Ver­lust der Selbst­be­stimmt­heit

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite - D.haus­feld@noz.de

Kommt bald der ge­setz­li­che Se­nio­ren-Tüv? Die Idee, Se­nio­ren Fahr­eig­nungs­tests vor­zu­schrei­ben, wie jetzt auf dem Ver­kehrs­ge­richts­tag in Gos­lar dis­ku­tiert, ist nicht neu. Sie wird bei ei­ner al­tern­den Be­völ­ke­rung aber im­mer re­le­van­ter. Kei­ne Fra­ge: Tests und Trai­nings wä­ren sinn­voll, doch braucht es kei­ne staat­li­che Be­vor­mun­dung.

Ge­ra­de im länd­li­chen Raum, wo der öf­fent­li­che Nah­ver­kehr mehr und mehr aus­ge­dünnt wird, ist das Au­to für äl­te­re Men­schen oft un­ver­zicht­bar. Be­son­ders für Se­nio­ren, die nicht Von Da­vid Haus­feld

mehr gut zu Fuß sind, be­deu­tet Au­to­fah­ren Un­ab­hän­gig­keit und Selbst­be­stimmt­heit. Aber ge­ra­de im ho­hen Al­ter ha­ben Men­schen die Gren­ze zur Fahr­un­taug­lich­keit schnell über­schrit­ten. Fah­rer ab 65 Jah­ren sind zwar sel­te­ner in Un­fäl­le ver­wi­ckelt als jün­ge­re Men­schen, doch sind sie ab 75 Jah­ren in drei Vier­tel der Fäl­le auch ihr Ver­ur­sa­cher.

Un­taug­li­che Au­to­fah­rer müs­sen ih­re Fahr­er­laub­nis ver­lie­ren. Den Füh­rer­schein ab­zu­ge­ben kann für Se­nio­ren je­doch ei­nen im­men­sen Ein­schnitt ins Le­ben be­deu­ten. Der An­stoß, die Fahr­taug­lich­keit zu tes­ten oder zu trai­nie­ren, soll­te des­halb nicht von staat­li­cher, son­dern von der Bei­fah­rer­sei­te aus kom­men – bes­ser noch: aus Ei­gen­an­trieb. Da­für braucht es Auf­klä­rung so­wie Freun­de und Fa­mi­lie, die den Se­ni­or im Zwei­fel auch mit Nach­druck zu Test und Trai­ning be­we­gen.

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