Lan­des­spit­ze der AfD sagt Par­tei­tag ab

Lan­des­vor­stand bläst Son­der­par­tei­tag ab – Macht­kampf tobt seit Mo­na­ten

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite - Von Klaus Wie­sche­mey­er

Der AfDLan­des­vor­stand hat ei­nen für den 4. Fe­bru­ar in Han­no­ver ge­plan­ten Son­der­par­tei­tag ab­ge­sagt. Bei der Ver­an­stal­tung woll­ten Kri­ti­ker von Par­tei­chef Ar­min Paul Ham­pel ei­gent­lich des­sen Ab­wahl be­spre­chen. Sie be­kla­gen das Ab­schnei­den der Par­tei bei den Kom­mu­nal­wah­len und das schlech­te Kli­ma. An­stel­le des Par­tei­ta­ges will der AfDVor­stand am 4. Fe­bru­ar nun di­rekt den Spit­zen­kan­di­da­ten der Par­tei für die Bun­des­tags­wahl be­stim­men. Ham­pel strebt die­sen Pos­ten an.

Der Ham­pel-Kri­ti­ker Hol­ger Pie­ters aus Ost­fries­land er­klär­te, der Lan­des­ver­band sei „ein Scher­ben­hau­fen“. Ham­pel und der jet­zi­ge Lan­des­vor­stand sei­en po­li­tisch am En­de.

Nie­der­sach­sens AfD-Spit­ze hat ei­nen von Kri­ti­kern des Lan­des­chefs Ar­min Paul Ham­pel ge­for­der­ten Son­der­par­tei­tag ab­ge­sagt. Per Rund­mail in­for­mier­te der Lan­des­vor­stand am Mitt­woch­abend die Mit­glie­der, dass die für den 4. Fe­bru­ar an­ge­setz­te Aus­spra­che über die Leis­tun­gen der Par­tei­spit­ze ab­ge­setzt wird. Statt­des­sen will die Par­tei in Han­no­ver di­rekt über die Lan­des­lis­te für die Bun­des­tags­wahl ab­stim­men. Zehn Kreis­ver­bän­de hat­ten ge­for­dert, zu­nächst über Ham­pels Ar­beit als Lan­des­chef zu spre­chen, be­vor man ihn zum nie­der­säch­si­schen Spit­zen­kan­di­da­ten kürt.

Mit Wol­fen­büt­tel und Os­na­brück-Land hät­ten zwei Ver­bän­de die­sen Be­schluss zu­rück­ge­nom­men, be­grün­det der Vor­stand in der un­se­rer Re­dak­ti­on vor­lie­gen­den

Ab­sa­ge. Zu­dem sei der Be­schluss von Os­na­brück-Stadt „rechts­un­wirk­sam“, au­ßer­dem fehl­ten Pro­to­kol­le.

Die Ab­sa­ge ist vor­läu­fi­ger Hö­he­punkt ei­nes mo­na­te­lan­gen Macht­kampfs in­ner­halb der Par­tei: In ei­nem La­ger ste­hen die vor al­lem im Groß­raum Han­no­ver star­ken Un­ter­stüt­zer des Lan­des­chefs, die sich selbst „Prä­to­ria­ner­gar­de“nen­nen.

Da­ge­gen weh­ren sich Kreis­ver­bän­de, die die un­ter­durch­schnitt­li­chen Um­fra­geund Kom­mu­nal­wahl­er­geb­nis­se und Ham­pels Füh­rungs­stil kri­ti­sie­ren. In in­ter­nen Mails be­kla­gen sich un­ter an­de­rem die Ver­bän­de Os­na­brück-Stadt und Har­burg über ei­gen­mäch­tig an­be­raum­te Ver­an­stal­tun­gen Ham­pels in ih­ren Re­gio­nen.

In ei­nem Rund­schrei­ben vom 13. Ja­nu­ar mach­te der Lan­des­vor­stand den Kri­ti­kern Vor­wür­fe: Er be­schul­dig­te na­ment­lich Thor­ben Free­se (Os­ter­holz-Ver­den) und Lars See­mann (Sta­de) „dif­fa­mie­ren­der“Ein­las­sun­gen. Ost­fries­lands AfD-Chef Hol­ger Pie­ters un­ter­stellt die Par­tei­füh­rung „de­struk­ti­ves“, „par­tei­schä­di­gen­des“und „ jus­ti­zia­bles“Ver­hal­ten.

Ver­schwie­ge­ne Par­tei

„Ich weiß bis heu­te nicht, was die Par­tei mir vor­wirft“, sagt Ham­pel-Kri­ti­ker Pie­ters als ei­ner der we­ni­gen, die of­fen mit un­se­rer Re­dak­ti­on spre­chen. Die Schweig­sam­keit ge­gen­über den Me­di­en hat Grün­de: „Un­au­to­ri­sier­te Wei­ter­ga­be“von In­for­ma­tio­nen an „par­tei­ex­ter­ne Per­so­nen­krei­se“ gel­te als par­tei­schä­di­gen­des Ver­hal­ten und kön­ne ein „Aus­schluss­ver­fah­ren nach sich zie­hen“, droht ei­ne Mail der Os­na­brü­cker AfD.

Die Prä­to­ria­ner ha­ben bei ei­nem Tref­fen am ver­gan­ge­nen Sonn­tag nach un­se­ren In­for­ma­tio­nen ih­re Wun­sch­lis­te für die Bun­des­tags­lis­te ent­wor­fen: Dem­nach soll Ham­pel am 4.Fe­bru­ar Spit­zen­kan­di­dat wer­den. Auf Platz 2 und 3 sind die Lan­des­vi­zes Jörn Kö­nig (Han­no­ver) und Tho­mas Ehr­horn vor­ge­se­hen.

Die Ham­pel-Geg­ner wol­len die Ab­sa­ge nicht hin­neh­men. „Dar­über ent­schei­det ein Par­tei­schieds­ge­richt. Oder auch ein re­gu­lä­res“, sagt ein füh­ren­des Mit­glied. Ham­pel re­agier­te bis Don­ners­tag­abend nicht auf An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on. Die Ge­schäfts­stel­le be­stä­tig­te die Ab­sa­ge, nann­te aber kei­ne Grün­de: „Das sind In­ter­na.“

Ar­min Paul Ham­pel Fo­to: dpa

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.