Ge­bäck­her­stel­ler müs­sen zah­len

Rich­ter ge­ben Kar­tell­amt Rü­cken­de­ckung – Buß­geld in Hö­he von 21 Mil­lio­nen Eu­ro

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft -

Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat nicht nur die vom Kar­tell­amt ver­häng­ten Mil­lio­nen­bu­ßen für Bahl­sen und Co. be­stä­tigt, es hat sie so­gar noch er­höht. Da­bei ging es den Her­stel­lern gar nicht dar­um, die Ver­brau­cher zu schä­di­gen.

DÜS­SEL­DORF. Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat dem Bun­des­kar­tell­amt im Streit mit füh­ren­den Süß­wa­ren­her­stel­lern den Rü­cken ge­stärkt. Der 4. Kar­tell­se­nat be­stä­tig­te am Don­ners­tag nicht nur die von der Wett­be­werbs­be­hör­de ge­gen meh­re­re füh­ren­de Süß­wa­ren­her­stel­ler we­gen ei­nes kar­tell­rechts­wid­ri­gen In­for­ma­ti­ons­aus­tau­sches ver­häng­ten Buß­gel­der, son­dern er­höh­te sie so­gar um sie­ben auf rund 21 Mil­lio­nen Eu­ro.

Vor Ge­richt hat­ten un­ter an­de­rem die Fir­men Bahl­sen, Gries­son de Beu­kela­er, Feo­do­ra und der Bun­des­ver­band der Deut­schen Süß­wa­ren­in­dus­trie (BDSI) ge­gen die vom Kar­tell­amt ver­häng­ten Mil­lio­nen­bu­ßen ge­klagt.

Der Vor­sit­zen­de Rich­ter des Se­nats, Mar­tin Win­ter­scheid, sag­te, nach der Be­weis­auf­nah­me des Ge­richts hät­ten die Un­ter­neh­men zwi­schen 2003 und An­fang 2004 in ei­nem Ar­beits­kreis der Kon­di­tio­nen­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Süß­wa­ren­in­dus­trie in nicht zu­läs­si­gem Aus­maß In­for­ma­tio­nen über den Stand der Ver­hand­lun­gen mit dem Le­bens­mit­tel­han­del und teil­wei­se auch über be­ab­sich­tig­te Preis­er­hö­hun­gen aus­ge­tauscht. Da­bei sei es den Un­ter­neh­men zwar nicht dar­um ge­gan­gen, die Ver­brau­cher zu schä­di­gen, son­dern dar­um, der Nach­fra­ge der gro­ßen Le­bens­mit­tel­han­dels­ket­ten et­was ent­ge­gen­zu­set­zen. Den­noch sei dies un­zu­läs­sig. Denn da­durch sei et­wa der Wett­be­werb im Be­reich Süß­ge­bäck spür­bar ge­dämpft wor­den.

Im Jahr 2013 hat­te das Bun­des­kar­tell­amt ge­gen Süß­wa­ren­her­stel­ler we­gen ver­schie­de­ner Kar­tell­ver­stö­ße ho­he Buß­gel­der ver­hängt. Ein Teil der be­trof­fe­nen Un­ter­neh­men – dar­un­ter be­kann­te Na­men wie Ha­ri­bo, Kat­jes, Kraft, Storck und Zen­tis – ak­zep­tier­ten die Buß­geld­be­schei­de der Be­hör­de. an­de­re wie Bahl­sen, Gries­son de Beu­kela­er und Feo­do­ra, aber auch der BDSI wa­ren nicht be­reit, die Buß­gel­der zu zah­len, und leg­ten beim Ober­lan­des­ge­richt Ein­spruch ge­gen die Ent­schei­dung ein.

Das letz­te Wort dürf­te mit dem Düs­sel­dor­fer Ur­teil aber noch nicht ge­spro­chen sein. Be­reits vor der Ur­teils­ver­kün­dung hat­te ein Rechts­an­walt der Süß­wa­ren­in­dus­trie an­ge­kün­digt, dass die Be­trof­fe­nen bei ei­ner Nie­der­la­ge vor dem OLG Düs­sel­dorf al­ler Vor­aus­sicht nach den Fall vor den Bun­des­ge­richts­hof brin­gen wer­den.

Die Süß­wa­ren­her­stel­ler hiel­ten das Vor­ge­hen des Bun­des­kar­tell­amts für über­zo­gen. „Das Kar­tell­amt be­tritt hier Neu­land“, meint et­wa der Düs­sel­dor­fer Rechts­an­walt Andre­as Au­ler, der den BDSI ver­tritt. In frü­he­ren Fäl­len sei es im­mer um un­mit­tel­ba­re Wett­be­wer­ber ge­gan­gen, die sich zeit­nah und um­fas­send in­for­miert hät­ten. Das sei hier nicht der Fall ge­we­sen.

Das Ver­fah­ren hat nach Mei­nung von Ex­per­ten grund­sätz­li­che Be­deu­tung – und zwar nicht nur für den Han­del, son­dern bei­spiels­wei­se auch für die Au­to­zu­lie­fe­rer-In­dus­trie, ist der Düs­sel­dor­fer Kar­tell­recht­ler Jo­hann Brück über­zeugt. Schließ­lich ge­he es dar­um, grund­sätz­lich zu klä­ren, wann ein In­for­ma­ti­ons­aus­tausch zwi­schen Un­ter­neh­men die Gren­ze zu kar­tell­recht­lich ver­bo­te­nen ab­ge­stimm­ten Ver­hal­tens­wei­sen über­schrei­te.

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