Be­kommt die EU bald ei­nen ei­ge­nen Fi­nanz­mi­nis­ter?

Zu­kunft von Eu­ro­grup­pen-Chef Di­js­sel­blo­em un­ge­wiss

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft - Di­js­sel­blo­em.

Von Det­lef Dre­wes

So we­nig Auf­merk­sam­keit wur­de ei­ner Sit­zung der Eu­ro­grup­pe schon lan­ge nicht mehr zu­teil. Der Ta­ges­ord­nungs­punkt „Grie­chen­land“war am Don­ners­tag weit we­ni­ger ver­lo­ckend als das neue Ge­bäu­de, in dem die Mi­nis­ter­rats­sit­zun­gen und EU-Gip­fel ab so­fort statt­fin­den. Ei­ne über­di­men­sio­na­le Be­tonHolz-Kon­struk­ti­on, de­ren In­nen­be­leuch­tung abends die Form ei­ner eben­falls über­gro­ßen Glüh­bir­ne hat.

Doch das fried­li­che Bild trügt: Hin­ter den Ku­lis­sen bahnt sich in der Run­de der Kas­sen­war­te ei­ne Wen­de an, die noch vor zwei Jah­ren für völ­lig un­denk­bar ge­hal­ten wur­de. Aus­lö­ser ist der Chef des Krei­ses, der nie­der­län­di­sche Fi­nanz­mi­nis­ter Je­ro­en Di­js­sel­blo­em. Des­sen of­fi­zi­el­le Amts­zeit en­det zwar erst im Ja­nu­ar 2018. Tat­säch­lich wa­ckelt der Stuhl des 50-jäh­ri­gen So­zi­al­de­mo­kra­ten aber Macht sich Ge­dan­ken: schon jetzt. Di­js­sel­blo­em ge­hört der Par­tij van de Ar­beid (Pv­dA) sei­ner Hei­mat an, de­ren Chan­cen für ei­ne er­neu­te Re­gie­rungs­be­tei­li­gung bei den Neu­wah­len im März bes­ten­falls ge­ring sein dürf­ten.

Zwar schreibt das ein­schlä­gi­ge Pro­to­koll des Lis­s­a­bon­ner Ver­trags nicht vor, dass der Vor­sit­zen­de der Eu­ro­grup­pe zugleich am­tie­ren­der Fi­nanz­mi­nis­ter ei­nes Mit­glieds­lan­des sein muss. An­de­rer­seits scheint zu­min­dest bis­her der Job kaum vor­stell­bar, wenn der In­ha­ber nicht zugleich ei­ner na­tio­na­len Re­gie­rung an­ge­hört. Noch vor knapp zwei Jah­ren hat­ten die Mit­glied­staa­ten es so­gar ab­ge­lehnt, den Chef die­ses Gre­mi­ums haupt­amt­lich zu be­stel­len. Zum ei­nen, weil sei­ne Po­si­ti­on zum für Wäh­rung zu­stän­di­gen EUKom­mis­sar dann un­klar wä­re. Zum Zwei­ten be­fürch­te­te man, dass ein Eu­ro- oder EU-Fi­nanz­mi­nis­ter der Kon­trol­le der na­tio­na­len Kas­sen­war­te ent­glei­ten und ein Ei­gen­le­ben ent­wi­ckeln könn­te.

In­zwi­schen aber ha­ben sich die Zei­ten ge­än­dert. An­ge­sichts des wirt­schafts- und wäh­rungs­po­li­ti­schen Ego­trips der neu­en US-Spit­ze wer­den die Stim­men in Brüs­sel lau­ter, die sich für ei­ne deut­li­che Stär­kung der Wäh­rungs­uni­on aus­spre­chen. Kom­mis­sar Pier­re Mosco­vici be­ton­te kürz­lich beim Welt­wirt­schafts­fo­rum in Da­vos, der Eu­ro­raum brau­che „ei­nen ei­ge­nen Etat und ei­nen haupt­amt­li­chen Fi­nanz­mi­nis­ter“.

Viel los in der EU: Mehr fin­den Sie im In­ter­net auf noz.de/po­li­tik.

Je­ro­en Fo­to: AFP

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