz“heißt über­setzt „Wir sind frei“.

Das On­li­ne-Me­di­um soll nach An­ga­ben der Initia­to­ren un­ter an­de­rem über die Po­li­tik des tür­ki­schen Prä­si­den­ten Re­cep Tay­yip Er­do­gan und über Kor­rup­ti­on in der Tür­kei be­rich­ten. „Wir wol­len die Men­schen in der Tür­kei in­for­mie­ren und die Men­schen in Deutsch­land über die Ver­hält­nis­se auf­klä­ren. Und: Wir wol­len ein Me­di­um schaf­fen, das die tür­kisch­spra­chi­gen Com­mu­ni­tys in Deutsch­land ernst nimmt.“

Das ver­gan­ge­ne Jahr sei für ihn das schlimms­te sei­nes Le­bens ge­we­sen, sag­te Dündar, Ex-Chef­re­dak­teur der re­gie­rungs­kri­ti­schen Zei­tung „Cumhu­riy­et“. Er ha­be sei­ne Zei­tung ver­las­sen müs­sen, sei­ne Fa­mi­lie, sein Haus. Der Jour­na­list, der in der Tür­kei zu ei­ner mehr­jäh­ri­gen Haft­stra­fe ver­ur­teilt wur­de, nach­dem „Cumhu­riy­et“ge­hei­me Do­ku­men­te ver­öf­fent­licht hat­te, die tür­ki­sche Waf­fen­lie­fe­run­gen an Is­la­mis­ten in

Sy­ri­en 2015 be­le­gen soll­ten, lebt in­zwi­schen in Deutsch­land. „Nun wol­len wir ein neu­es, frei­es Me­di­um auf­bau­en“, sag­te Dündar. In der Tür­kei sei freie Pres­se nicht mehr er­laubt. „Ich hof­fe, die­se Platt­form er­mög­licht es uns, un­ge­hin­dert un­se­re Ar­beit zu tun.“Sie soll nach Dündars Wor­ten „ein Exil­me­di­um mit Ba­sis in Ber­lin“sein. „Die Tür­kei er­lebt ei­ne der dun­kels­ten Pha­sen ih­rer Ge­schich­te“, schreibt Dündar in ei­nem Ma­ni­fest zum Start von „Öz­gü­r­üz“.

Das Land sei zum welt­weit größ­ten Ge­fäng­nis für Jour­na­lis­ten ge­wor­den. Auch Hay­ko Bag­dat ist im Exil in Deutsch­land. Er hat zu­vor für

ver­schie­de­ne tür­ki­sche Me­di­en ge­ar­bei­tet, dar­un­ter die Ta­ges­zei­tung „Ta­raf “und das On­li­ne-Por­tal „Di­ken“. „Wir glau­ben an die Wahr­heit“, sag­te er. „Ich bin über­zeugt, dass die Wahr­heit die Kraft ha­ben wird, das Bö­se zu be­sie­gen.“

Of­fi­zi­el­ler Start des neu­en Por­tals war Di­ens­tag­abend um 22 Uhr, Mit­ter­nacht in der Tür­kei. Der Ter­min ist kein Zu­fall: Der 24. Ja­nu­ar ist der To­des­tag von Ugur Mum­cu, der 1993 er­schos­sen wur­de. Der In­ves­ti­ga­tiv­re­por­ter ar­bei­te­te eben­falls für „Cumhu­riy­et“, al­ler­dings lan­ge, be­vor Dündar zu der Zei­tung kam. „Die Idee, ein sol­ches On­li­ne-Me­di­um zu ma­chen,

hat­te Cor­rec­tiv schon ver­gan­ge­nen Som­mer“, sag­te der Chef­re­dak­teur des Re­cher­che­zen­trums, Mar­kus Grill, der jetzt für die deutsch­spra­chi­gen In­hal­te ver­ant­wort­lich ist. Die Tex­te in bei­den Spra­chen sei­en nicht iden­tisch, man wol­le ver­su­chen, sie auf die Be­dürf­nis­se der un­ter­schied­li­chen Le­ser­grup­pen ab­zu­stim­men, sag­te er. Noch sucht Cor­rec­tiv Un­ter­stüt­zer, um das Pro­jekt lang­fris­tig zu si­chern. „Das Pro­blem ist wie im­mer Geld“, so Cor­rec­tiv-Ge­schäfts­füh­rer Da­vid Schra­ven. Bis­her sei die Fi­nan­zie­rung nur für die ers­ten Wo­chen ge­si­chert. Be­reits am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag hat­te die in Ber­lin er­schei­nen­de

„ta­ges­zei­tung“das deutsch-tür­ki­sche In­ter­net­por­tal „taz.ga­ze­te“ge­star­tet. Dort sol­len wö­chent­lich fünf Bei­trä­ge in tür­ki­scher und deut­scher Spra­che er­schei­nen. Die „taz“-Re­dak­teu­rin und Pro­jekt­lei­te­rin Fat­ma Ay­de­mir er­klär­te zum Start: „Wäh­rend das au­to­ri­tä­re tür­ki­sche Re­gime ein Me­di­um nach dem an­de­ren aus­schal­tet, ge­ben wir ein neu­es, frei­es und un­ab­hän­gi­ges Me­di­um her­aus.“

Fo­to: dpa

Star­ten mit „Öz­gü­r­üz“: die tür­ki­schen Jour­na­lis­ten Can Dündar (rechts), Hay­ko Bag­dat (links) mit Mar­kus Grill, Cor­rec­tivChef­re­dak­teur (2. v. l.), und Da­vid Schra­ven, Cor­rec­tiv-Ge­schäfts­füh­rer.

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