Lan­ge, lan­ge Ge­sprä­che in Pa­ris

Ver­kopf­tes in 3-D: Wim Wen­ders ver­filmt Pe­ter Hand­kes Stück „Die schö­nen Ta­ge von Aran­ju­ez“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur -

Von To­bi­as Sun­der­diek

Ein Mann. Ei­ne Frau. Ein idyl­li­scher Gar­ten im Som­mer. Am Ho­ri­zont, in der Fer­ne: Pa­ris. Viel mehr gibt es in Wim Wen­ders’ neu­es­tem Film nicht zu se­hen. Da­zu kom­men Vo­gel­ge­zwit­scher, Blät­ter­ra­scheln und – lan­ge, lan­ge Ge­sprä­che.

Das mit­tel­al­te Paar, das sich hier un­ter ei­ner Per­go­la ge­setzt hat, er­zählt sich In­ti­mes aus der Ver­gan­gen­heit. Aber auch Ba­na­les. Wie war „die ers­te Nacht“? Wann und wo fiel ein Maul­beer­baum­blatt auf den Bo­den? Oder: Was ha­ben mensch­li­che Ex­kre­men­te in ei­ner Holz­hüt­te zu su­chen? Zwi­schen­durch wer­den sie von ei­nem Au­tor an ei­ner Schreib­ma­schi­ne be­ob­ach­tet, vor des­sen geis­ti­gem Au­ge eben­je­nes Ge­spräch ent­steht. Und der hört sich da­zu ein paar Singles aus ei­ner Ju­ke­box an. Oder es tritt gleich mal Lou Reed am Kla­vier auf.

Mehr ge­schieht fast 100 Mi­nu­ten lang nicht. Mit der Ver­fil­mung von Pe­ter Hand­kes Thea­ter­stücks „Die schö­nen Ta­ge von Aran­ju­ez“setz­ten der deut­sche Film­re­gis­seur und der ös­ter­rei­chi­sche Au­tor ih­re seit 1972, seit Wen­ders’ Film­ver­si­on von Hand­kes „Die Angst des Tor­manns beim Elf­me­ter“, be­ste­hen­de Künst­ler­freund­schaft fort.

Je­doch: Das Er­geb­nis ent­täuscht. An­ge­sichts der prä­ten­tiö­sen pseu­do-be­deu­tungs­schwe­ren Dia­lo­ge und der we­nig plau­si­blen Me­taEbe­ne zeigt sich hier lei­der all­zu deut­lich, wie ein ZweiPer­so­nen­stück im Ki­no nicht funk­tio­niert.

Da­bei gibt es durch­aus ge­lun­ge­ne Bei­spie­le: Eric Roh­mers „Mei­ne Nacht bei Maud“(1969) et­wa, oder Lou­is Mal­les „Mein Es­sen mit An­dré“(1981). Fil­me al­so, die zwar auch das Prin­zip des Kam­mer­spiels be­nut­zen, aber ge­ra­de da­durch fil­misch wir­ken, weil sie eben nicht Thea­tra­lik aus­stel­len oder Dia­lo­ge pa­pi­ern-de­kla­miert wir­ken las­sen, da­bei ei­ner Dra­ma­tur­gie fol­gen und ei­nen Er­kennt­nis­ge­winn bie­ten.

Qua­li­tä­ten, die bei Wen­ders/Hand­ke völ­lig feh­len. Wes­halb üb­ri­gens auch der vor­geb­li­che Na­tu­ra­lis­mus der 3-D-Ka­me­ra ins Lee­re läuft. Der Gar­ten wirkt zwar plas­tisch, die Un­ter­brin­gung im Film bleibt aber flach, wirkt ob­so­let. Was bleibt, ist al­so ein Ef­fekt oh­ne Mehr­ge­winn.

Wim Wen­ders wird das Zi­tat zu­ge­schrie­ben, dass, wenn je­mand im Ki­no schläft, der­je­ni­ge im Pu­bli­kum dem Re­gis­seur voll und ganz ver­traut. In­so­fern: Auf Wen­ders ist wirk­lich Ver­lass. Ein ver­schnarch­ter Film.

„Die schö­nen Ta­ge von Aran­ju­ez“. F/D/P 2016. R: Wim Wen­ders. D: Re­da Kateb, So­phie Se­min, Jens Har­zer, Lou Reed. 97 Min. Oh­ne Al­ters­be­schrän­kung.

Ein Paar er­in­nert sich: Re­da Kateb und So­phie Se­min in dem Film „Die schö­nen Ta­ge von Aran­ju­ez“. Fo­to: dpa

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