Bald mehr Geld für Rent­ne­rin­nen

Bun­des­re­gie­rung will bei 9/10-Re­ge­lung Kin­der­er­zie­hungs­zei­ten be­rück­sich­ti­gen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite - Von Wal­traud Mess­mann

Vie­le Rent­ne­rin­nen könn­ten bald mehr Geld in der Ta­sche ha­ben. Die Bun­des­re­gie­rung will ih­re Un­gleich­be­hand­lung durch die 9/10-Re­ge­lung in der Kran­ken­ver­si­che­rung noch im Fe­bru­ar be­en­den.

Vie­le Rent­ne­rin­nen könn­ten bald et­was mehr Geld in der Ta­sche ha­ben. Das sieht ei­ne Ge­set­zes­in­itia­ti­ve der Bun­des­re­gie­rung vor.

Die Bun­des­re­gie­rung will die Un­gleich­be­hand­lung vie­ler Rent­ne­rin­nen durch die so­ge­nann­te 9/10-Re­ge­lung in der Kran­ken­ver­si­che­rung be­en­den. Das be­stä­tig­te die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Ul­la Schmidt in ei­nem Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on. Schmidt geht da­von aus, dass ei­ne ent­spre­chen­de Ge­set­zes­in­itia­ti­ve der Bun­des­re­gie­rung Mit­te Fe­bru­ar be­schlos­sen und die Än­de­rung im März in Kraft tre­ten wer­de. „Die Neu­re­ge­lung ist un­strit­tig“, be­ton­te sie. Den be­trof­fe­nen Frau­en hel­fe sie wirk­lich.

Die 9/10-Re­ge­lung be­deu­tet, dass als Rent­ner in der Kran­ken­ver­si­che­rung nur der pflicht­ver­si­chert wird, der in der zwei­ten Hälf­te sei­nes Er­werbs­le­bens zu 9/10 Mit­glied in der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ge­we­sen ist. Als Pflicht­mit­glie­der un­er­wünscht sind durch die­se Re­ge­lung auch sehr vie­le Frau­en, die ihr Be­rufs­le­ben jung be­gon­nen ha­ben, Kin­der auf­ge­zo­gen und spä­ter in so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Ar­beits­ver­hält­nis­se zu­rück­ge­kehrt sind. Vie­le von ih­nen wa­ren oder sind mit Be­am­ten, Sol­da­ten oder Rich­tern ver­hei­ra­tet und wa­ren über ih­re Män­ner in den Er­zie­hungs­zei­ten zeit­wei­se pri­vat ver­si­chert. Von ih­rer oft nied­ri­gen Ren­te müs­sen sie jetzt auch noch die sehr viel hö­he­ren Bei­trä­ge für die frei­wil­li­ge Kran­ken­ver­si­che­rung für Rent­ner zah­len.

Sin­nes­wan­del

Nach hef­ti­ger Kri­tik soll im Rah­men des Heil- und Hilfs­mit­tel­ver­sor­gungs­ge­set­zes (HHVG) nun ei­ne Neu­re­ge­lung er­fol­gen. Sie sieht vor, den ent­spre­chen­den Pa­ra­gra­fen im So­zi­al­ge­setz­buch V so ab­zu­än­dern, dass die be­trof­fe­nen Frau­en die 9/10Re­ge­lung trotz feh­len­der Zei­ten in der Pflicht­ver­si­che­rung doch er­fül­len kön­nen. Da­für sol­len den Mit­glieds­zei­ten der Frau­en in der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung Kin­der­er­zie­hungs­zei­ten von bis zu drei Jah­ren pro Kind hin­zu­ge­fügt wer­den kön­nen.

Von dem plötz­li­chen Sin­nes­wan­del in Ber­lin hat die Bie­le­fel­de­rin Eva Koslow­ski, die vor drei Jah­ren ei­ne Initia­ti­ve ge­gen die 9/10-Re­ge­lung ge­grün­det hat, vor ei­ni­gen Ta­gen durch ein Schrei­ben von Ul­la Schmidt er­fah­ren. Noch ist sie aber skep­tisch. „Die Kran­ken­kas­sen lau­fen Sturm ge­gen die Re­ge­lung“, sagt sie un­se­rer Re­dak­ti­on. „Des­halb ma­chen wir auf je­den Fall erst mal so wei­ter wie bis­her, falls das doch nicht in un­se­rem Sin­ne ge­re­gelt wird.“Auch die Kla­ge, die ein Mit­strei­ter beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ein­ge­reicht ha­be, wer­de auf­recht­er­hal­ten.

An­trag stel­len

Der Spit­zen­ver­band der ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­sen (GKV) lehnt den Ge­setz­ent­wurf in ei­ner Stel­lung­nah­me aus­drück­lich ab: „Das mit dem Än­de­rungs­an­trag vor­ge­se­he­ne Vor­ha­ben, im We­ge ei­ner grob ge­ne­ra­li­sie­ren­den Aus­nah­me­re­ge­lung be­stimm­te Zei­ten oh­ne ei­ne ge­setz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung erst­mals wie Zei­ten in der GKV zu be­han­deln, kann aus ord­nungs­po­li­ti­schen Grün­den nicht un­ter­stützt wer­den“, heißt es dort.

Koslow­skis größ­te Be­fürch­tung ist nun, dass der Per­so­nen­kreis, für den die Neu­re­ge­lung greift, so be­grenzt wird, dass mög­li­cher­wei­se nur die jun­gen Müt­ter da­von pro­fi­tie­ren: „Auch wir al­ten Müt­ter müs­sen da aber mit rein­kom­men. Sonst wä­re das sehr un­ge­recht“, sagt sie.

Schmidt sieht die­se Ge­fahr nicht: Die Neu­re­ge­lung wer­de für al­le gel­ten, die ab dem 1. März Ren­ten be­an­trag­ten oder schon Ren­ten­zah­lun­gen be­zie­hen, be­tont die SPD-Po­li­ti­ke­rin. Letz­te­re könn­ten dann ei­nen An­trag auf Neu­be­rech­nung ih­rer Kran­ken­kas­sen­bei­trä­ge stel­len, bei der die neue Re­ge­lung be­rück­sich­tigt wer­den müs­se. Rück­wir­kung in dem Sin­ne, dass be­reits ge­leis­te­te Zah­lun­gen in ir­gend­ei­ner Form zu­rück­er­stat­tet wür­den, ge­be es aber na­tür­lich nicht, be­ton­te Schmidt.

Am sel­ben Tag wie die fro­he Bot­schaft von Schmidt flat­ter­te Eva Koslow­ski auch die Be­rech­nung ih­res Kran­ken­kas­sen­bei­trags für das Jahr 2017 ins Haus. Die Bie­le­fel­de­rin hat zwei Kin­der und war rund 30 Jah­re so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig be­rufs­tä­tig. Der Bei­trag, den sie in die frei­wil­li­ge Kran­ken­ver­si­che­rung für Rent­ner zah­len muss, wur­de jetzt um 50 Eu­ro auf mo­nat­lich 299 Eu­ro er­höht. Von ei­ner Ren­te in Hö­he von 499 Eu­ro blei­ben ihr da­mit nur noch et­was mehr als 100 Eu­ro. Nun hofft sie, dass sich das mit dem nächs­ten Be­scheid än­dert.

Mehr über die 9/10Re­ge­lung und ih­re Fol­gen er­fah­ren Sie auf noz.de/gzw

Fo­to: dpa

Auf ei­ne hö­he­re Ren­ten­aus­zah­lung kön­nen sich vie­le Rent­ne­rin­nen Hoff­nung ma­chen.

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