Stadt ge­winnt Streit um Grund­stück

Ur­teil nicht rechts­kräf­tig: Zi­on-Nach­fol­ge-Gm­bH 3g Group legt Be­ru­fung beim OLG Ol­den­burg ein

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite - Von Rai­ner Lah­mann-Lam­mert

Das Land­ge­richt hat ent­schie­den, dass der Kauf­ver­trag vom 21. März 2013 zwi­schen der Stadt und der Zi­on Gm­bH über das Brü­cken­grund­stück an der Ham­bur­ger Stra­ße rech­tens war. Die Stadt be­nö­tigt die 1300 qm gro­ße Flä­che, um ei­ne neue Brü­cke über die Bahn­stre­cke nach Löh­ne zu bau­en. Das vor­han­de­ne, über 100 Jah­re al­te Bau­werk ist so ma­ro­de, dass es die Be­las­tun­gen nur noch aus­hält, weil zu­sätz­li­che Trä­ger und Stüt­zen an­ge­bracht wur­den. Au­tos dür­fen nur noch ein­spu­rig über die Brü­cke fah­ren, Last­wa­gen gar nicht mehr. Die Zi­on Gm­bH (heu­te 3g Group) ver­fügt über den größ­ten Teil des Gü­ter­bahn­hofs. Sie will den Kauf­ver­trag nicht er­fül­len, weil sie mit den Pla­nun­gen der Stadt nicht ein­ver­stan­den ist. Das Ur­teil ist noch nicht rechts­kräf­tig, über die Be­ru­fung ent­schei­det das OLG Ol­den­burg.

Punkt­sieg für die Stadt im Rechts­streit mit der Zi­on Gm­bH: Das Land­ge­richt hat den Kauf­ver­trag für ein Grund­stück am Gü­ter­bahn­hof für rech­tens er­klärt. Es geht um ei­ne Flä­che, die für den Bau ei­ner neu­en Brü­cke an der Ham­bur­ger Stra­ße be­nö­tigt wird. Das Ur­teil ist noch nicht rechts­kräf­tig.

OS­NA­BRÜCK. Ei­nen ver­meint­li­chen Form­feh­ler hat die Zi­on Gm­bH zum An­lass ge­nom­men, um ein für die Stadt Os­na­brück wich­ti­ges Grund­stücks­ge­schäft in­fra­ge zu stel­len. Die Ge­sell­schaft mit dem bi­bli­schen Na­men, die heu­te als 3g Group Gm­bH fir­miert, ver­fügt über den größ­ten Teil der ehe­ma­li­gen Gü­ter­bahn­hofs­flä­chen. Der seit Jah­ren aus­ge­foch­te­ne Rechts­streit hin­dert die Stadt dar­an, die ka­ta­stro­pha­le Stra­ßen­ver­bin­dung zwi­schen dem Haupt­bahn­hof und dem Ha­se­park in Ord­nung zu brin­gen. In­zwi­schen dür­fen Last­wa­gen die Stre­cke gar nicht mehr be­fah­ren, für Pkw ist sie zum Na­del­öhr ge­wor­den.

Kli­ma ver­schlech­tert

Im Mit­tel­punkt des Rechts­streits steht der Kauf­ver­trag über ei­ne et­wa 1300 qm gro­ße Flä­che, der am 21. März 2013 ab­ge­schlos­sen wur­de. Zu die­sem Zeit­punkt war das Ver­hält­nis zwi­schen der Stadt und der Zi­on Gm­bH noch un­be­las­tet. Zwei Mo­na­te spä­ter ver­schlech­ter­te sich das Kli­ma, nach­dem Zi­on-Ge­schäfts­füh­rer Ralf Ger­vel­mey­er in ei­nem TV-In­ter­view Ho­mo­se­xua­li­tät als „Sün­de“be­zeich­net hat­te

und von ver­schie­de­nen Po­li­ti­kern da­für kri­ti­siert wur­de. Ger­vel­mey­er er­klär­te den Kauf­ver­trag für nich­tig und be­rief sich auf ei­ne Vor­be­halts­klau­sel, nach der die „zu­stän­di­gen städ­ti­schen Gre­mi­en“dem Grund­stücks­ge­schäft zu­stim­men müss­ten.

Ei­nen ent­spre­chen­den Be­schluss hat­te der Ver­wal­tungs­aus­schuss (VA) am 9. April 2013 ge­fasst, das wich­tigs­te Gre­mi­um nach dem Rat. Das rei­che nicht aus, er­klär­te die Zi­on Gm­bH da­mals, und wei­ger­te sich, den Ver­trag zu er­fül­len. Die Stadt Os­na­brück klag­te auf Er­fül­lung,

aber das Ver­fah­ren zog sich in die Län­ge. Viel Zeit ver­ging, weil das Land­ge­richt zu­nächst ei­ne Me­dia­ti­on vor­schlug und spä­ter ei­nen Gut­ach­ter ein­schal­te­te, der sei­ne Auf­ga­be nicht zeit­nah er­fül­len konn­te.

Der VA war zu­stän­dig

Mit dem Gut­ach­ten soll­te ge­klärt wer­den, ob der Ver­wal­tungs­aus­schuss tat­säch­lich die rich­ti­ge In­stanz war, um das Grund­stücks­ge­schäft ab­zu­seg­nen. Nach den Sta­tu­ten darf der VA Be­schlüs­se über Grund­stücks­ge­schäf­te bis 100000 Eu­ro fas­sen. Bei ei­nem Kauf­preis von 38820

Eu­ro wä­re das kei­ne Fra­ge. Aber die Stadt hat­te sich ge­gen­über der Zi­on Gm­bH ver­pflich­tet, ein Ge­bäu­de ab­zu­rei­ßen und ei­ne Flä­che nach Ab­schluss der Bau­ar­bei­ten zu pflas­tern. Mit den Kos­ten für die­se Ar­bei­ten wür­de das Li­mit über­schrit­ten, ar­gu­men­tier­te die Ei­gen­tü­mer­ge­sell­schaft.

Ein Sach­ver­stän­di­ger kal­ku­lier­te schließ­lich, dass für Ab­bruch und Pflas­te­rung wei­te­re 38256,62 Eu­ro hin­zu­ge­rech­net wer­den müss­ten. Am 1. No­vem­ber 2016 fäll­te die 12. Zi­vil­kam­mer des Land­ge­richts das lan­ge er­war­te­te Ur­teil. Das Grund­stücks­ge­schäft wur­de für recht­mä­ßig er­klärt.

Da­mit ist die Stadt al­ler­dings nicht am Ziel, denn die 3g Group Gm­bH hat in­zwi­schen Be­ru­fung beim Ober­lan­des­ge­richt in Ol­den­burg ein­ge­legt. OLG-Spre­che­rin Bet­ti­na v. Teich­man und Lo­gi­schen er­klär­te da­zu auf An­fra­ge, es lie­ge aber noch kei­ne Be­grün­dung vor. Des­halb sei mo­men­tan nicht ab­seh­bar, wann das Ge­richt zu ei­ner Ent­schei­dung kom­me.

Zank­ap­fel Gü­ter­bahn­hof: Die Hin­ter­grün­de le­sen Sie im In­ter­net auf www.noz.de

Fo­to: Gert West­dörp

Nur noch ein­spu­rig darf der Au­to­ver­kehr über die Brü­cke an der Ham­bur­ger Stra­ße fah­ren, für Lkw ist das 100 Jah­re al­te Bau­werk ge­sperrt. Und dar­an wird sich auch so schnell nichts än­dern.

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